Mittwoch, 19. Juni 2019

Windkraftfonds Rückkehr mit Risiken

Windkraftanlagen statt Solar: Immer mehr Anleger investieren in Windkraftprojekte

2. Teil: Technologie und Kalkulationen sind ausgereift

Beide Emissionshäuser arbeiten an weiteren Angeboten. "Wir bereiten gerade einen neuen Fonds vor, den wir exklusiv für Kunden einer Bank auflegen", sagt Sarezki. Ein Windpark in Süddeutschland sei dafür bereits angekauft. Ein weiteres Beteiligungsmodell werde im ersten Quartal 2014 folgen.

Leonidas hat gerade seinen 14. Windfonds aufgelegt, der erneut in Frankreich investieren will. Mindestens neun Millionen Euro Eigenkapital sollen bei Anlegern generiert werden. Leonidas-Chef Hug kann sich allerdings vorstellen, dass die Nachfrage deutlich größer ist - und hat entsprechend vorgesorgt: "Eine Erhöhung des Eigenkapitalvolumens auf bis zu 50 Millionen Euro ist möglich."

Dass sich Beteiligungen an Windkraftanlagen derzeit gut verkaufen lassen, zeigt auch die jüngste Statistik des Sachwerteverbands, der Lobbyorganisation der Initiatoren geschlossener Fonds. Danach stieg das für Windfonds bei Anlegern eingeworbene Kapital von sechs Millionen Euro im vierten Quartal vergangenen Jahres auf 81,9 Millionen Euro im zweiten Quartal dieses Jahres.

Das ist ein erstaunliches Revival für eine Assetklasse, der scheinbar bereits die Sterbeglocke geschlagen hatte. Noch vor wenigen Jahren galten Windfonds bei Vertrieben als unplatzierbar, nachdem Zehntausende Anleger mit der ersten Generation der Windbeteiligungen viel Geld verloren hatten. Diese nach der Jahrtausendwende aufgelegten Fonds hatten ihre Investments in hohem Umfang mit Krediten finanziert.

"Im Schnitt haben 140 Prozent eines Jahresumsatzes gefehlt"

Doch die damaligen Generatoren, die die Windkraft in elektrischen Strom umwandeln, waren weit reparaturanfälliger als angenommen. Zudem erwiesen sich die seinerzeitigen Gutachten über das Windaufkommen an den einzelnen Standorten als viel zu optimistisch. Zahlreiche Beteiligungsmodelle verdienten deshalb nicht genug Geld, um die Bankdarlehen dauerhaft tragen zu können - geschweige denn, Gewinne für ihre Anleger zu erzielen.

Allerdings gingen weder Windgeneratoren reihenweise zu Bruch, noch herrschte ständig Flaute am Himmel. Das zeigt eine Studie des Bundesverbands Windenergie, in der die tatsächliche Ertragskraft der mehr als 1150 Windparks analysiert wurde, die zwischen von 2000 bis 2011 in Deutschland ans Netz gingen. Danach erwirtschafteten die Anlagen in den zehn Jahren von 2002 bis 2011 im Schnitt immerhin 86 Prozent der prospektierten Umsätze. Das war jedoch für viele Beteiligungsmodelle zu wenig, um bestehen zu können.

"Nach zehn Jahren haben den Windparks auf der Einnahmeseite im Schnitt 140 Prozent eines Jahresumsatzes gefehlt", sagt der Steuerberater Werner Dalldorf, Autor der Studie und Vorsitzender des Anlegerbeirats im Bundesverband Windenergie. Zahlreiche Fonds konnten deshalb Zins und Tilgung nicht mehr stemmen und mussten Insolvenz anmelden. "Das scheinbar gut investierte Geld der Anleger löste sich in Luft auf", sagt André Felgentreu von der Berliner Anwaltskanzlei Gansel, die etliche geschädigte Zeichner vertritt.

Die Branche will aus diesen Fehlern gelernt haben. Die Anlagentechnik sei deutlich besser und verlässlicher geworden, die Prognosen zum Windaufkommen seien sehr viel exakter als noch vor fünf Jahren, verkünden Emissionshäuser, Ingenieure und Anlagenbauer. "Sowohl die Technologie als auch die Kalkulationssicherheit sind inzwischen ausgereift", meint auch Scope-Analyst Lentz.

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