Donnerstag, 22. August 2019

Schlüsselzeuge im Wölbern-Prozess "Ich kann auf chinesisch Kaffee bestellen"

Fühlt sich von seinen Ex-Beratern im Stich gelassen: Ex-Wölbern-Chef Schulte in Hamburg vor Gericht

2. Teil: Schulte: "Verstehe nicht, warum Sie mich im Stich lassen"

Deshalb also der Auftritt des Bird & Bird-Juristen vor Gericht, und deshalb auch die hartnäckigen Versuche von Schultes Anwälten, den Zeugen zur Beantwortung ihrer Fragen zu bewegen. Zwei lange Schriftstücke trägt Verteidiger Wolf Römmig vor, die angeblich von B. verfasst worden sein sollen. Dann Römmigs Frage: Kennen Sie die Papiere? Und die Antwort: Keine Auskunft.

Nächster Versuch: Verteidiger Arne Timmermann ruft noch einmal die Auffassung des Gerichts in Erinnerung, dass der Zeuge zu bestimmten berufstypischen, neutralen Handlungen doch durchaus Auskunft erteilen müsse. Dann stellt Timmermann einen Katalog von zehn Fragen zusammen, auf die er gerne Antworten hätte.

Die einzige Information, zu der sich B. und sein Anwalt Venn durchringen können, ist jedoch jene zu den Fremdsprachenkenntnissen. Die neun übrigen Fragen streicht Richter Rühle von der Liste: Sie fallen unter das Auskunftsverweigerungsrecht, so dessen Einschätzung.

Das hatten sich Schulte und seine Verteidiger zweifellos anders vorgestellt. Selbst der Versuch des Angeklagten, seinen früheren Berater zu guter Letzt mit persönlichen Worten doch noch zum Reden zu bringen ("Verstehe nicht, warum Sie mich im Stich lassen"), läuft ins Leere. Nach deutlich mehr als einer Stunde verlässt Zeuge B. den Saal. Und die Anwesenden wissen kaum mehr über ihn, als dass er deutsch, englisch und spanisch spricht und auf chinesisch einen Kaffee bestellen kann.

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