Erfolg an der Börse Universitäten sind die besseren Fondsmanager

Die Stiftungsfonds der US-Universitäten zeigen eine gute Performance, die Geldverwalter der akademischen Fonds haben sich zuletzt als die besseren Fondsmanager erwiesen. Warum eigentlich? Und was bedeutet das für  Anleger?
Von Arne Gottschalck
Harvard-Universität in Cambridge: Die Stiftungsfonds der US-Universitäten erzielten 2014 im Schnitt ein Plus von 15,5 Prozent - auch deshalb, weil sie sehr breit investieren dürfen

Harvard-Universität in Cambridge: Die Stiftungsfonds der US-Universitäten erzielten 2014 im Schnitt ein Plus von 15,5 Prozent - auch deshalb, weil sie sehr breit investieren dürfen

Foto: Darren McCollester/ Getty Images

Hamburg - Wahrheiten sind nicht immer offensichtlich, aber auch nicht immer verborgen. Manchmal erfordern sie nur etwas Lektüre. So wie im Fall der alljährlich veröffentlichten Untersuchung von Nacubo, dem Verband der Stiftungsfonds der US-Universitäten. Das Destillat dieser Untersuchung: Die Geldverwalter der akademischen Fonds schneiden im Schnitt besser ab als herkömmliche Fondsmanager.

Stiftungsfonds sind an US-Universitäten ein beliebtes Vehikel, um zum Beispiel die Spenden der Alumni zu verwalten und dafür zu sorgen, dass stetig wiederkehrende Ausgaben des Lehrbetriebs auch finanzierbar bleiben, zum Beispiel die Personalkosten. Dazu dürfen deren Manager in unterschiedliche Asset-Klassen investieren. Und das tun sie mit Erfolg.

Mit internationalen Aktien beispielsweise erzielten sie im Jahr 2014 ein Plus von 15,5 Prozent. Herkömmliche Fondsmanager schafften es damit nur auf ein Plus von 13 Prozent, zeigen die Statistiken des Bundesverband Investment und Asset Management (BVI).

Das gleiche Bild bei kurzfristig geparktem Geld. Bei den Stiftungsfonds steht ein Jahresplus von 1,9 Prozent zu Buche, bei der kommerziell tätigen Konkurrenz eines von 1,7. Noch deutlicher wird der Unterschied mit Blick auf das Gesamtergebnis, also dass, was am Ende des Jahres an Wertzuwachs erzielt wurde - egal ob mit Anleihen oder Aktien. Bei den Stiftungsfonds liegt das Plus bei 15,5 Prozent, der BVI vermeldet bei den am ehesten vergleichbaren internationalen Mischfonds ein Zuwachs von 5,5 Prozent.

Ein holzschnittartiger Verglich, keine Frage. Zum einen sind es Durchschnittswerte. Es gibt also klassische Investmentfonds, die sich mit den Stiftungsfonds ohne weiteres messen können. Und Stiftungsfonds, die nicht wirklich zu überzeugen wissen. Zum anderen haben haben die Universitätsfondsmanager drei Vorteile, die ihren gewerblichen Kollegen fehlen.

Vorteil 1: Zugriff auf alternative Anlagen

Wir wissen nicht, was Michael Douglas seinem jungen Schauspielkollegen im wahren Leben nahelegt: Doch sein "alter ego" Gordon Gekko aus dem Film "Wall Street: Money Never Sleeps" hat vor allem Geld im Sinn, egal in welchem Gewand: Hedgefonds, Private Equity, immer gern.

Wir wissen nicht, was Michael Douglas seinem jungen Schauspielkollegen im wahren Leben nahelegt: Doch sein "alter ego" Gordon Gekko aus dem Film "Wall Street: Money Never Sleeps" hat vor allem Geld im Sinn, egal in welchem Gewand: Hedgefonds, Private Equity, immer gern.

Foto: AP/ 20th Century Fox

Hedgefonds, Private Equity - was für die Verwalter der Stiftungsfonds nichts Besonderes ist, hat für herkömmliche Fondsmanager den Ruch des Exotischen. Gar nicht einmal, weil sie deren Risiken scheuten - der Gesetzgeber definiert halt klar, was beispielsweise ein Aktienfondsmanager in Europa darf. Eben vor allem europäische Aktien kaufen - nicht aber 30 Prozent Private Equity beimischen, wie es zum Beispiel die Fonds von Harvard und Yale handhaben.

Die sind in der Vergangenheit blendend damit gefahren - haben aber in der Finanzkrise erfahren müssen, dass Illiquidität nicht nur eine Prämie abwirft, sondern eben auch ein Risiko beinhaltet. Entsprechend ließen die Fonds gerade von Yale und Harvard kräftig Federn.

