Sonntag, 15. Dezember 2019

Investieren wie Hedgefonds Wie Anleger ihr Geld beschützen - auch in turbulenten Zeiten

Nichts stört den Flug des Adlers: Bei dieser Jagd in China kommen die Greifvögel zum Einsatz. Eine ähnlich ruhige Hand wie die Jäger brauchen auch die Fondsmanager der "Allwetter-Fonds"
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Nichts stört den Flug des Adlers: Bei dieser Jagd in China kommen die Greifvögel zum Einsatz. Eine ähnlich ruhige Hand wie die Jäger brauchen auch die Fondsmanager der "Allwetter-Fonds"

Die Wiege der Revolution steht in den Wäldern Conneticuts. Einige Kilometer außerhalb des Städtchens Westport hat Ray Dalio eine neue Methode entwickelt, das Geld seiner Kunden so auf Aktien, Anleihen und Rohstoffe zu verteilen, dass es in jedem Wirtschaftsumfeld wächst. Der 65-Jährige ist so erfolgreich, dass sein vor mehr als 40 Jahren gegründetes Unternehmen Bridgewater Associates heute der größte Hedgefonds der Welt ist, mit 160 Milliarden Dollar verwaltetem Kapital.

Rund die Hälfte davon stecken in Bridgewaters "All Weather Fund", dessen Strategie Dalio 1996 schuf, um das Geld seiner Familie zu investieren. Wenn er eines Tages nicht mehr da ist, soll ein sturmfestes Anlagemodell dafür sorgen, dass die Dalios ihr Vermögen behalten.

Dazu bestimmt Dalio das Gewicht von Anlageklassen wie Aktien, Anleihen und Rohstoffen nach der Schwankungsanfälligkeit ihrer Kurse und Preise. Er legt fest, welches Risiko er als Anleger akzeptieren will, und verteilt dieses Risikobudget dann gleichmäßig auf vier Körbe: Aktien, Rohstoffe und hochverzinste Anleihen sollen in Phasen steigender Wachstumsraten profitieren. Anleihen sind für Zeiten sinkender Wachstumsraten vorgesehen. Inflationsgesicherte Anleihen und Rohstoffe sollen bei steigenden Inflationsraten das Vermögen schützen, Aktien und Bonds bei fallenden Inflationsraten.

Jeder vierte US-Pensionsfonds nutzt Dalios "Allwetter-Strategie"

Knapp 20 Jahre später nutzt ein Viertel der US-Pensionskassen bereits diesen Investmentansatz, fast allen Großanlegern dort ist die so genannte Risk-Parity-Strategie bekannt, die auf Dalios "All Weather Fund" zurückgeht. Dalios Fonds schaffte durchschnittlich mehr als 6 Prozent Rendite pro Jahr.

Für stark steigendes Interesse sorgte die Finanzkrise 2008, als viele Risk-Parity-Fonds rechtzeitig den Aktienanteil im Depot reduzierten und so die Verluste zumindest begrenzten. Die US-Großanleger hoffen darauf, dass die Risk-Parity-Strategie gerade jetzt helfen kann, die unsicheren Zeiten zu überstehen, in denen sie mit vielen Anleihen nichts mehr verdienen können.

Von dem Trend profitiert auch AQR, der siebtgrößte Hedgefonds der Welt, von dessen mehr als 120 Milliarden Euro Kundenkapital rund ein Viertel in der eigenen Risk-Parity-Strategie stecken. AQR residiert nicht im Wald, wie Bridgewater, sondern mitten in Stamford, gleich neben dem Bahnhof, von dem aus der Zug nach Manhattan fährt.

Die Manager dort sind weniger exzentrisch als der meditierende Beatles-Fan und Ex-Trader Dalio und gelten eher als Akademiker-Typen. "Eine faire Beschreibung", sagt Antti Ilmanen, Global Head of Portfolio Solutions bei AQR, der ebenso wie sein Chef Cliff Asness häufig eigene Beiträge in finanzwissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht.

Die Finanznerds machen sich Sorgen.

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