Montag, 19. August 2019

Insolventer Windparkbetreiber Prokon-Anleger büßen zumindest zwei Fünftel ihrer Gelder ein

Windräder in Brandenburg: Prokon soll nach dem Plan des Insolvenzverwalters weiterhin Windparks betreiben und projektieren

Von stürmisch angepriesenen Renditen blieben nur windige Versprechen übrig: Die Anleger des zahlungsunfähigen Windparkbetreibers Prokon verlieren mindestens 40 Prozent ihres Kapitals. Dabei hatten sie sogar noch Glück im Unglück.

Hamburg - Die Anleger des insolventen Windenergie-Unternehmens Prokon werden mindestens 40 Prozent ihres Kapitals verlieren, vielleicht aber auch 70 Prozent. Nach vorläufiger Einschätzung sei mit einer Insolvenzquote von 30 bis 60 Prozent zu rechnen, teilte Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin heute in Hamburg mit.

"Wegen des frühen Verfahrensstadiums und der schwierigen Bewertbarkeit vieler Vermögensgegenstände kann die Quote nicht genauer vorhergesagt werden", erklärte Penzlin. Klar sei aber auch, dass weder ein Totalverlust der Anlage noch eine volle Rückzahlung zu erwarten seien. Einem Vermögen von rund einer Milliarde Euro stünden Verbindlichkeiten von rund 1,5 Milliarden Euro gegenüber.

Das Amtsgericht Itzehoe hatte am Vortag das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Prokon Regenerative Energien GmbH eröffnet, weil das Unternehmen überschuldet und zahlungsunfähig ist. Dazu hat vor allem beigetragen, dass rechtlich die gekündigten Genussrechtsanteile der Anleger als Forderungen gegen Prokon zu werten sind.

Anleger-Forderungen werden gleichrangig mit anderen behandelt

Diese Frage war juristisch umstritten und musste mit Hilfe mehrerer Rechtsprofessoren geklärt werden. Nach den neuesten Zahlen des Insolvenzverwalters haben mehr als 75 000 Anleger rund 1,44 Milliarden Euro in Prokon-Genussrechte investiert. Damit sei Prokon - gemessen an der Zahl der Gläubiger - die viertgrößte Insolvenz in der Geschichte der Bundesrepublik.

Diese Forderungen der Anleger sowie rund 75 Millionen Euro weiterer Gläubiger wie Banken, Lieferanten und Sozialversicherungen werden nun im Insolvenzverfahren gleichrangig behandelt, obgleich die Bedingungen für die Genussrechte das anders vorgesehen haben. Das Insolvenzgericht hob die Nachrangigkeit der Forderungen auf, weil damit gegen das Transparenzgebot verstoßen worden sei. "Das ist eine gute Nachricht für die Anleger", sagte Penzlin.

Als Konsequenz aus der Prokon-Pleite plant die Bundesregierung eine schärfere Regulierung für den sogenannten "Grauen Kapitalmarkt". Anleger sollen besser vor riskanten Finanzprodukten geschützt werden. So soll die Finanzaufsicht BaFin mehr Kontrollmöglichkeiten erhalten. Auch ein Werbe- oder Vertriebsverbot für zweifelhafte Kapitalanlagen steht in der Diskussion.

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