Vorteil 2: Geduld, nur Geduld

Stille und In sich Versenken: Yoga mag dem Einzelnen helfen, zur Ruhe zu kommen. Doch ganzen Gruppen, gerade unruhigen Gruppen wie Investoren? Die meisten Yogi dürften an deren Zappeligkeit verzweifeln

Stille und In sich Versenken: Yoga mag dem Einzelnen helfen, zur Ruhe zu kommen. Doch ganzen Gruppen, gerade unruhigen Gruppen wie Investoren? Die meisten Yogi dürften an deren Zappeligkeit verzweifeln

Foto: Getty Images

2008 lag die Haltedauer von Aktien bei 5 Jahren, inzwischen sind es eher 5 Monate. Der Anleger ist ein scheues Reh, mit solcher Poesie-Alben-Weisheit versuchen Finanzexperten zu erklären, dass Investoren bei den geringsten Unruhen davonlaufen, die Geduld verlieren.

Dass es immer weniger Privataktionäre gibt, die einen langen Atem mitbringen, weil sie beispielsweise auf ihren Ruhestand sparen wollen, dürfte die Situation weiter verschärfen.

Vorteil 3: Kein Verkaufsdruck

Alles muss raus: Unternehmen müssen verkaufen, um gewinne zu erzielen. Das ist auch in der Finanzindustrie nicht anders. Doch Verkaufsdruck und -erfolg kann den Managern das Leben schwer machen

Alles muss raus: Unternehmen müssen verkaufen, um gewinne zu erzielen. Das ist auch in der Finanzindustrie nicht anders. Doch Verkaufsdruck und -erfolg kann den Managern das Leben schwer machen

Foto: Frank May/ picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Fondsindustrie redet wenig darüber, aber selbstredend will sie ihre Produkte verkaufen. Je mehr, umso besser - zumindest für die Sales-Experten. Höhere verwaltete Volumina bedeuten auch ein höheres Gebührenaufkommen, vereinfacht gesagt. Doch was gut für die Unternehmensbilanz ist - und Assetmanager wie Henderson oder Legg Mason sind börsennotiert und müssen daher genau darüber auch Rechenschaft ablegen - ist für die Fondsmanager selbst oft ein Problem.

Entweder gleiten sie gerade gerade auf einer Welle der Popularität, dann fließt ihnen frisches Geld in Massen zu und sorgt für Turbulenzen. Denn das neue Geld muss investiert werden. Manchmal so viel, dass der anfangs bewegliche Wellenreiterfonds ein behäbiger Tanker wird. Oder aber der Fonds dümpelt in einem Wellental - doch statt dem Manager zu vertrauen, verlieren die Investoren die Geduld und zwingen den Manager, Wertpapiere aus dem Fonds zu verkaufen, um ihre Rückgabewünsche zu erfüllen. Nachhaltiges Investieren sieht anders aus. In der Finanztheorie wird daher immer wieder gefordert, Geld nach der Anlage lange ruhen zu lassen. Doch das klappt nur in der Theorie - und eben in gewissen Maßen in den Fonds der US-Universitäten.

Bilanz: "Kunden enttäuscht"

Befriedigend ist das indes nicht für die Investoren. Das räumen sogar Protagonisten der Fondsszene ein. Peter Harrison beispielsweise ist Head of Investment bei der Fondsgesellschaft Schroders und schrieb in der neusten Ausgabe des Unternehmensmagazins "Expert", die vergangenen fünf Jahre hätten viele Fondsmanager "ihre Kunden enttäuscht". Damit dürfte Harrison Recht haben. Und nicht gerade Hoffnung darauf machen, dass die Privatanleger wieder an die Börse zurückkehren. Die statistische Überlegenheit der Manager der Stiftungsfonds zum Anlass zu nehmen, der Börse fernzubleiben, wäre aber ein Fehler. Denn Aktien sind derzeit "alternativlos".

Christine Bortenlänger, Chefin des Deutschen Aktieninstituts (DAI), rechnete jüngst vor, dass die Deutschen, hätten sie seit 2001 nur jeden vierten Euro, den sie in Bankeinlagen stecken, in Aktien investiert, läge das Geldvermögen aller Deutschen heute grob geschätzt 106 Milliarden Euro höher. Pro Haushalt wären das 2600 Euro mehr. Mit ganz normalen Aktien, nicht mit unzugänglichen Stiftungsfonds. Das gleiche gilt für die herkömmlichen Aktienfonds - sie werfen weitaus mehr ab als die hierzulande so beliebten Sparbriefe. Entsprechend liegt es an den Anlegern, den Mut aufzubringen sich der Börse zu nähern. Diese Entscheidung kann ihnen selbst der beste Fondsmanager nur nicht abnehmen.

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.