Mittwoch, 13. November 2019

Yngve Slyngstad Chef des weltgrößten Staatsfonds kündigt Rücktritt an

Nach gut 12 Jahren will Yngve Slyngstad, Manager des weltgrößten Staatsfonds, sich einer neuen Aufgabe widmen. Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden

Yngve Slyngstad, der Chef des norwegischen Staatsfonds Government Pension Fund Global (GPFG), will nach knapp zwölf Jahren seinen Posten räumen. Das habe er der Führung der norwegischen Zentralbank mitgeteilt, erklärte die Bank am Mittwoch.

Der Fonds gilt als größter Staatsfonds der Welt und verwaltet aktuell ein Vermögen von fast einer Billion Euro. Er wird mit den Einnahmen aus der norwegischen Öl- und Gasförderung gefüttert und von der Zentralbank im Auftrag des Finanzministeriums verwaltet.

Der 56 Jahre alte Slyngstad will den Angaben zufolge solange im Amt bleiben, bis ein Nachfolger gefunden worden ist. Er sei stolz darauf, eine führende internationale Investitionsorganisation mit aufgebaut zu haben, hieß es.

Unter dem federführenden Management von Slyngstad hat der Fonds sein Vermögen laut "Financial Times" fast verfünffacht. Im vergangenen Jahr allerdings musste das 1990 gegründete Investmentvehikel Wertverluste von umgerechnet 50 Milliarden Euro hinnehmen. Im abgelaufenen ersten und zweiten Quartal dieses Jahres steuerte der Fonds wieder auf Erholungskurs. So betrug im zweiten Quartal die Rendite über alle Anlageklassen hinweg 3,0 Prozent.

Der Fonds hat wie andere Großinvestoren auch mit den anhaltend niedrigen Kapitalmarktzinsen zu kämpfen. So hielt der Fonds Ende August noch Bonds mit negativer Rendite in Höhe von umgerechnet 60 Milliarden Euro, wie die "Börsen-Zeitung" berichtete - ein Großteil davon sollen Staatsanleihen gewesen sein. Zu bedenken ist, dass Anleger dieser Größenordnung die Staatsanleihen die ganze Laufzeit behalten und zwischenzeitliche Schwankungen daher weniger von Bedeutung sind.

Mehr als zwei Drittel des Kapitals hat der Fonds ohnehin in Aktien und Eigentümeranteilen von mehr als 9000 Unternehmen in mehr als 70 Ländern angelegt. Dazu gehören namhafte Firmen wie die Tech-Riesen Apple, Microsoft oder Samsung.

Das norwegische Parlament machte zuletzt Schlagzeilen mit dem Beschluss, dass der Staatsfonds Aktien und Anleihen von Unternehmen aus seinem Portfolio aussortieren wird, deren Geschäft vornehmlich auf fossilen Energieträgern beruht - also in erster Linie von Unternehmen, die primär Öl oder Kohle fördern oder weiterverarbeiten.

rei

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