Samstag, 7. Dezember 2019

Deutschland konsumiert wie wild und investiert wenig Wie Deutschland seinen Wohlstand verschleudert

Armut, mitten in Berlin: Deutschland konsumiert wie wild und investiert zu wenig

Als der Ökonom Thomas Piketty im Herbst letzten Jahres seine Forderung nach radikaler Umverteilung im Bundeswirtschaftsministerium vortrug, war der Hausherr Sigmar Gabriel (SPD) sichtlich begeistert. Es spiele keine Rolle, ob die Thesen des Franzosen richtig oder falsch seien. Politisch relevant seien sie allemal.

Auch eine Idee für die Mittelverwendung hatte Gabriel parat: Liebend gern würde er vier Milliarden mehr für Bildung ausgeben. Was ihn daran hinderte, blieb völlig unklar, hatte die Bundesregierung doch kurz zuvor Rentengeschenke in Höhe von rund 200 Milliarden verteilt. Dagegen sind vier Milliarden für Bildung doch ein Klacks.

Diese kleine Anekdote zeigt gut, woran Deutschland krankt. Wir konsumieren statt in die Zukunft zu investieren. Wir geben uns einer Wohlstandsillusion hin und denken, wir könnten "alles schaffen". Die Flüchtlingskrise, die Energiewende, die Rettung des Euros, die Umstellung unsere Wirtschaft auf neue Technologien und letztlich den Übergang zu einer schrumpfenden Gesellschaft mit immer mehr Alten.

Das Problem ist: Jede einzelne dieser Herausforderungen kostet Billionen. In Summe zu viel - selbst für eine noch starke Volkswirtschaft wie die unsere. Nicht nur die Kosten sind enorm. Wir müssten jeweils investieren, statt zu konsumieren. Doch wir tun das Gegenteil. Investitionen legen die Grundlage für künftigen Wohlstand, Konsum verbraucht vorhandenen Wohlstand.

Energiewende: Vernichtung von Milliardenvermögen

Die Energiewende kann man wollen. Ich will jetzt gar nicht in die Diskussion einsteigen, wie sinnvoll es ist, bei uns - fernab von jedem Erdbeben- und Tsunami-Gebiet - Atomkraftwerke abzuschalten, wenn in Japan ein Unglück passiert. Ich will auch nicht groß hinterfragen, ob wir wirklich sicherer sind, wenn andere Länder um uns herum dafür mehr auf Atomkraft setzen. Problematisch sind aber Umsetzung und Folgekosten. Der Kurswechsel über Nacht hat volkswirtschaftliches Vermögen in Milliardenhöhe vernichtet. Nun mag dies nur für die Aktionäre der Energiefirmen unmittelbar relevant erscheinen.

Daniel Stelter
In Wirklichkeit schwächt diese Vermögensvernichtung eine ganze Branche und erschwert den Übergang zu wirklich neuen Technologien mehr, als dass sie ihn erleichtert. Die gleichzeitige Förderung der alternativen Energien war nichts anderes als ein gigantisches Subventionsprogramm von dem vor allem die chinesischen Solaranbieter profitiert haben. Für den Standort Deutschland bedeutet sie dauerhaft deutlich höhere Energiekosten. Die Belastung für Unternehmen und Verbraucher wird auf eine Billion geschätzt. Diese Billion ist Konsum und fehlt an anderer Stelle. Wie weit Industrien für erneuerbare Energien davon wirklich profitieren, vor allem am Standort Deutschland, bleibt abzuwarten.

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