Dienstag, 12. November 2019

Weltexklusiv - wie die CDU ihre Antwort auf das Youtube-Video plante Die Selbstzerstörung der CDU

YouTuber Rezo: Sein Video "Die Zerstörung der CDU" geht steil

Der Youtuber Rezo macht die CDU nervös. Mehr als sieben Millionen Mal wurde die fast einstündige Generalabrechnung des 26-jährigen Influencers mit der Politik der Dauerregierungspartei bereits geklickt. manager-magazin.de wurde jetzt ein Tonbandmitschnitt aus dem Konrad-Adenauer-Haus zugespielt. Er belegt, wie die CDU ihre Krisenkommunikation plante. Zu hören sind zunächst zwei weibliche und zwei männliche Stimmen.

"Soooooo. Unter 'Vermischtes' hätte ich da jetzt noch dieses Video von Rezo."

"Rezzo Schlauch? Ist der nicht bei den Grünen? Über den hatten wir mal was in der Schule."

"Nein, Paul. Der Schlauch ist der mit dem Bart. Rezo ist der mit den blauen Haaren und so einer Kappe wie LeFloid"

"LeFloid? Den müssten Sie eigentlich noch von damals kennen, Angela."

"Ja. Der war ziemlich nett. Der hatte auch so eine Jugendlichen-Mütze. Haben wir sowas nicht auch mit CDU-Aufdruck? Ich meine, so was schon mal gesehen zu haben."

"Zurück zum Thema, bitte. Draußen ist schon Buffet aufgebaut. Der Rezo hat gesagt: Die CDU zerstört Deutschland."

"Also das ist ja inhaltlich und sachlich schon mal völlig falsch. Da soll die Rechtsabteilung mal ein Schreiben aufsetzen. Da kann ich mich aber jetzt nicht auch noch drum kümmern. Mir sitzt gerade wieder der Merz im Nacken, weil der meinen Job will."

"Ich finde Video ja grundsätzlich eine gute Idee. Das ist modern."

"Ja. Nur, dass ihre Videos von den letzten Auftritten im saarländischen Karneval nicht mehr so gut ankamen, seit Sie auf meinem Stuhl sitzen."

"Bitte. Konzentrieren wir uns. Wir haben nur noch wenige Tage bis zur Europawahl."

"Also, Video finde ich auch gut. Ich mach'ja auch immer diese Podcasts. Steffen meint, dass die gut geklickt werden."

"Ja. Aber die meisten Abrufe kommen von den Servern der Titanic und vom Postillon."

[Jemand verlässt den Raum.]

Tom Buschardt
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    Tom Buschardt ist seit Ende der 1990er Jahre Medientrainer. Er coacht Vorstände und Politiker für den optimalen Auftritt vor Mikrofon, Kamera und Publikum. Seit 2004 ist er auch Dozent an der Akademie des Auswärtigen Amtes (Interviewtraining). Er arbeitete für zahlreiche Sender der ARD sowie RTL Aktuell und ist Experte für Krisenkommunikation. www.buschardt.de

"Kann der Paul da nichts machen? Der hat doch als Generalsekretär gerade ein neues iPhone bekommen? Ich hab' gehört, damit kann man auch Videos machen."

"Wo ist der eigentlich gerade hin?"

"Der telefoniert mit YouTube und fragt, was man da machen kann."

"Bester Mann, der Paul!"

"Kommen wir eigentlich durch den Upload-Filter durch?"

"Da haben wir doch eine Protokollnotiz zu gemacht - das müsste eigentlich passen."

"Die Idee war ja eigentlich von der Barley."

"Ja. Mit der kann man arbeiten. Schade eigentlich, dass die bei der SPD ist."

[Jemand betritt den Raum.]

"Leute, bei YouTube geht keiner ans Telefon. Aber ich habe jetzt eine Mail an info@youtube.de geschickt mit der Bitte um Rückruf."

"Das nenne ich mal 'Initiative'!"

"Was ist eigentlich mit Horst?"

"Was soll mit dem sein? Der ist doch nicht CDU."

"Nee. Aber der kann doch sicher was übers Vereinsverbot regeln mit seinen Beziehungen. Beispielsweise gegen Clan-Kriminalität. Diese YouTuber stecken doch alle unter einer Decke."

"Horst ist stumm. Und das ist gut so."

[allgemeine Heiterkeit]

"Also, was ist jetzt, Kinder? Ich habe mir für heute Kartoffelsuppe bestellt."

"Kennt jemand von Euch einen, der bei Facebook ist?"

"Die Barley hat sich neulich mit einem gewissen Mark von Facebook getroffen."

"Ich kenne einen, der ist bei StudiVZ. Philipp - irgendwas mit A. Ich komm nicht drauf. Ist einer der Jüngeren von uns im Bundestag. Ich faxe dem mal eben was ins Büro."

"Der Steffen hat mir was aus dem Internetz ausdrucken lassen. Seit wann heißen wir denn CDUDE und nicht mehr CDU?"

"Da muss ein Punkt zwischen sein. Das DE steht für Deutschland."

"Deutschland? Das finde ich gut."

"Ja, Angela. Das DE ist eine Top-Level-Domain."

"Und die SPD?"

"Die hat auch eine Top-Level-Domain mit .de"

"Top-Level? Dürfen die das denn? Die sind doch nur noch bei 10 Prozent oder so?"

"Könnten wir das vielleicht später. Ja? BITTE!"

"Der Philipp hat sich über mein Fax riesig gefreut und kommt gleich mal vorbei."

"Kennt der sich denn mit Videos aus? Nicht, dass das so ein Ding wird wie in Österreich neulich."

"Keine Sorge. Der ist sozusagen ein christdemokratischer Digital Native."

"Christlich Digitale Union: CDU. Das ist schick."

"Aber lass uns zur Sicherheit auch noch was Schriftliches machen. Das ist seriöser und wir können es an die Presse verteilen. Ich hol mal das Essen rein, sonst hat meine Suppe hinterher oben so eine Haut. Und das mag ich nicht."

[Allgemeines Gemurmel, Essensgeräusche]

"Hallo?"

"Hier bist Du falsch. Die Schüler-Union hat ihre Räume im Erdgeschoss."

"Nein. Ich bin's. Der Philipp."

"Welcher Philipp?"

"Der mit dem Fax. Der mit StudiVZ."

"Ah. Ja klar. Komm rein. Hast Du das Video?"

[Es ist zu hören, wie auf einem Smartphone ein Video abgespielt wird.]

"Oh ... mein ... Gott…."

"Ja, das zerstört nun wirklich die CDU!"

"Sie finden das also nicht so gut?"

"Äh. Könnten Sie so ein Video nicht über den Merz machen und das dann posten? Das würde mir echt helfen."

"Es geht schon irgendwie in die richtige Richtung - aber ich weiß nicht. So kurz vor der Wahl?"

"Ok. Dann halt was Schriftliches. Vielen Dank, Philipp. Wir melden uns."

"Also, ICH finde die Schlagzeile 'CDU erobert Neuland' ganz hübsch."

"Stimmt, Angela. Ich auch."

"Mahlzeit."

"Mahlzeit."

Tom Buschardt ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wider.

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