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Picobello Auftritt und Händekneten: Heinrich Maria Schulte vor Gericht

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Prozess gegen Ex-Wölbern-Chef Schulte Chefvisite im Landgericht

Starker Auftritt eines Belastungszeugen im Prozess gegen Heinrich Maria Schulte, Ex-Chef des Fondshauses Wölbern Invest. Das kann sich der Arzt und Alphamann auf der Anklagebank natürlich nicht gefallen lassen.

Hamburg - Heinrich Maria Schulte, Inhaber und Chef des Emissionshauses Wölbern Invest, nimmt sich seinen Untergebenen Lambert Adams erstmal so richtig zur Brust. "Ist ihnen bekannt, ...?", "Ist ihnen bekannt, ... ?", "Ist ihnen bekannt, ...?" Mit schneidender Stimme schmettert Schulte dem Leiter der Wölbern-Fondsfinanzierung seine Fragen entgegen. "Lassen Sie mich ausreden", herrscht er ihn an, als Adams es wagt, einmal zu früh zur Antwort anzusetzen. Der Zeuge wird scheinbar immer kleiner in seinem Stuhl.

Obwohl, Zeuge? Da war doch was.

Ja, richtig: Schulte ist selbstverständlich nicht mehr Chef von Wölbern Invest, er gibt sich nur noch so. Tatsächlich sitzt er auf der Anklagebank im Landgericht Hamburg. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm gewerbsmäßige Untreue in 360 Fällen mit einem Gesamtvolumen von fast 150 Millionen Euro vor. Im schlimmsten Fall könnte der Medizinprofessor und Finanzunternehmer deshalb für 15 Jahre hinter Gitter wandern. Schon am zweiten Verhandlungstag hatte Schulte die Vorwürfe rundweg von sich gewiesen.

Adams leitet auch nicht mehr die Wölbern-Fondsfinanzierung. Er ist bereits vor anderthalb Jahren bei dem Unternehmen ausgeschieden. Am heutigen vierten Verhandlungstag steht er als Zeuge im Mittelpunkt des Prozesses gegen Schulte.

Adams' Schilderungen lassen erahnen, was sich bei Wölbern Invest Ende 2011, Anfang 2012 abgespielt haben könnte. Zu der Zeit setzte das Management um Firmenchef Schulte dazu an, jenesLiquiditätsmanagementsystem einzuführen, an dem sich später der Streit mit vielen Anlegern entzündete, und das auch im Zentrum der aktuellen Vorwürfe gegen Schulte steht.

Wölbern-Leute bekommen kalte Füße

Was der Zeuge dem Gericht erzählt, dürfte Schulte und seine Verteidiger nicht erfreuen. Laut Adams stand Wölbern Invest praktisch vor der Pleite, als es 2009 von einer AG in eine KG umgewandelt wurde. Insoweit passt die Aussage zu der Darstellung, die die Wirtschaftsreferentin der Staatsanwaltschaft bereits am dritten Verhandlungstag gegeben hatte.

Als das Management dann Mitte 2011 den Plan vom Cashpool aus der Tasche zog, mit dem auf die Gelder Dutzender geschlossener Fonds zugegriffen werden sollte, bekamen einige Führungskräfte "kalte Füße", so Adams.

Reihenweise verließen führende Mitarbeiter das Haus, sagt der Zeuge vor Gericht. Fünf leitende Angestellte - darunter auch Adams - wandten sich zudem mit einem Schreiben an die Geschäftsleitung, um ihre Bedenken kundzutun - doch ohne Erfolg. Die Folge war nach Angaben des ehemaligen Wölbern-Mannes, dass der Cashpool fortan von einem kleinen Zirkel um Firmenchef Schulte vorangetrieben wurde. "Es ging relativ autokratisch zu", so Adams im Gericht.

Und damit nicht genug: Adams nennt auch Details wie beispielsweise die Namen neuer Projekte, in die seinerzeit möglicherweise Gelder aus bestehenden Fonds geleitet wurden, sowie die Summen, um die es dabei ging. Mehrfach werden die Fonds "Frankreich 05" und "Deutschland 05" erwähnt - Gerüchte, die in Anlegerkreisen seit langem kursieren, scheinen sich damit zu bestätigen. Zudem fallen wiederholt die Namen von Beratern, die an der Einführung des Cashpools beteiligt waren und dazu zum Teil juristische Einschätzungen abgaben.

Richter muss Schulte bremsen

Während der Zeuge vom vorsitzenden Richter Hartmut Loth befragt wird, lässt Professor Schulte ihn kaum aus den Augen. Gelegentlich schüttelt der Angeklagte den Kopf, notiert etwas oder tuschelt mit seinen Verteidigern. Als dann Staatsanwalt Heyner Heyen sowie Schultes Verteidiger mit ihren Fragen fertig sind, kommt der Auftritt des Mediziners mit dem Spezialgebiet Hormon- und Stoffwechselerkrankungen.

Der kann offenbar auch nach Monaten der Untersuchungshaft nicht aus seiner Haut als Alphamann. Beinahe von oben herab richtet er das Wort an den Zeugen. Schultes Ziel ist es dabei offenbar, Adams' Glaubwürdigkeit zu untergraben. Mit einem Wust von Fragen deckt er den Ex-Wölbern-Mitarbeiter ein - zumindest unter den Zuschauern im Saal dürfte am Ende kaum noch jemand wissen, worauf der Professor eigentlich hinaus will.

Doch der lässt nicht locker. Einmal scheint es fast, als wolle Schulte kurzerhand den Vorsitz über die Verhandlung übernehmen. "Wollen wir Herrn Kühl dazu hören?" fragt Schulte seinen Ex-Mitarbeiter Adams, als dieser zweimal auf den Wölbern-Generalbevollmächtigten Thomas Kühl als Quelle für seine Informationen verweist.

Richter Loth behält jedoch die Übersicht: Noch bevor der Angeklagte auf die Idee kommen könnte, eine Vorladung ins Protokoll zu diktieren, schreitet er ein. Mit gütigem Lächeln lässt er Schulte wissen, es sei doch immer noch das Gericht, das entscheide, wer zu welchem Thema gehört werde.

Bericht: So lief der erste Verhandlungstag gegen Professor Schulte

Bericht: So lief der zweite Verhandlungstag gegen Professor Schulte

Bericht: So lief der dritte Verhandlungstag gegen Professor Schulte

Fotostrecke: Heinrich Maria Schulte vor dem Hamburger Landgericht

Fotostrecke: Die großen Anlageskandale des Jahres 2013

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Hintergrund: Anlageskandal bei Wölbern Invest - die ganze Geschichte

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