Dienstag, 23. Juli 2019

8,5 Jahre Haft für Ex-Wölbern-Chef Hoeneß, Middelhoff - der Schulte-Krimi stellt alles in den Schatten

Verurteilt: Wird das Urteil rechtskräftig, dann muss Heinrich Maria Schulte noch einige Jahre in Haft bleiben

Am frühen Nachmittag des 2. Januar 2012 ruft eine Dame in der Online-Redaktion des manager magazins an, die sich mit 10.000 Euro an dem geschlossenen Immobilienfonds Holland 56 von Wölbern Invest beteiligt hat. Sie habe von Wölbern merkwürdige Post erhalten, sagt die Frau. Sie solle der Bildung eines "Cashpools" zustimmen. Dabei habe das Fondshaus doch noch längst nicht alle Fragen beantwortet, die sie dazu habe.

Noch am selben Nachmittag sendet die Anlegerin eine Kopie des Wölbern-Briefes ans manager magazin. Wenig später wird öffentlich, was inzwischen Heerscharen von Privatanlegern, Beratern, Juristen, Polizisten und Journalisten beschäftigt: Es entwickelt sich der sogenannte Wölbern-Anlageskandal. Der Brief, den das manager magazin an jenem Tag im Januar 2012 erhält, trägt die Unterschrift von Heinrich Maria Schulte.

Knapp 3,5 Jahre später, Montagfrüh, Landgericht Hamburg, Saal 337. Professor Schulte trägt einen grauen Anzug, ein blaues Hemd und eine rote Krawatte. Um die Schultern hat er sich einen cremefarbenen Pullover gelegt, eine Gewohnheit schon aus früherer Zeit, wie jene sagen, die mit ihm zusammengearbeitet haben.

Kurz nach 9.30 Uhr erheben sich die Prozessbeteiligten, die zahlreichen Medienvertreter sowie die rund 30 Zuschauer im Saal. Der vorsitzende Richter Peter Rühle verliest das Urteil: Acht Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe für Heinrich Maria Schulte, wegen gewerbsmäßiger Untreue in 327 Fällen. Exakt 147.312.000 Euro soll der Mediziner unrechtmäßig aus den Fonds von Wölbern Invest entnommen haben. Ein "exorbitant hoher Schaden", wie Richter Peter Rühle gleich zu Beginn der Urteilsbegründung sagt.

Richter ließen Schultes Lebenswerk nicht außer Acht

8,5 Jahre also. Schulte, der bereits mehr als 1,5 Jahre in Untersuchungshaft sitzt, hatte vermutlich mehr erwartet. Dennoch muss er nun auf die Revision durch den Bundesgerichtshof hoffen. Unterliegt er auch dort, dann ist der Fall endgültig abgeschlossen, und zwar in jeder Hinsicht. Aus dem Arzt und Medizinprofessor Heinrich Maria Schulte, dem Mitglied der Kieler und Hamburger Society, ist dann endgültig ein Straftäter geworden.

Auch die Richter konnten nicht außer Acht lassen, dass Schulte einmal ein erfolgreicher Mediziner und Unternehmer war, der vor allem mit dem Aufbau der Hamburger Medivision-Gruppe viele Hundert Arbeitsplätze schuf. Zudem engagierte er sich in der Biotech-Branche, baute beispielsweise gemeinsam mit dem deutschen Nobelpreisträger Manfred Eigen und anderen die Biotec-Firma Evotec auf und brachte sie an die Börse. Ohne diese Vita, so ließ Richter Rühle durchblicken, wäre das Strafmaß wohl noch höher ausgefallen.

So bleibt der gigantische Schaden von 147 Millionen Euro, oder, abzüglich erfolgter Rückzahlungen, rund 115 Millionen. An den Fonds, aus denen Schulte das Geld genommen hat, sind mehr als 30.000 private Anleger beteiligt. Bei diesen Dimensionen könnte der Name Schulte künftig gut und gerne in einem Atemzug genannt werden mit Namen wie Harksen oder Hoeneß, Madoff oder Middelhoff.

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