Mittwoch, 27. Mai 2020

Drittpartnergeschäfte bleiben ungeklärt KPMG-Bericht zu Wirecard lässt Fragen offen

Im Sonderbericht der Prüfer von KPMG ist zwar die Rede von "Dokumentations- und Organisationsschwächen", auch lässt der Bericht zu kritisierten Drittpartnergeschäften Fragen offen - dennoch sieht sich KPMG durch den Bericht entlastet und keine Belege für eine mögliche Bilanzmanipulation.
Wolfgang Rattay/Reuters
Im Sonderbericht der Prüfer von KPMG ist zwar die Rede von "Dokumentations- und Organisationsschwächen", auch lässt der Bericht zu kritisierten Drittpartnergeschäften Fragen offen - dennoch sieht sich KPMG durch den Bericht entlastet und keine Belege für eine mögliche Bilanzmanipulation.

Der Zahlungsdienstleister Wirecard Börsen-Chart zeigen sieht nach einer Sonderprüfung durch KPMG keinen Anlass zur Korrektur seiner Bilanzen. Allerdings konnte KPMG in dem am Dienstag vorgelegten Abschlussbericht nicht alle Daten vollständig auswerten und damit nicht alle Vorwürfe der Bilanzmanipulation aus der Welt schaffen. An der Börse herrschte deshalb weiterhin Verunsicherung. Die im Dax notierten Titel brachen um mehr als 20 Prozent ein.

So könne KPMG zur Höhe und zur Existenz der Umsätze aus dem kritisierten sogenannten Drittpartnergeschäft in den untersuchten Jahren 2016 bis 2018 weder eine Aussage treffen, dass diese existieren und korrekt sind, noch, dass sie nicht existieren und nicht korrekt sind. Grund dafür sei, dass sich notwendige Unterlagen im Besitz der Dritt-Partner befänden und deren Bereitschaft gefehlt habe, an der Prüfung mitzuarbeiten. Mehr als 200 Millionen Datensätze müssten in dem Zusammenhang noch analysiert werden. "Insofern liegt ein Untersuchungshemmnis vor", erklärte KPMG in dem am Dienstag von Wirecard veröffentlichten Bericht.

Auch bei Tätigkeiten in Indien, insbesondere der Übernahme des Payment-Geschäfts einer dort ansässigen Unternehmensgruppe, blieben Fragen offen. Der hinter dem Verkäufer stehende wirtschaftliche Berechtigte habe anhand von öffentlichen Registern nicht verifiziert werden können. Die Wirtschaftsprüfer hätten allerdings keine Anhaltspunkte dafür gefunden, dass an dem Verkäufer Mitglieder des Wirecard-Managements beteiligt gewesen seien, erklärte Wirecard.

Der Dax-Konzern wickelt in Ländern, in denen das Unternehmen keine eigenen Lizenzen dafür besitzt, Transaktionsvolumina über Drittpartner ab. An der Transparenz rund um diese Erlöse hatte es in einer Artikelserie der britischen Wirtschaftszeitung "Financial Times" Kritik gegeben.

Wirecard weist zurück, dass Umsätze und Kundenbeziehungen manipuliert sind. Vorstandschef Markus Braun hatte immer wieder behauptet, die bilanzierten Umsätze und Kundenbeziehungen aus diesen Geschäften mit Drittpartnern seien authentisch.

Schwächen bei Dokumentation und Organisation

Darüber hinaus habe KPMG bei Wirecard Schwächen bei der Dokumentation und Organisation festgestellt. Diese würden seit dem vergangenen Jahr mit Hilfe externer Berater behoben, erklärte der Konzern. Bei der Tochter in Singapur sehe KPMG keinen weiteren Bedarf für eine Prüfung, teilte der Zahlungsdienstleister weiter mit. Im Geschäftsbereich Forderungsvorfinanzierung - auch "Merchant Cash Advance" genannt - hätten sich ebenfalls keine Hinweise auf rechtliche Unzulässigkeiten ergeben.

Veröffentlichung Bilanz 2019 verschoben

Wirecard sieht sich durch den KPMG-Bericht hinsichtlich der Vorwürfe rund um mutmaßliche Bilanzfälschungen insgesamt entlastet. In den vier Prüfbereichen des Berichts hätten sich für die Jahre 2016 bis 2018 nach wie vor keine substanziellen Feststellungen ergeben, die Korrekturen erforderlich gemacht hätten.

Die Veröffentlichung der Bilanz 2019 finde nicht wie geplant am Donnerstag statt, sondern werde auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, heißt es weiter. Einen neuen Termin nannte Wirecard nicht.


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KPMG hatte seit Oktober die Bücher von Wirecard durchleuchtet, nachdem vor allem die britische Wirtschaftszeitung "FT" mit einer kritischen Artikelserie für Unruhe und einen abstürzenden Aktienkurs gesorgt hatte. Regulärer Buchprüfer bei Wirecard ist EY. Die für diesen Donnerstag (30. April) geplante Bilanzpressekonferenz mit Veröffentlichung des Jahresabschlusses werde verschoben, hieß es weiter.

rei/dpa/Reuters

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