Neue Steuern Wie der Staat die Axt an das Vermögen legt

Dem angesparten Vermögen drohen Gefahren: Politiker jonglieren mit einer höheren Abgeltungsteuer, einer Vermögenssteuer sowie einer Transaktionssteuer, die am Ende der Sparer tragen muss. Hinzu kommt die stille Enteignung der Sparer durch die Notenbanken.
Von Arne Gottschalck
"Timber Joey", Maskottchen der Portland Timbers, bei der Arbeit: Mancher Anleger fühlt sein Vermögen auf ähnliche Weise zersägt

"Timber Joey", Maskottchen der Portland Timbers, bei der Arbeit: Mancher Anleger fühlt sein Vermögen auf ähnliche Weise zersägt

Foto: Steve DYKES/ AFP

Hamburg - Die Deutschen sind, statistisch gesehen, kein armes Volk. Bei fast fünf Billionen Euro lag ihr Geldvermögen zuletzt. Pro Kopf - und freilich nur statistisch gerechnet - verfügt jeder also über 62.500 Euro. Damit ließe sich zum Beispiel durchaus für die eigene Altersvorsorge rechnen.

Altersvorsorge wird zwar immer wichtiger, doch noch immer nicht wichtig genug genommen, lautet das Ergebnis einer aktuellen Erhebung des Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). So bremsen die extrem niedrigen Zinsen die Sparanstrengungen der Deutschen.

Derzeit sparen die Bundesbürger aktuell auch nach eigenem Empfinden nicht genug - nur 64 Prozent erreichen ihre selbst gesteckten Sparziele, so ein Ergebnis der BVR-Studie. Und selbst wenn ein Grundstock für das Alter bereits aufgebaut ist, zehren daran noch Gefahren.

Ein Zusammenbruch des Euro-Währungsraums zum Beispiel oder ein Krieg, der eine Volkswirtschaft und deren Sparguthaben schwer schädigen würde. Oder betrügerische Berater. Oder die eigene Gier des Anlegers, der manchmal den Blick für die Risiken verliert. Die Literatur dazu füllt Bibliotheken. Doch all diese Gefahren liegen auf der Hand - anders als die stillen Bedrohungen. Wie sie zum Beispiel der Staat selbst darstellt.

Lohnsteuer, Abgeltungsteuer - und Vermögenssteuer

Beispiel Vermögenssteuer. Die SPD will sie einführen - allerdings sollen "hohe Freibeträge sicherstellen, dass ein normales Einfamilienhaus nicht von der Vermögenssteuer betroffen sein wird", so formuliert es das Wahlprogramm der Partei. Die Grünen sind gleichfalls für eine Vermögensteuer. Sie planen ab einem Vermögen von einer Million Euro 1,5 Prozent der Summe im Jahr zu vereinnahmen - über einen Zeitraum von zehn Jahren. Ob Vermögen, das eigens für die Altersvorsorge aufgebaut wurde, davon ausgenommen wäre? Im Zweifel kaum.

Das gleiche Bild bei der Abgeltungsteuer für Kapitaleinkünfte - die SPD will künftig 32 Prozent statt wie bisher 25 Prozent verlangen. Oder die Finanzmarkttransaktionssteuer. EU und Bundesregierung wollen sie zum 1. Januar 2014 einführen; unter anderem, um die Finanzbranche an den Kosten der Finanzkrise zu beteiligen, so formulierte es Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble Anfang des Jahres.

Ob es berechtigt ist, mit dieser Begründung Kleinsparer und Investmentbanken steuerlich gleich zu behandeln, dürfte mehr als fraglich sein. Abgesehen davon vernachlässigt die Einführung so einer Steuer eine wichtige Grundregel - Geldanlage ist kein statisches Geschäft. Sie muss sich dem Umfeld anpassen, zum Beispiel der Inflation.

