Mittwoch, 27. Mai 2020

Taumelnder Büroraum-Anbieter WeWork streicht 2400 Jobs, Adam Neumann macht Kasse

Wework Gründer Adam Neumann hat sein Geld in Sicherheit gebracht. Nun verlieren Tausende Mitarbeiter ihre Jobs
Jackal Pan / REUTERS
Wework Gründer Adam Neumann hat sein Geld in Sicherheit gebracht. Nun verlieren Tausende Mitarbeiter ihre Jobs

Beim taumelnden Büroraum-Anbieter WeWork müssen 2400 Mitarbeiter gehen. Die Firma bestätigte den Abbau der Jobs, der WeWork "effizienter" machen solle, am Donnerstag dem US-Sender CNBC. WeWork hatte nach hohen Verlusten und massiven Zweifeln der Anleger am Geschäftsmodell den für Herbst geplanten Börsengang abgesagt. Im Sommer hatte das Unternehmen, das Büroraum unter anderem an Start-ups vermietet, noch mehr als 12.000 Beschäftigte.

Der japanische Technologiekonzern Softbank , der über seinen "Vision"-Investitionsfonds ein zentraler Geldgeber von WeWork war, hatte im Oktober die Kontrolle bei der New Yorker Firma übernommen. Softbank pumpte dabei weitere 9,5 Milliarden Dollar über neue Kredite und den Kauf von Anteilen in WeWork und kündigte massive Sparmaßnahmen an, um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern. Anderenfalls hätte eine Milliarden-Pleite gedroht.

WeWork-Gründer Adam Neumann, der den Büroraum-Vermieter mit vollmundigen Versprechungen hochgejazzt hatte, wurde von Softbank-Chef Masayoshi Son mittlerweile vom Hof gejagt. Neumann kassierte bei seinem Abgang eine Milliardensumme.

Softbank Börsen-Chart zeigen hat wegen der kostspieligen Rettungsaktion für WeWork zum ersten Mal seit 14 Jahren einen Quartalsverlust eingefahren. Der operative Verlust summierte sich auf 704 Milliarden Yen (6,5 Milliarden Dollar) und übertraf damit die Erwartungen der Analysten deutlich. Vor einem Jahr stand noch ein Gewinn in gleicher Höhe zu Buche.

Softbank Chef Masayoshi Son: Der Milliardenverlust mit WeWork kratzt am Nimbus des Tech-Investors

Konzernchef und Gründer Masayoshi Son räumte am Mittwoch ein, er habe die Situation bei WeWork "in vielerlei Hinsicht falsch" eingeschätzt und bei den Problemen mit der Unternehmensführung von WeWork-Gründer Adam Neumann weggeschaut. Softbank hat in Reaktion auf das WeWork Debakel seine Regeln für künftige Investments überarbeitet und verschärft.

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Softbank musste allein im abgelaufenen Quartal umgerechnet 3,4 Milliarden Dollar auf die Beteiligung an WeWork abschreiben. Der Investor musste mehr als zehn Milliarden Dollar einschießen, um eine Schieflage nach dem Scheitern des Börsengangs zu verhindern. Im Gesamtjahr dürfte der Verlust mit WeWork auf 4,6 Milliarden Dollar steigen.

Softbank musste mehr als 10 Milliarden Dollar in WeWork einschießen

Der 100 Milliarden Dollar schwere Vision Fund, über den Softbank zusammen mit anderen Investoren in junge Unternehmen investiert, verbuchte operativ allein 970 Milliarden Yen (8,9 Milliarden Dollar) Verlust.

Der Wertverfall der Beteiligungen an WeWork und am börsennotierten Fahrdienst Uber schlug sich dabei noch gar nicht in der Bilanz nieder. Die steigenden Gewinne des ebenfalls zu Sons Imperium gehörenden japanischen Telekom-Konzerns Softbank Corp konnten die Verluste des Vision Fund nicht wettmachen. Auf eine Prognose für das Gesamtjahr 2019/20 wollte sich Son nicht festlegen.

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Der Fehlschlag mit WeWork kratzt am Nimbus von Softbank-Chef Son, der etwa mit seinem frühen Investment in den chinesischen Amazon-Rivalen Alibaba ein glückliches Händchen bewiesen hatte. Im Jahr 2000 steckte Son 20 Millionen Dollar in das kurz zuvor gegründete Unternehmen. Inzwischen ist die Beteiligung mehr als 100 Milliarden Dollar wert. Angesichts der Negativ-Schlagzeilen mit WeWork dürfte es dem 62-Jährigen schwerer fallen, bei Investoren Kapital für einen zweiten Fonds einzuwerben, der mindestens so groß wie der Vision Fund werden sollte.

la/dpa

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