Mittwoch, 22. Januar 2020

Anleger sollen frisches Geld geben Wölbern Invests größter Fonds steht am Abgrund

Drohende Pleite: Der Fonds Frankreich 04 hat in dieses Bürogebäude in Paris investiert

2. Teil: Anleger sollen zehn Millionen Euro nachschießen

Ob das die Anleger des Frankreich-Fonds von Wölbern Invest noch interessieren muss, hängt davon ab, wie sie sich nun entscheiden. Drei Handlungsalternativen stellt ihnen das Fondsmanagement in seinem aktuellen Schreiben zur Auswahl:

  • Die Investoren sollen einen sogenannten Restrukturierungsplan beschließen, der die Modernisierung der Fondsimmobilie vorsieht. So sollen der Wert des Objektes erhöht und die Aussichten auf Mieteinnahmen verbessert werden.
    Benötigt werden dazu insgesamt 27,4 Millionen Euro, wovon die Fondsgesellschafter zusätzlich zu ihrer bestehenden Einlage zusammen knapp zehn Millionen Euro einbringen sollen. Der Rest solle vor allem per Zinsstundung von der HSH Nordbank beigesteuert werden, die in dem Fonds als Kreditgeber fungiert, so das Schreiben des Fondsmanagements.
    Die Anleger sollen bis zum 18. November entscheiden, ob sie diesem Plan zustimmen und in welcher Höhe sie sich am benötigten zusätzlichen Kapital beteiligen wollen. Bestandteil dieser Abstimmung ist zudem eine gesonderte Honorierung, die das Fondsmanagement für die Durchführung der Restrukturierung beansprucht.
  • Stimmen die Investoren der geplanten Restrukturierung des Fonds inklusive Renovierung des Gebäudes nicht zu, so ist nach Angaben der Fondsgeschäftsführung der unmittelbare Verkauf des Bürohauses die beste Option. Dieser würde allerdings im jetzigen Zustand den Angaben zufolge lediglich etwa 85 bis 95 Millionen Euro bringen, wie laut Anlegeranschreiben ein Gutachten des Immobilienberaters Jones Lang LaSalle ergeben hat.
    Da dadurch laut Fondsmanagement nicht einmal die ausstehenden Kredite sowie der "negative Marktwert" eines bestehenden Swaps-Geschäfts gedeckt wären, würden die Anleger des Fonds bei dem Verkauf leer ausgehen.
    Um die Sache im Falle einer Ablehnung der Restrukturierung zu beschleunigen, bittet das Fondsmanagement die Anleger bereits zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls bis zum 18. November auch ihre Zustimmung zu diesem möglichen Objektverkauf zu geben.
  • Stimmen die Gesellschafter des Frankreich 04 auch dem Verkauf nicht zu, so muss nach Angaben der Fondsgeschäftsführung in Kürze ein Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens für die Fondsgesellschafter gestellt werden.

Was also tun? "Der Fonds war schon fast insolvent, als wir ihn von Wölbern übernommen haben", sagt Thomas Böcher, Geschäftsführer des Fondshauses Paribus, das seit einigen Monaten sämtliche Wölbern-Immobilienfonds unter seinen Fittichen hat. "Allein die Tatsache, dass wir den Anlegern das Restrukturierungskonzept überhaupt anbieten können, ist schon ein Erfolg."

Auch der Beirat des Fonds hat bereits eine Stellungnahme zu den Vorschlägen der Geschäftsführung abgegeben. Darin weist er auf ein zusätzliches Risiko hin, das mit dem sofortigen Verkauf des Objekts verbunden wäre. Diese Unwägbarkeit hat auch das Fondsmanagement in seinem Brief dargestellt: Sollte das Gebäude verkauft werden, so wären durch den Erlös die Kosten für die Auflösung besagter Swap-Vereinbarung voraussichtlich noch nicht in voller Höhe gedeckt.

Die Frage wäre dann, wer die verbleibenden Swap-Kosten zahlen muss. Die HSH Nordbank als Swap-Partner könnte sich laut Anlegerbrief auf den Standpunkt stellen, die Gesellschafter seien in der Pflicht.

Die Fondsgeschäftsführung sowie deren juristische Berater vertreten zwar eine andere Auffassung. Das Risiko, dass die Gesellschafter im Verkaufsfall nachzahlen müssten, bleibt aber.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund bevorzugt der Beirat offenbar den Restrukturierungsplan. Das scheine der "einzig machbare Weg" zu sein, schreiben die Beiräte in ihrer Stellungnahme. Ein "Notverkauf" würde demnach zwar die finanzierende Bank "einigermaßen entlasten". "Allerdings sind für die Anleger voraussichtlich keine Beträge mehr zu erwarten", so der Beirat.

Auch in Anlegerkreisen kursieren bereits Mails, in denen zur Annahme des Restrukturierungsplans aufgerufen wird. Kommt es tatsächlich dazu, wäre die Pleite des Fonds zunächst zwar abgewendet. Dazu müssen sich aber ausreichend Investoren finden, die in diesen Wölbern-Immobilienfonds noch einmal zehn Millionen Euro einzahlen.

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