Donnerstag, 19. September 2019

Greenback auf Höhenflug Was der starke Dollar für die Weltwirtschaft bedeutet

Druckfrische Dollarscheine: Die US-Währung gewinnt seit Monaten an Wert.

US-Präsident Donald Trump ist es schon lange ein Dorn im Auge und auch viele US-Konzerne dürften sich kaum freuen: Seit Monaten steigt und steigt der Dollar Börsen-Chart zeigen im Wert gegenüber anderen Währungen. Gegenüber dem Euro Börsen-Chart zeigen gewann der Greenback seit Anfang 2018 bereits etwa 11 Prozent. Der ICE Dollar Index, der die Entwicklung der US-Währung gegenüber einem Korb mit sechs wichtigen Währungen misst, liegt etwa im gleichen Maße im Plus. Der Index, so berichtet das "Wall Street Journal", notiert gegenwärtig auf dem höchsten Stand seit zwei Jahren.

Hauptgrund für die Entwicklung dürfte die Geldpolitik der US-Notenbank sein. Die Fed hatte vor dem Hintergrund einer robusten US-Konjunktur bereits früh damit begonnen, ihre Zinsen zu steigern. Weil Notenbanken in anderen wichtigen Währungsräumen - beispielsweise die Europäische Zentralbank - nicht mitzogen, entstand ein Zinsgefälle, durch das Kapital verstärkt in Richtung USA gelenkt wurde. Inzwischen ist die Fed zwar wieder leicht von ihrem Zinssteigerungskurs abgerückt. Andere Notenbanken weltweit sind aber ebenfalls dazu übergegangen, ihre Geldschleusen wieder weiter zu öffnen. Die relative Zinslücke bleibt also wohl vorläufig bestehen.

Selbst nach dem jüngsten Abrutschen der Zinsen auf US-Staatsanleihen, welche vergangene Woche zu neuerlichen Unruhen am Aktienmarkt geführt hatte, können Investoren mit den US-Papieren noch höhere Erträge erzielen als mit Staatspapieren in anderen Industrieländern, so das "WSJ".

Kein Wunder also, dass viel Kapital in Richtung USA fließt, was den Dollar immer weiter in die Höhe treibt. Für die Wirtschaft kann diese Entwicklung weitreichende Folgen haben - sowohl innerhalb als auch außerhalb der USA:

  • Ein starker Dollar ist ungünstig für US-Unternehmen, die ihre Produkte exportieren, denn diese werden dadurch für Käufer im Ausland teurer. Auch US-Unternehmen, die Umsätze auf andere Weise im Ausland erzielen, geraten in Nachteil: Wollen sie ihre Auslandsumsätze in die Heimat holen, verringert sich deren Wert, je weiter der Dollar in die Höhe klettert. Das "WSJ" berichtet vor dem Hintergrund, die Gewinne jener Unternehmen aus dem US-Aktienindex S&P 500, die ein besonders umfangreiches Auslandsgeschäft betreiben, seien im zweiten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um durchschnittlich 12 Prozent gefallen. Jene Firmen dagegen, die sich mehr auf den nationalen Markt der Vereinigten Staaten konzentrieren, hätten ihre Gewinne parallel dazu um 4 Prozent gesteigert, so die Zeitung.
  • Die Belastung für US-Unternehmen macht deutlich, weshalb US-Präsident Trump seit Monaten gegen den starken Dollar wettert. Immer wieder nimmt er die Notenbanken ins Visier, die seiner Ansicht nach maßgeblich für die Wechselkurse verantwortlich sind. So verlangt Trump von der US-Notenbank Fed schnellere Zinssenkungen, während er zugleich beispielsweise europäischen Währungshütern vorwirft, mit ihrer Geldpolitik den Kurs des Euro zu drücken.
    Tatsächlich gehören Unternehmen in der Eurozone zu den Nutznießern des Dollar-Höhenflugs - insbesondere deutsche. Denn ebenso, wie ein starker Dollar US-Exporte im Ausland verteuert, werden Importe in die USA dadurch aus Sicht der Amerikaner günstiger. Gute Nachrichten also für die deutsche Wirtschaft, die traditionell stark auf den Export ausgerichtet ist, und zwar vor allem auf jenen in die USA. Mit einem Exportvolumen von 113,5 Milliarden Euro waren die Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr zum dritten Mal in Folge der wichtigste Abnehmer deutscher Exporte weltweit. Es folgten Frankreich (105,3 Milliarden Euro) und China (93,1 Milliarden Euro). Auch unter dem Strich verzeichnet Deutschland gegenüber den USA eine positive Handelsbilanz: Allein 2018 überstiegen die Exporte in die USA die Importe von dort um 49 Milliarden Euro.
  • Nicht nur Unternehmen, die ihre Produkte im Dollarraum absetzen wollen, können sich über die Stärke des Greenbacks freuen. Für Privatanleger, die beispielsweise an der US-Börse investiert haben, gilt das gleiche: Mit den Währungsgewinnen können sie eventuelle Verluste bei US-Aktienkursen mildern oder ausgleichen - oder sie können Kursgewinne zusätzlich steigern.
    Letzteres gilt beispielsweise auch für Investoren am Goldmarkt, denn Gold Börsen-Chart zeigen wird auf dem Weltmarkt bekanntlich ebenfalls in Dollar gehandelt. Ohnehin hat der Goldpreis in den vergangenen Monaten Aufwind bekommen, angesichts zahlreicher Probleme wie dem Handelskonflikt zwischen USA und China, die Investoren verunsichert haben. Für Goldkäufer außerhalb der USA kamen jedoch die Währungsgewinne noch hinzu. Während beispielsweise der Goldpreis in Dollar seit Beginn des Jahres um rund 15 Prozent gestiegen ist, betrug das Plus in Euro gerechnet sogar mehr als 17 Prozent. Auf Sicht von fünf Jahren ist der Unterschied noch größer: Der Goldpreis in Dollar stieg in dieser Zeit um rund 16 Prozent, in Euro jedoch ging es mit ihm im gleichen Zeitraum um beinahe 40 Prozent nach oben.
  • Ein Problem wiederum kann der starke Dollar für Schwellenländer darstellen. Viele dieser aufstrebenden Nationen haben sich umfangreich in US-Dollar verschuldet. Steigt der Dollar-Kurs, so wird es für sie zusehends teurer, ihre Kredite abzubezahlen. Wie das "WSJ" mit Bezug auf Daten des Institute of International Finance berichtet, belaufen sich die gegenwärtig ausstehenden Dollar-Schulden von Regierungen und Unternehmen in Schwellenländern auf etwa 6,4 Billionen Dollar. Vor zehn Jahren seien es noch 2,7 Billionen gewesen, so die Zeitung, wobei sowohl damals als auch heute Darlehen in anderen Währungen noch hinzu kommen.
    Schon häufiger sorgte die US-Notenbank mit strengerer Geldpolitik für Unruhe an den Finanzmärkten von Schwellenländern - gut möglich, dass die Dollar-Stärke erneut Investoren nervös macht, die dann Gelder aus den aufstrebenden Ländern abziehen könnten.
  • Auch der Ölpreis sowie die Preise weiterer Rohstoffe gerieten zuletzt unter Druck. Gründe dafür dürften die weltweiten Konjunktursorgen sowie der Handelsstreit USA/China gewesen sein. Der Höhenflug des Dollar hat aber womöglich ebenfalls seinen Teil dazu beigetragen, denn Rohstoffe werden in der Regel in der US-Währung gehandelt und verteuern sich also gleich mit, wenn der Greenback steigt.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung