Sonntag, 19. Januar 2020

Investieren wie Hedgefonds Wie Anleger ihr Geld beschützen - auch in turbulenten Zeiten

Nichts stört den Flug des Adlers: Bei dieser Jagd in China kommen die Greifvögel zum Einsatz. Eine ähnlich ruhige Hand wie die Jäger brauchen auch die Fondsmanager der "Allwetter-Fonds"
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Nichts stört den Flug des Adlers: Bei dieser Jagd in China kommen die Greifvögel zum Einsatz. Eine ähnlich ruhige Hand wie die Jäger brauchen auch die Fondsmanager der "Allwetter-Fonds"

6. Teil: Bedenken gegen den Krediteinsatz

Ein anderer Kritikpunkt von Skeptikern wie GMO-Fondsmanager James Montier an den Risk-Parity-Fonds greift noch immer. Montier warnt, dass die Fonds ein erhöhtes Verlustrisiko eingingen, weil sie Kredithebel einsetzen. Indem sie nicht Anleihen direkt kaufen, sondern Futures-Kontrakte, können sie mit einem Vielfachen des Eigenkapitals ins Risiko gehen. Darauf können die neuartigen Fonds kaum verzichten, denn es geht um ein Kernelement des Modells.

Ray Dalio ging davon aus, dass Assets wie Anleihen und Aktien nach ihrem Schwankungsrisiko gewichtet werden sollten. Weil Aktien stärker schwanken als Bonds, sollte ihr Anteil im Portfolio kleiner werden. Um trotzdem eine aktienähnliche, hohe Rendite zu erhalten, wird der Anleiheanteil im Portfolio hochgehebelt. Damit erhöhen die Fonds aber nicht nur die Renditechance, sondern auch das Verlustrisiko.

"Wir nutzen Kredihebel im Portfolio", sagt Scott Wolle. "Aktuell haben wir für jeden von Anlegern investierten Euro 1,4 Euro Risiko-Exposure." Das vorgesehene Maximum liegt bei 2,5. Der Fonds habe aber noch nie mehr als ein Leverage von zwei eingesetzt.

Ein weiterer schwerwiegender Kritikpunkt an den Risk-Parity-Fonds sind die Gebühren. Noch eher günstig ist der Invesco Balanced-Risk mit 1,6 Prozent an laufenden Kosten - eine zusätzliche "Performance Fee" gibt es beim Invesco-Fonds nicht. Bei Aquila und 1741 Asset Management dagegen kommen zu den laufenden Gebühren noch zusätzliche Kosten, die mit der Wertentwicklung zusammenhängen.

Das Interesse an Risk-Parity-Strategien steigt, auch in Deutschland

Trotz aller Kritik: Das Interesse an Risk-Parity-Strategien steigt, auch in Deutschland. Das zeigt zum Beispiel der nach EU-Recht ("Ucits") zugelassene Ableger der Risk-Parity-Strategie von AQR: Das Startkapital stellte nicht zuletzt ein deutscher Pensionsfonds zur Verfügung. Für Privatanleger ist der Fonds allerdings nicht gedacht, die Mindestanlagesumme beträt 100.000 Euro. Wer beim Allianz Dynamic Risk Parity investieren will, den der Finanzkonzern am 16. Januar 2015 in Luxemburg aufgelegt hat, sollte sogar schon 10 Millionen Euro mitbringen.

"Wir empfehlen Risk Parity nicht als Ersatz für die bisherige Anlagestrategie, sondern als Element im Portfolio, das 10 bis 20 Prozent des Kapitals ausmacht", sagt Christopher Palazzolo, der bei AQR für das Marketing in Europa zuständig ist.

Invesco-Anlagestratege Scott Wolle geht noch weiter: "Die Risk-Parity-Strategie sollte einen größeren Teil des Anlegerdepots ausmachen und darüber hinaus beeinflussen, wie Investoren über die gesamte Investmentstrategie nachdenken."

Der Invesco-Mann peilt unverdrossen eine Rendite "sechs Prozent über der von kurzlaufenden US-Staatsanleihen" an, obwohl auch er einräumt, dass Aktien und Anleihen bereits relativ hoch bewertet sind und deswegen in den kommenen Jahren keine Traumrenditen erwarten lassen. "Die Ausnahme sind Rohstoffe, die 50 Prozent unter ihren Preisen von 2008 liegen", sagt er. "Das gibt uns die Zuversicht, hier ziemlich attraktive Renditen zu erzielen in den kommenden fünf bis zehn Jahren."

Das Hauptrisiko für die Risk-Parity-Strategen ist ein erneuter Simultancrash von Aktien, Anleihen und Rohstoffen wie 2013. "Wir machen uns Sorgen über die Möglichkeit, dass erneut alles gleichzeitig fällt", sagt Antti Ilmanen von AQR. "Aber wenn das passiert, zum Beispiel bei einem plötzlichen Ende der Stützungspolitik der Notenbanken, dann haben alle Strategien ein Problem, die auf steigende Kurse setzen."

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