Mittwoch, 19. Juni 2019

Windkraftfonds Rückkehr mit Risiken

Windkraftanlagen statt Solar: Immer mehr Anleger investieren in Windkraftprojekte

3. Teil: Wind ist nicht so verläßlich wie die Sonne

Allerdings sind nicht alle Kenner der Materie so optimistisch: "Das Windaufkommen ist generell deutlich volatiler als die Sonnenscheindauer", sagt Hermann Klughardt, Geschäftsführer des auf Erneuerbare Energien spezialisierten Fondshauses Voigt & Collegen. Zwar ist der Düsseldorfer Initiator gerade dabei, für institutionelle Investoren wie Family Offices, Pensionskassen, Stiftungen und Versicherungen einen neuen Fonds aufzulegen, der in Windparks in Finnland investiert.

Für Privatanleger will die Gesellschaft derzeit jedoch kein solches Beteiligungsmodell schmieden: "Für diese Zielgruppe ist das Rendite-Risiko-Verhältnis bei der Windkraft noch nicht attraktiv genug", sagt der Geschäftsführer.

Bei einer Laufzeit von zehn Jahren könnten bereits zwei Jahre mit magerer Windausbeute die Rendite des Fonds so stark drücken, dass sich die Beteiligung für die Anleger nicht mehr rechnet. Und dieses Risiko sei trotz der heute deutlich höheren Prognosesicherheit weiterhin gegeben, sagt Klughardt. "Aiolos bläst nun einmal nicht jedes Jahr gleich stark." Institutionelle Investoren hingegen könnten aufgrund der oftmals auf Jahrzehnte hinweg angelegten Laufzeit der Fonds Schwankungen in der Windausbeute problemlos verkraften.

Auch Steuerberater Dalldorf sieht das Kernproblem in zu optimistischen Windprognosen: "Damit sich die Planungsfehler der Gründerjahre nicht wiederholen, müssen die Windstromerträge sehr vorsichtig und mit großen Abschlägen geplant werden", schreibt der Vorsitzende des Anlegerbeirats im Bundesverband Windenergie in seiner Studie.

Windkraft ja, Windkraftlagen in Sichtweite nein

Zudem seien insbesondere in Deutschland Windparks inzwischen sehr teuer geworden. "Die Grundstückseigentümer können hohe Pachten verlangen, weil geeignete Standorte sehr gefragt sind", sagt Klughardt. Denn trotz der Pleiten zahlreicher Windfonds haben Privatanleger in den vergangenen Jahren eifrig über Genossenschaftsmodelle in Windparks investiert und damit die Nachfrage nach Flächen mit hoher Windausbeute kräftig in die Höhe getrieben.

Nach Berechnungen des Bundesverbands Windenergie wurden vier der 13,5 Milliarden Euro, die bis 2012 in deutsche Windparks investiert wurden, von Genossenschaften aufgebracht. 5,5 Milliarden Euro stammten von kommerziellen Investoren wie geschlossenen Fonds, der Rest von vermögenden Privatinvestoren oder Landwirten.

Mitunter werden die Genossenschaften als sogenannte Bürgerwindparks von interessierten Grundeigentümer initiiert, damit sich Anlieger an den Windkraftanlagen beteiligen und nicht Einsprüche gegen deren Bau erheben. Bundesweit machen immer mehr Anwohnerinitiativen gegen Windparks Front. "Bei der Umsetzung der Energiewende erleben wir ein ausgereiftes Sankt-Florians-Prinzip", sagt Wolfram Axthelm, Sprecher des Bundesverbands Windenergie. "Alle sind für Windkraft - aber kaum jemand will Windkraftanlagen in seiner direkten Nachbarschaft."

Totalverlust immer möglich

Einige Anleger dürften auch darauf setzen, dass ihr Kapital bei einer Genossenschaft besser geschützt ist als bei einem Windkraftfonds eines kommerziellen Emissionshauses. "Genossenschaften umweht der Ruf, sozial engagiert und egalitär ausgerichtet zu sein", sagt Anwalt Mattil. Tatsächlich jedoch seien die Risiken für die Anleger bei einer Beteiligung an einer Windgenossenschaft noch größer als bei Zeichnung eines Windfonds.

"Im Gegensatz zu geschlossenen Fonds unterliegen Genossenschaften weder der Prospektpflicht, noch dem Kapitalanlagegesetzbuch", erläutert der Jurist. Deshalb würden sie und ihre Beteiligungsangebote auch nicht von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) kontrolliert.

"Genossenschaften sind noch weniger reguliert als geschlossene Fonds", sagt Mattil. "Das Risiko des Totalverlusts für das investierte Kapital ist deshalb bei einer Windgenossenschaft nicht geringer als bei der Zeichnung eines Beteiligungsmodells." Für Anleger bedeute dies, dass sie finanzielle Beteiligungen in die Windenergiegewinnung eher als persönlichen altruistischen Beitrag zu Energiewende sehen sollten, denn als renditeträchtiges Investment.

"Egal, ob Anleger einen Fonds zeichnen oder einer Genossenschaft beitreten", sagt Mattil, "sie müssen sich der Tatsache bewusst sein, dass sie keine Garantie haben, ihr Geld jemals wiederzusehen."

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