Montag, 1. Juni 2020

Ein Viertel der Aktien leer verkauft So groß sind die Short-Wetten gegen Wirecard wirklich

Mann mit vielen Kritikern: Wirecard-Chef Markus Braun

Ein Kursgewinn von mehr als 30 Prozent bis Mitte Februar, dann ein Absturz um beinahe 40 Prozent, gefolgt von einem ähnlich starken Comeback - und in den vergangenen Wochen wieder die Talfahrt: Kaum ein Dax-Wert hat in diesem Jahr eine ähnliche Berg- und Talfahrt hingelegt wie die Aktie von Wirecard Börsen-Chart zeigen. Am Montag gehört das Papier zur Abwechslung mal wieder zu den Gewinnern: Mit einem Plus von zeitweise rund 10 Prozent führt Wirecard die Dax-Liste in einem allgemein positiven Marktumfeld an.

Hintergrund: Vor dem Wochenende waren Spekulationen um den Geschäftspartner Al Alam aus Dubai aufgekommen. Wie erst zum Börsenschluss am Freitag offiziell von Wirecard mitgeteilt wurde, hat dieser aus Reputationsgründen die Tochter-Gesellschaft Al Alam Solutions geschlossen und das Geschäft auf andere Konzerngesellschaften unter seiner Dachorganisation übertragen. Wirecard relativierte diesen Schritt mit der Aussage, dass dadurch keine Beeinträchtigung der Abwicklungsfähigkeit oder bei den Transaktionsvolumina entstehe.

Zudem gab Wirecard am Montag eine neue Partnerschaft bekannt: Künftig werde das Unternehmen die Kreditkartentransaktionen auf der Videospielplattform Xsolla abwickeln, so die Mitteilung.

Diese Informationen stimmten Investoren zum Wochenbeginn offenbar optimistisch. Insgesamt jedoch gibt es weiter viele Anleger, die auf einen Kursverfall bei Wirecard wetten. Nachdem die öffentlichen Leerverkaufspositionen mit Wirecard-Aktien, die aus dem Bundesanzeiger hervorgehen, auf mehr als 10 Prozent des Aktienbestandes gestiegen waren, meldete sich in der vergangenen Woche sogar die Finanzaufsicht Bafin zu Wort. Ein Verbot von Leerverkäufen sei bei Wirecard derzeit nicht geplant, sagte eine Sprecherin. Hohe Leerverkaufspositionen allein seien kein Grund für einen solchen Eingriff.

Dabei ist der Umfang an Short-Wetten gegen Wirecard in Wirklichkeit deutlich höher als die laut Bundesanzeiger bekannten gut 10 Prozent. So beziffert die Researchagentur S3 Partners in New York, die auf dieses Thema spezialisiert ist, den Umfang der Leerverkaufspositionen mit Wirecard-Aktien auf aktuell insgesamt gut 26 Prozent des frei handelbaren Aktienkapitals des Unternehmens. Rund 30 Millionen der insgesamt etwa 123,6 Millionen Wirecard-Aktien befänden sich gegenwärtig in Short-Positionen, so S3 Partners. Der Anteil von 26 Prozent lässt sich daraus errechnen, wenn man davon ausgeht, dass die rund 7 Prozent, die Wirecard-Chef Markus Braun am Unternehmen hält, für derartige Geschäfte nicht zur Verfügung stehen.

Nach Angaben von S3 Partners ist der Leerverkaufsbestand bei Wirecard allein im vergangenen Monat um 3,8 Millionen Aktien oder 14,6 Prozent gestiegen. Zuletzt sei allerdings auch ein erkennbares Short-Covering bei der Aktie zu beobachten gewesen, so die Experten. Einige Leerverkäufer haben also offenbar auch Positionen aufgelöst.

Bei S3 Partners handelt es sich um ein Research-Haus, das auf die Beobachtung des Shortsellings am Aktienmarkt spezialisiert ist. Das Unternehmen erhält seine Informationen aus diesem gewöhnlich intransparenten Bereich des Finanzgeschäfts eigenen Angaben zufolge aus einem umfangreichen Netzwerk, das am Finanzmarkt aufgebaut worden sei. Die Diskrepanz zwischen den Angaben der US-Researcher und jenen im Bundesanzeiger erklärt sich aus der in Deutschland gültigen Meldeschwelle: Im Bundesanzeiger erscheinen ausschließlich Leerverkaufspositionen, die den Anteilswert von 0,5 Prozent überschreiten. Die Vielzahl an Positionen, die einen geringeren Umfang haben, bleibt der Öffentlichkeit dagegen auf diesem Wege verborgen.

Zu den größten Leerverkäufern von Wirecard-Aktien gehören dem Bundesanzeiger zufolge gegenwärtig beispielsweise das New Yorker Investmenthaus Coatue Management, Greenvale Capital aus London sowie der Hedgefonds Marshall Wace mit Sitz ebenfalls in der britischen Hauptstadt.

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Ein Blick auf die Aktionärsstruktur des Dax-Konzerns Wirecard zeigt allerdings: Das Unternehmen weiß nach wie vor auch prominente Branchengrößen an seiner Seite. Größter Anteilseigner ist einer Auflistung auf der Wirecard-Website zufolge beispielsweise die US-Bank Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen mit rund 16 Prozent. Es folgen Morgan Stanley Börsen-Chart zeigen, die Société Générale Börsen-Chart zeigen, der Fondsriese Blackrock sowie die Citigroup Börsen-Chart zeigen. Aus der deutschen Finanzwelt halten die Fondshäuser DWS (Deutsche-Bank-Tochter) sowie Union Investment besonders große Positionen an Wirecard-Aktien.

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