Staat treibt Sparer mit Niedrigzinsen an die Börse - und kassiert dort erneut

Als "natürlichen Feind des Sparers" bezeichnet die Postbank die Inflation. Von 2002 bis 2012 lag die jährlichen Inflationsrate in Deutschland bei 1,6 Prozent im Jahr. Doch das bedeutet auch, dass der Pegelstand des Vermögens 2002 noch 4.939 Milliarden Euro anzeigte, 2012 aber nur noch 4.205 Milliarden - wenn man die Inflation einrechnet. Anders gesagt - Anleihen mit einer Miniverzinsung sind in so einem Umfeld gleichbedeutend mit der Vernichtung von Vermögen.

Viele Sparer investieren also in Alternativen. "Die Realzinsen bewegen sich also immer noch nahe oder unterhalb von Null", sagt auch Jakob Tanzmeister, Client Portfolio Manager und Experte für Asset-Allocation-Lösungen bei JP Morgan Asset Management in London. "Wer langfristig sein Kapital erhalten, mehren oder gar regelmäßige Erträge erzielen möchte, muss deshalb bei seiner Geldanlage mehr Risiko in Kauf nehmen. Neben einer Allokation in Aktien sollte breit über traditionelle und nicht-traditionelle Anlageklassen hinweg diversifiziert werden."

Und genau das soll künftig den Fiskus auf den Plan rufen. Die Transaktion also, die Erträge erst schaffen soll, führt zuerst zu Abzügen. Investiert ein Sparer zum Beispiel über die Börse, griffe die Transaktionssteuer zu.

Keine Ausweichmöglichkeiten

Das gleiche Bild ergibt sich, wenn nicht der Sparer selbst handelt, sondern ein Fondsmanager. Jede seiner Transaktionen würde den Fiskus auf den Plan rufen. Und "es ist ein Irrtum zu glauben, dass die Finanzindustrie die Steuer zahlt", murrt Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Investment und Asset Management (BVI). "Hauptbetroffene werden Privatpersonen und Unternehmen sein."

Denn die müssten die Rechnung begleichen. Und das nicht zu knapp. Denn der Fondsanleger wäre von der Steuer doppelt betroffen - einmal bei Kauf und Verkauf des Fonds, und dazu noch bei jeder Transaktion des Fondsmanagers.

0,1 Prozent des Kaufpreises im Fall von Wertpapieren wie Aktien liest sich zwar bescheiden. Doch es summiert sich. Mit einer Renditeminderung von bis zu 55 Basispunkten rechnet die Fondsgesellschaft Union Investment. Über 40 Jahre und einer monatliche Einzahlung in einen Fonds würden am Ende 134.652 Euro im Depot lagern. Ohne die Steuer indes wären es 148.856 Euro, so die Union. Und räumt in der Untersuchung selbst ein, Kaskadeneffekte nicht berücksichtigt zu haben. Der liegt darin, wenn Banken einander Wertpapiere weiterreichen, bis sie im Fondsportfolio landen.

Für Thomas Richter vom Fondsverband BVI ist eines schon jetzt klar: "Es geht um eine neue staatliche Einnahmequelle und um die Gunst der Wähler, die glauben, die Banken zahlten die Steuer. Tatsächlich zahlt die Steuer am Ende der Sparer selbst."

Unter dem Strich rechnet die Unternehmensberatung Oliver Wyman mit einer Mehrbelastung der Privatsparer zwischen 2,6 und 3,6 Milliarden Euro.

Wäre die staatliche Rente auch in Zukunft auskömmlich, es wäre vielleicht ein akademischer Streit ohne praktische Relevanz. Doch genau das ist nicht der Fall. Vielmehr sinkt die Bedeutung der staatlichen Rente. Lag das Nettorentenniveau 1980 noch bei 57,6 Prozent, sollen es 2018 nur noch 46,5 Prozent sein.

Auf der einen Seite also der zunehmend undichte Schirm der staatlichen Rente, auf der anderen die Begehrlichkeiten des Staates - harte Zeiten für den Anleger. Und dessen Vermögensaufbau.

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