Montag, 9. Dezember 2019

Aktie gibt kräftig nach Prüfer verweigern Wirecard-Tochter in Singapur das Testat

Die Wirecard-Tochter in Singapur steht einmal mehr im Mittelpunkt und wirft Fragen auf. Prüfer haben der Tochter das Testat für die Bilanz 2017 verweigert.
Wolfgang Rattay/Reuters
Die Wirecard-Tochter in Singapur steht einmal mehr im Mittelpunkt und wirft Fragen auf. Prüfer haben der Tochter das Testat für die Bilanz 2017 verweigert.

Die Singapur-Tochter des Zahlungsdienstleisters Wirecard hat kein Testat für die Jahresbilanz 2017 erhalten. Dies zeigten Dokumente im Register der singapurischen Finanzaufsicht Acra, berichtet das "Handelsblatt" in seiner Mittwochausgabe. 2017 sei das letzte geprüfte Jahr des Wirecard-Ablegers im asiatischen Stadtstaat. Der Aktienkurs von Wirecard Börsen-Chart zeigen sackte am Mittwochmorgen vorbörslich bei L&S um mehr als 8 Prozent ab und ging schließlich mit 3,3 Prozent Minus aus dem Handel.

Die Prüfer schrieben dem Bericht zufolge: "Wir können weder die Angemessenheit, Vollständigkeit und Richtigkeit des Jahresabschlusses feststellen, noch können wir den Umfang möglicher Anpassungen abschätzen, die (...) erforderlich sein könnten."

Die Prüfer von EY machten für gravierende Probleme bei der Bilanzprüfung der Tochter unter anderem die Untersuchungen der Finanzaufsicht CAD zu Bilanzfälschungsvorwürfen verantwortlich. Zudem habe man "keine ausreichenden Erklärung für bestimmte Buchhaltungsunterlagen und Transaktionen erhalten.

Wirecard verwies dem Bericht zufolge auf den uneingeschränkt testierten Konzernabschluss. Nur dieser sei maßgebend. Dieser Hinweis allerdings scheint die die Bedeutung der Tochter in Singapur offensichtlich herunterspielen zu wollen.

Wie aus dem Abschluss laut Handelsblatt hervorgeht, hat die Wirecard Singapore Pte. Ltd. 2017 Umsätze von knapp 40 Millionen Dollar erzielt, nach knapp 57 Millionen Dollar im Vorjahr. Wichtiger sei jedoch die Bedeutung für den Gesamtkonzern: Singapur gilt als der zentrale Standort, von dem aus der Zahlungsdienstleister seine Expansion in Asien organisiert.

Der Wirecard-Ableger in Singapur sorgt indes nicht zum ersten Mal für Aufsehen. So hatte nach mehreren Berichten der "Financial Times" der Verdacht im Raum gestanden, Wirecard in Singapur bessere mit Scheingeschäften die eigenen Zahlen auf. Aktienkursverluste von bis zu 30 Prozent an einem Tag waren die Konsequenz.

Wirecard-Chef Markus Braun hat die Anleger nicht über das verweigerte Testat der Tochter in Singapur transparent informiert, kritisieren Anlegerschützer
Peter Kneffel/DPA
Wirecard-Chef Markus Braun hat die Anleger nicht über das verweigerte Testat der Tochter in Singapur transparent informiert, kritisieren Anlegerschützer

Die Ermittlungen dazu in Singapur sind laut "Handelsblatt" immer noch nicht abgeschlossen. Wirecard hatte nach einer Untersuchung der Anwaltskanzlei R&T fehlerhafte Rechnungslegungsvorgänge eingeräumt, die zu Bilanzberichtigungen im einstelligen Millionenbereich geführt hatten. Ansonsten sah sich der Zahlungsdienstleister entlastet. Auch Vorwürfe über mögliche Unregelmäßigkeiten in Dubai und auf den Philippinen wies der Konzern wiederholt zurück.


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Die Konzernbilanz des vergangenen Jahres jedenfalls ist ordnungsgemäß testiert - allerdings mit dem Hinweis auf mögliche Unsicherheiten durch Ermittlungen in Singapur. Dass Wirecard über das verweigerte Testat der Tochter nicht gesondert informiert hat, ruft Misstrauen und Kritik auch bei Anlegerschützern hervor:

"Es ist sehr bedenklich, dass Wirecard über das verweigerte Testat für seine Singapurtochter nicht informiert hat. Diese Information hätte den Anlegern nicht vorenthalten werden dürfen", zitierte das Handelsblatt Daniela Bergdolt, Vizepräsidentin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. "Ein solches Verhalten rechtfertigt jedes Misstrauen der Investoren, das dem Konzern entgegenschlägt."

Wirecard widerspricht: "Sämtliche veröffentlichungspflichtigen Sachverhalte wurden ordnungsgemäß publik gemacht. Der Bestätigungsvermerk hinsichtlich der Einzelabschlussprüfung in Singapur wurde im lokalen Unternehmensregister veröffentlicht, war damit also publik", zitiert das "Handelsblatt" eine Sprecherin des Dax-Konzerns.

rei

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