Mittwoch, 21. August 2019

Anlageskandal Erste Insolvenz im Hause Wölbern Invest

Firmenschild im Foyer des Wölbern-Sitzes in der Hamburger Hafencity: Die Wölbern Fondsmanagement GmbH hat Insolvenz angemeldet
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Firmenschild im Foyer des Wölbern-Sitzes in der Hamburger Hafencity: Die Wölbern Fondsmanagement GmbH hat Insolvenz angemeldet

Die Kunden des Emissionshauses Wölbern Invest können hoffen: Die Geschäftsführung der Wölbern Fondsmanagement GmbH, die über allen Fonds des Hauses steht, hat ein erfahrener Sanierungsexperte übernommen. Es gibt aber einen Wermutstropfen: Die Firma ist insolvent.

Hamburg - Im Zusammenhang mit dem Anlageskandal um das Fondsemissionshaus Wölbern Invest und dessen Inhaber und Chef Heinrich Maria Schulte gibt es in der Unternehmensgruppe die erste Insolvenz. Wegen Zahlungsunfähigkeit hat die Geschäftsführung der Wölbern Fondsmanagement GmbH am gestrigen Dienstag einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenregie gestellt.

Das geht aus einer Mitteilung der Essener Kanzlei dnp Depping hervor, die sich auf die Beratung, das Interimsmanagement und die Verwaltung von Unternehmen in Krisensituationen spezialisert hat. Von Wölbern Invest war dazu zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Zum Zwecke der Sanierung hat Wölbern Invest einem Sprecher von dnp zufolge bereits in der vergangenen Woche Rechtsanwalt Bernd Depping von dnp zum Geschäftsführer der Wölbern Fondamanagement GmbH bestellt. Zuvor hatte der inhaftierte Wölbern-Invest-Chef Schulte sein Amt als Geschäftsführer der Gesellschaft niedergelegt.

Die Wölbern Fondsmanagement GmbH steht als Managementgesellschaft über sämtlichen Fonds des Emissionshauses Wölbern Invest. Nach Angaben des dnp-Sprechers steht die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens nicht unmittelbar im Zusammenhang mit der Verhaftung des Wölbern-Chefs sowie der gleichzeitig erfolgten Razzia Ende September, in deren Zusammenhang bei Wölbern Invest umfangreiches Material sichergestellt und Konten eingefroren worden waren. Vielmehr seien die Mittel des Unternehmens vor allem durch Rechtsstreitigkeiten mit den Anlegern aufgebraucht worden.

Sanierer will auch Fondsgeschäftsführer werden

Zum Hintergrund: Wölbern Invest befindet sich seit mehr als einem Jahr im Konflikt mit vielen Anlegern. Dabei geht es um ein vom Fondshaus geplantes und zeitweise auch installiertes Liquiditätsmanagementsystem, das inzwischen wieder eingestellt wurde, um ausbleibende Ausschüttungen, um nach Ansicht der Investoren fragwürdige Posten in Fondsbilanzen sowie um das Bestreben der Anleger, Fondsbeiräte aus dem eigenen Kreis einzusetzen. Viele der Streitigkeiten wurden auch vor Gericht ausgetragen.

Vorläufiger Höhepunkt der Ereignisse war die Razzia nebst Verhaftung von Wölbern-Chef Schulte Ende September. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Emissionshausbesitzer, der von Haus aus Mediziner ist, Untreue in mehr als 300 Fällen vor. Schulte soll insgesamt 137 Millionen Euro unrechtmäßig aus Fonds des Unternehmens abgezweigt haben. 37 Millionen Euro davon seien auf sein Privatkonto geflossen, so der Vorwurf.

In dem Zusammenhang musste vor Kurzem auch der Medizinverbund Endokrinologikum mit Hauptsitz in Hamburg, dessen Hauptgesellschafter Schulte ist, zum Großteil Insolvenz anmelden. Von Schulte war zu den Vorwürfen bislang keine Stellungnahme zu bekommen. Die Behauptung, er habe unrechtmäßig Geld aus Fonds genommen, hatte er aber schon häufiger zurückgewiesen.

Nach Angaben des dnp-Sprechers beabsichtigt Sanierer Depping auch die Geschäftsführung in den Wölbern-Fonds zu übernehmen. Es gehe nun zunächst darum, sich in die Situation der einzelnen Fonds hineinzuarbeiten und ein Bild von der Lage zu bekommen, so der Sprecher.

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