Goldpreis stürzt ab Wenn Sie jetzt Gold kaufen, dann aus diesem einen Grund

Mehr als zehn Jahre lang stieg der Goldpreis - seit vier Jahren fällt er nun. Die Lehre aus all den Jahren: Bei Gold braucht es keine rationalen Argumente - es ist eine Glaubensfrage.
Goldbarren aus der Nähe: Wer jetzt kauft, muss schon daran glauben

Goldbarren aus der Nähe: Wer jetzt kauft, muss schon daran glauben

Foto: REUTERS

Wenn es für Geldanleger in den letzten Jahren eine Enttäuschung gab, dann am Goldmarkt. Der Preis des Edelmetalls startete zu Beginn des Jahrtausends eine sensationelle Rally, während derer er von 250 Dollar pro Unze auf beinahe 1900 Dollar im Jahr 2011 stieg. Eine Vielzahl von Privatanlegern dürfte zuletzt noch in den Handel eingestiegen sein - sie kamen gerade rechtzeitig zur Trendwende.

Denn seitdem geht es mit dem Goldpreis abwärts. Den jüngsten Tiefschlag gab es am Montag dieser Woche, als der Markt ein Fünf-Jahres-Tief erreichte. Damit erscheint es nochmals wahrscheinlicher, dass Gold  2015 zum dritten Mal in Folge ein Jahr mit Verlusten beenden wird.

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Zukäufe: Was man für das Zentralbank-Gold kaufen könnte

Enttäuschend an dieser Entwicklung ist aber nicht alleine der fallende Preis, der für Verluste in vielen Depots sorgt. Enttäuschend ist vor allem, dass sich so ziemlich alle Argumente, mit denen der Goldkauf häufig angepriesen wird, nach und nach offenbar in Luft auflösen.

So lässt sich festhalten, dass

  • sich die Staatsschuldenkrise vor allem um Griechenland in den vergangenen Jahren mehrfach verschärft hat, was Geld in den "sicheren Hafen" Gold hätte treiben können. Das geschah aber offenbar nicht, denn der Goldpreis fiel trotzdem.
  • zuletzt die Börsen in China dramatisch eingebrochen sind, was ebenfalls Gelder in den "sicheren Hafen" Gold hätte lenken können. Auch diese Reaktion blieb jedoch offensichtlich aus, jedenfalls fiel der Goldpreis trotzdem.
  • Notenbanken weltweit seit Jahren enorme Mengen an Liquidität in die Finanzmärkte geben, was nach gängiger Theorie die Geldmenge erhöhen und die Inflation anfachen müsste, wovon wiederum Gold als Asset zum Inflationsschutz hätte profitieren sollen. Die von vielen prophezeite Inflation lässt aber bislang auf sich warten - stattdessen fällt der Goldpreis.
  • Notenbanken zudem jahrelang Gold verkauft haben, vor einiger Zeit jedoch auf die Käuferseite wechselten. Laut World Gold Council etwa steigerten die Zentralbanken weltweit ihre Nettokäufe im Jahr 2014 gegenüber dem Vorjahr von 409 auf 477,2 Tonnen und damit um 16,7 Prozent. Die chinesische Notenbank gab erst vor wenigen Tagen bekannt, dass sie ihre Bestände in den vergangenen Jahren um fast 60 Prozent erhöht hat. Die Nachfrage von Seiten der Zentralbanken könnte also den Goldpreis stützen - der fällt aber trotzdem.
  • Experten angeblich präzise berechnen können, dass ein Goldpreis von weniger als etwa 1800 Dollar für Minen auf Dauer zu Verlusten bei der Produktion führen müsste. Die Folge müssten Pleiten sein sowie eine damit verbundene Reduzierung des Goldangebots, was wiederum den Preis steigen lassen müsste. Inzwischen befindet sich der Goldpreis jedoch bereits seit einigen Jahren unterhalb der Marke von 1800 Dollar je Unze - und er fällt weiter.
  • vielfach geäußert wurde, dass ein steigender Wohlstand in Schwellenländern wie vor allem in China die Nachfrage nach dem Edelmetall dort erhöhen müsste, was wiederum dem Preis auftrieb gäbe. Der Wohlstand in den Schwellenländern steigt zwar nach wie vor - aber der Goldpreis fällt.

Selbstverständlich lassen sich für das Absinken des Goldpreises ebenfalls stets vernünftig klingende Gründe finden. Häufig werden beispielsweise Großbanken und Investmenthäuser als Verantwortliche genannt, die, so heißt es, den Preis mehr oder weniger nach ihrem Belieben beeinflussen können. Aktuell ist es zudem die bevorstehende Zinserhöhung in den USA, die den Dollar steigen lässt. Eine Faustregel besagt: Ein steigender Dollar lässt stets den Goldpreis fallen (und umgekehrt selbstverständlich).

Blick in die Psyche der Goldkäufer

Das dürfte viele Investoren jedoch kaum trösten. Wer sich noch nicht von seinem Gold getrennt hat, muss erleben, wie nach und nach die Gewinne schmelzen oder die Verluste zunehmen. Inzwischen werden bereits Stimmen laut, die ein Absinken des Goldpreises unter die Marke von 1000 Dollar je Unze kommen sehen.

Wohl gemerkt: die psychologisch wichtige Marke von 1000 Dollar je Unze. Denn das ist die eigentlich Lehre aus den vergangenen Jahren Auf und Ab: Wenn Psychologie im Finanzgeschäft irgendwo eine Rolle spielt, dann am Goldmarkt.

Tatsache ist schließlich: Weil Gold - anders etwa als Aktien, Anleihen oder Immobilien - keine Erträge abwirft, ist eine klare Bewertung schwierig. Unmöglich ist sie deshalb aber nicht, wie auch das "Wall Street Journal" aktuell ausführt . Schließlich gibt es noch einen wichtigen Faktor, der am Goldmarkt mehr als anderswo in den Handel einfließt: Das ist der Glaube, den die Käufer dem Edelmetall entgegenbringen.

Es mag merkwürdig klingen, aber vermutlich läuft es letztlich darauf hinaus: Die vielen rationalen Gründe, die für einen steigenden Goldpreis genannt werden, sind schön und gut. Sie können sich in nächster Zeit bewahrheiten oder auch nicht.

Das wichtigste Motiv für einen Goldkauf ist jedoch in Wahrheit meist ein anders: Die Käufer glauben schlicht und ergreifend an das Edelmetall.

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