Sonntag, 19. Januar 2020

Investieren wie Hedgefonds Wie Anleger ihr Geld beschützen - auch in turbulenten Zeiten

Nichts stört den Flug des Adlers: Bei dieser Jagd in China kommen die Greifvögel zum Einsatz. Eine ähnlich ruhige Hand wie die Jäger brauchen auch die Fondsmanager der "Allwetter-Fonds"
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Nichts stört den Flug des Adlers: Bei dieser Jagd in China kommen die Greifvögel zum Einsatz. Eine ähnlich ruhige Hand wie die Jäger brauchen auch die Fondsmanager der "Allwetter-Fonds"

5. Teil: Kritik von Value-Investoren beherzigt

Beim Fondsanbieter Invesco in Atlanta hat das Risk-Parity-Team das Modell so verändert, dass ein schwerwiegender Kritikpunkt nicht mehr greift: Die Blindheit für Überbewertungen und Spekulationsblasen. Weil viele Risk-Parity-Modelle die Bewertungsniveaus von Assets bei deren Gewichtung ignorieren, hatte zum Beispiel Anlagestratege und Fondsmanager James Montier vom Value-Investing-Spezialisten GMO in einem Thesenpapier Risk Parity als Schabernack und gefährliche Marketingmasche bezeichnet.

In der Tat gilt die Bewertung von Aktien und Anleihen im Verhältnis zu den erwarteten Geldströmen für die Anleger als so etwas wie die Schwerkraft des Finanzmarkts: Die Börsen können sich ihr eine ganze Zeit lang entziehen, so wie 2000 und 2008. Doch irgendwann kehren sie wieder zu den langfristig üblichen Bewertungsniveaus zurück.

Invesco verwendet für das eigene Modell nun ausgerechnet eine Kennziffer, die von den Urahnen des Value-Investing erfunden wurde: Das Graham-Dodd-Kurs-Gewinn-Verhältnis, benannt nach Warren Buffetts Universitätslehrer Benjamin Graham und David Dodd. Dabei wird der durchschnittliche Gewinn der vergangenen zehn Jahre errechnet, um so einen Indikator für die langfristige Ertragskraft zu bekommen. Auf meist allzu optimistische Analystenprognosen für die kommenden Jahre wird dagegen verzichtet.

Blick nach vorn

In einem anderen Teil des Risikomanagements schaut das Invesco-Team aber im Gegenteil nicht mehr nur auf die Vergangenheit, sondern künftig auch nach vorn. "Das schwierige Jahr 2013 hat uns darin bestärkt, nicht auf die historische Volatilität zu schauen, sondern auf die Duration." Die Duration ist ein Maß für die Empfindlichkeit von Bonds für Zinsveränderungen, eines der Hauptrisiken für Bondanleger: Steigen die Zinsen neuer Anleihen, verlieren die alten Anleihen mit den niedrigeren Zinskupons im Kurs.

"Die Duration ist in den vergangenen zwei Jahren in einigen Anleihesegmenten stark gestiegen. Deshalb müssen wir den Bondanteil im Portfolio reduzieren, um unser angepeiltes Risikoniveau zu erreichen", sagt Scott Wolle, Chefstratege für die Globale Asset Allocation bei Invesco.

Der Fonds sei nun stärker in Anleihemärkten investiert, wo die Renditen noch relativ hoch sind, zum Beispiel in Australien. Bundesanleihen und japanische Staatsanleihen hat der Fonds dagegen teilweise abgebaut. Denn Staatsanleihen mit negativen oder nahe Null liegenden Renditen werden "nur noch mit großen Schwierigkeiten ihrer Rolle als sichere Häfen gerecht werden können", warnt der Fondsmanager. Insgesamt hat er zur Zeit Bonds neutral gewichtet, Aktien übergewichtet und Rohstoffe untergewichtet. Von inflationsgesicherten Anleihen hält Scott Wolle wenig, weil diese bei Inflation nicht immer den erhofften Schutz bieten würden.

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