Freitag, 22. November 2019

Wölbern-Prozess Schultes wichtigster Zeuge

Rückschlag vor Gericht: Der heutige Zeuge bestätigte Schultes Darstellung nicht

Rückschlag für Heinrich Maria Schulte: Im Untreueprozess gegen den Ex-Wölbern-Invest-Chef hatte die Verteidigung ihren vielleicht wichtigsten Zeugen eigens aus der Schweiz anreisen lassen. Was der Pharma-Manager dem Gericht erzählte, dürfte Schulte allerdings kaum gefallen haben.

Hamburg - Als der Zeuge Peter Wilden, der zur heutigen Verhandlung gegen Ex-Wölbern-Invest-Chef Heinrich Maria Schulte aus der Schweiz nach Hamburg gereist ist, gegen Mittag den Gerichtsaal wieder verlässt, ist eigentlich alles gesagt. Etwa zwei Stunden lang stand Wilden der Kammer, der Staatsanwaltschaft sowie Schultes Verteidigern ausführlich Rede und Antwort, so dass kaum eine Frage offen blieb. Bis auf eine vielleicht: Warum nur hat ausgerechnet die Verteidigung diesen Zeugen vorladen lassen?

Vor der Verhandlung war das leicht zu beantworten. Schulte erhoffte sich von Wilden entscheidende Entlastung angesichts der Untreuevorwürfe, die die Staatsanwaltschaft gegen den Angeklagten vorbringt. Der Behörde zufolge soll der frühere Fondshaus-Chef insgesamt 147 Millionen Euro aus geschlossenen Immobilienfonds von Wölbern Invest veruntreut haben.

Schulte bestreitet das. Teil seiner Argumentation ist dabei seit Beginn des Prozesses, es habe Vertragsunterlagen gegeben, auf deren Grundlage die Gelder aus den Fonds entnommen worden seien. Zudem hätten den Geldentnahmen umfangreiche Sicherheiten gegenüber gestanden.

Um diese Sicherheiten geht es am heutigen Verhandlungstag. Und damit um Schultes Aktivitäten in Finnland. Dort nämlich betrieb der Mediziner und Unternehmer eine Firmengruppe, deren Hauptzweck darin bestand, ein Mittel zur Behandlung von Blasenkrebs zu entwickeln.

Schultes Kalkül geht nicht auf

Diese Entwicklung sei vielversprechend gewesen und weit vorangeschritten, so Schulte. Nach Darstellung des früheren Fondshaus-Chefs stand der Abschluss eines Vertrages unmittelbar bevor, auf dessen Grundlage seiner Seite für die endgültige Entwicklung und darauffolgende Vermarktung des Krebsmittels ein dreistelliger Millionenbetrag zugeflossen wäre. Diese Millionen, so schließt Schulte den Kreis, hätten als Sicherheiten gedient für die Gelder, die aus den Wölbern-Fonds abgeflossen waren.

Der Mann, der diese Behauptungen untermauern soll, heißt Peter Wilden und sitzt am heutigen Donnerstag auf dem Zeugenstuhl. Er ist Finanzchef der Schweizer Pharmafirma Ferring, mit der Schulte über den Krebsmittel-Deal in Finnland verhandelte. Wilden saß Schulte bei diesen Verhandlungen direkt gegenüber, die Verteidigung ließ ihn in den Gerichtssaal rufen, damit er die Darstellung des Angeklagten bestätige. Der Mann aus der Schweiz dürfte der vielleicht größte Hoffnungsträger Schultes im bisherigen Prozessverlauf gewesen sein.

Gegen Mittag im Gerichtssaal am Hamburger Sievekingplatz, als die Verhandlung beendet ist, ist jedoch klar: Das Kalkül der Schulte-Seite ging wohl nicht auf. Denn nach Darstellung Wildens lagen die Dinge zwischen Ferring und Schulte offensichtlich doch etwas anders.

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