Montag, 1. Juni 2020

Aufregung in Norwegen "Habe es vermasselt" - Flugskandal um Staatsfonds-Chef

"Ich habe es vermasselt": Yngve Slyngstad musste einen Fehler eingestehen.

Ärger beim norwegischen Staatsfonds, dem mit einem Vermögen von rund einer Billion Dollar größten Staatsfonds der Welt, der sich vor allem aus den Öleinnahmen des Landes speist: Der scheidende Chef des Fonds, Yngve Slyngstad, sah sich offenbar zu einem schriftlichen Gang nach Canossa genötigt, als er sich in einem Memo an seine Mitarbeiter für ein bemerkenswertes Fehlverhalten entschuldigte.

In dem Memo, aus dem die "Financial Times" sowie "Bloomberg" zitieren, bittet Slyngstad um Verzeihung, weil er sich von einem Hedgefonds-Manager zu einem Flug in einem Privatjet habe einladen lassen - ein klarer Verstoß gegen die Compliance-Regeln des norwegischen Staatsfonds.

Besonders pikant: Bei Slyngstads Gastgeber auf dem Flug handelte es sich um Nicolai Tangen, den designierten Nachfolger des bisherigen Staatsfonds-Chefs.

"Ich habe es wirklich vermasselt" schrieb Slyngstad wörtlich an seine Mitarbeiter. "Es tut mir wirklich leid, dass ich euch enttäuscht habe, dass ich den Ruf des Norges Bank Investment Management sowie unsere Organisationskultur beschädigt habe."

"Bloomberg" zufolge gibt es nun eine offizielle Untersuchung der norwegischen Zentralbank, von der der Staatsfonds verwaltet wird, gegen Slyngstad. Hintergrund ist ein Flug von Philadelphia nach Oslo, in einem von Tangen gecharterten Flugzeug. Weitere 30 Norweger seien an Bord der Maschine gewesen, darunter auch Mitglieder der Regierung sowie Geschäftsleute, berichtet die "FT". Dem Flug war ein Seminar vorausgegangen, das ebenfalls von Tangen organisiert worden war.

Tangen ist Gründer der 16 Milliarden Dollar schweren AKO Capital LLP. Laut "FT" hat er sich das Seminar an der Wharton Business School in Philadelphia insgesamt drei Millionen Dollar kosten lassen, inklusive zweier Privatflugzeuge, die Gäste aus London und Oslo eingeflogen hätten, sowie exklusiver Konzerte der Musikgrößen Sting und Gregory Porter.

Über die Affäre wird in Norwegen seit Tagen diskutiert. Inzwischen hat die Notenbank des Landes erklärt, sie werde für die Kosten des Fluges sowie des Hotelaufenthaltes aufkommen.

Laut "FT" stellt sich trotz der Entschuldigung Slyngstads die Frage, warum dieser angesichts des Fehlverhaltens nicht unmittelbar seinen Job verloren habe. Viele Mitarbeiter des Staatsfonds hätten das Gefühl, sie hätten angesichts der strikten Compliance-Regeln des Fonds sofort gehen müssen, so die Zeitung.

Laut "FT" handelt es sich um den größten Skandal in der 24-jährigen Geschichte des norwegischen Staatsfonds. Slyngstad soll im September nach zwölf Jahren Amtszeit von der Spitze des Staatsfonds abtreten - und das Zepter an Nicolai Tangen übergeben.

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