Dienstag, 23. Juli 2019

Ex-Manager und Anwälte verhaftet Drei neue Festnahmen im Wölbern-Skandal

Firmenschilder am ehemaligen Wölbern-Sitz in der Hamburger Hafencity: Die Justiz arbeitet den Anlageskandal nach wie vor auf
manager magazin online
Firmenschilder am ehemaligen Wölbern-Sitz in der Hamburger Hafencity: Die Justiz arbeitet den Anlageskandal nach wie vor auf

Im Anlageskandal um das Hamburger Fondshaus Wölbern Invest und dessen früheren Chef Heinrich Maria Schulte gibt es mehr als ein Jahr nach Schultes Verurteilung Neuigkeiten: Laut Staatsanwaltschaft Hamburg wurden bereits am vergangenen Donnerstag drei weitere Personen im Zusammenhang mit Schultes Taten verhaftet.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft, die damit einen Bericht des Fachblattes "Juve" bestätigte, handelt es sich bei den Festgenommenen um Thomas K., den ehemaligen Generalbevollmächtigten von Wölbern Invest, sowie Frank M. und Ole B., die Schulte und Wölbern Invest seinerzeit in Diensten der internationalen Anwaltskanzlei Bird & Bird berieten. Während Ole B. nach wie vor für Bird & Bird tätig ist, ist Frank M. dort bereits vor Längerem ausgeschieden. Alle drei sitzen nun wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Nach Angaben der Sprecherin traten die Vorwürfe gegen die drei bei der Aufarbeitung der Unterlagen zum Wölbern-Komplex zutage. Demnach wird allen drei Männern Beihilfe zur Untreue zur Last gelegt. Thomas K. und Ole B. sollen sich zudem der Mittäterschaft schuldig gemacht haben. Während es bei letzteren beiden um Taten mit einem Volumen von 47,5 Millionen Euro gehe, stehe bei den Beihilfe-Vorwürfen gegen Frank M. eine Schadenssumme von 66 Millionen Euro im Raum. Von keinem der Beschuldigten war zunächst eine Stellungnahme zu erhalten. Die Anwaltskanzlei Bird & Bird teilte auf Anfrage mit, sie werde sich zur Festnahme ihres Mitarbeiters wie auch zu dem gesamten Wölbern-Fall nicht äußern und sich gegen Vorwürfe "mit allen rechtlich verfügbaren Mitteln" zur Wehr setzen.

Zum Hintergrund: Das Landgericht Hamburg hatte Schulte im April 2015 wegen gewerbsmäßiger Untreue in dreistelliger Millionenhöhe zu 8,5 Jahren Haft verurteilt. Im Januar dieses Jahres wies der BGH Schultes Revision ab, seither ist das Urteil rechtskräftig.

Verdachtsmomente gibt es schon lange

Insgesamt hat Schulte in seiner Zeit als Inhaber und Chef des Fondsemissionshauses Wölbern Invest nach Überzeugung des Gerichts gut 147 Millionen Euro aus geschlossenen Fonds veruntreut. Abzüglich Rückzahlungen von rund 31 Millionen blieben offene Posten von rund 115 Millionen Euro, so die Richter. Rund 50 Millionen Euro davon seien in den privaten Bereich Schultes geflossen.

Wirklich überraschend kommt der Zugriff auf die drei genannten Personen nun nicht. Insbesondere die juristischen Berater von Bird & Bird waren schon während des Prozesses gegen Ex-Wölbern-Chef Schulte mehrfach in den Fokus gerückt. Auch in der Anklageschrift gegen Schulte fanden sich Passagen, in denen die Rolle der Bird & Bird-Anwälte kritisch beleuchtet wurde.

Das strafrechtliche Vorgehen gegen Ole B. sowie Frank M. könnte zudem Einfluss haben auf einen zivilrechtlichen Streit zwischen mehreren Dutzend Wölbern-Fonds und der Kanzlei Bird & Bird. Die Fonds hatten bereits Anfang 2015 eine Schadensersatzklage mit einem Volumen im dreistelligen Millionenbereich gegen Bird & Bird eingereicht. Die Rechtsanwaltskanzlei, die die Vorwürfe gegenüber manager magazin online bereits zurückgewiesen hatte, reagierte dann im Frühjahr dieses Jahres ihrerseits mit einer Widerklage.

Lesen Sie alle Informationen und Hintergründe zum Fall Schulte auf unserer Themenseite

Christoph Rottwilm auf Twitter

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