Nur kein Neid Warum Erben gerecht ist

Von Gerd Maas
Nur kein Neid: Bei unzähligen vererbten Immobilien haben die Erben schon lange vor dem Erbfall bei Instandhaltung, Reparaturen und Erweiterungen mit angepackt und oft auch Geld investiert.

Nur kein Neid: Bei unzähligen vererbten Immobilien haben die Erben schon lange vor dem Erbfall bei Instandhaltung, Reparaturen und Erweiterungen mit angepackt und oft auch Geld investiert.

Foto: Corbis

Wem ist eigentlich diese pauschale Verleumdung eingefallen, dass Erben "leistungsloser Erwerb" wäre? Wer hat damit angefangen, Erbschaften einfach so als "unverdientes Vermögen" zu bezeichnen? Das ist ja eine nette Wortspielerei mit der Doppeldeutigkeit von "Verdienst", aber nur weil sich etwas leicht dahinsagen lässt, wird es nicht unbedingt wahrer.

In der politischen Auseinandersetzung ist es tatsächlich kein seltenes Phänomen, dass eingängige Sprüchlein unhinterfragt nachgeplappert werden. In der laufenden Diskussion um die Gerechtigkeit des Erbens - durch die notwendige Reform der Erbschaftssteuer in Gang gesetzt - findet sich das in besonderem Maße.

Ein paar Beispiele:

Wirklich allgegenwärtig ist dieses Diktum von der Leistungslosigkeit der Erben in Bezug auf das Erbe. Tatsächlich gibt es aber zum Beispiel wohl kaum ein Familienunternehmen, bei dem nicht alle Familienmitglieder immer wieder unentgeltlich mitanpacken müssen und schwierige Phasen im Betrieb oft erhebliche Belastungen und Verzicht im Privaten bedeuten. Gerade bei kleinen Unternehmen hängt der Erfolg vielfach mittelbar und unmittelbar vom Zutun der ganzen Familie ab, egal auf wessen Konto der "Verdienst" gebucht wird.

Gerd Maas

Gerd Maas - Jahrgang 1967, verheiratet, zwei Kinder - ist Unternehmer und Publizist und engagiert sich seit vielen Jahren beim Verband "Die Familienunternehmer ¿ ASU e.V." und beim "Bund der Steuerzahler". Als Autor und Blogger setzt sich Maas für Ludwig Erhards Idee der sozialen Marktwirtschaft ein.

Oder wie will man die Leistung bewerten, wenn bei einem großen Firmenerbe ganz selbstverständlich die Verpflichtetheit gegenüber einer entsprechend großen Belegschaft mitübertragen wird? Bei unzähligen vererbten Immobilien haben die Erben schon lange vor dem Erbfall bei Instandhaltung, Reparaturen und Erweiterungen mit angepackt und oft auch Geld investiert. Und, dem Totsagen der Familie zum Trotz, wird zahllos die Vorsorge der Erblasser mit der Fürsorge der Nachkommen am Lebensabend vergolten. Wie kann man sich erdreisten, das leistungslos zu nennen? Und selbst wenn jemand ein Vermächtnis wirklich aus heiterem Himmel bekommt: Warum sollten wir ihm in einer freien Gesellschaften sein Glück neiden?

Die Beugung der Realität durch die Wortwahl beginnt aber noch früher: Es wird stets vom Erben gesprochen, kaum vom Schenken. Denn nur durch das Ableben des Schenkers kann man den Vorgang ausschließlich als ein Einkommen des Begünstigten konstruieren. Vererben und Verschenken ist aber genau das Gleiche, nur dass beim Schenken viel deutlicher wird, dass es sich in erster Linie um eine Verfügung des Schenkers über sein Eigentum handelt, das er aus gespartem und bereits versteuertem Einkommen gebildet hat.

Aus besonders hoch versteuertem Einkommen, denn sparen kann man nur, was nach Abzug der Lebenshaltungskosten übrigbleibt; bei unserem linear-progressiven Einkommensteuertarif ist das Ersparte damit stets das mit den jeweils höchsten Grenzsteuersätzen belegte Einkommen. Da stellt sich die Frage: Was geht es den Staat an, ob ich meinen selbstgebackenen Kuchen selber esse oder mit anderen teile?

Die Urform des Eigentums ist Familienbesitz

Das wird dann gerne mit einer anderen haltlosen Behauptung gekontert: die ewig immer weiter aufklaffende Schere zwischen Arm und Reich. Einmal abgesehen davon, dass bei uns Armut relativ definiert wird, vollkommen unabhängig vom stetig steigenden Niveau der Lebensverhältnisse, stimmt das schlichtweg nicht: Die Schere klafft weder besonders auf, noch immer weiter. In Deutschland herrscht historisch und global einzigartiger Wohlstand für alle. Im Human Development Index der Vereinten Nationen nimmt Deutschland den sechsten Platz von 187 Ländern ein. Berücksichtigt man dazu noch die jeweilige Ungleichheit in den Ländern, verbessern wir uns sogar noch um einen Platz auf den fünften. Jeder kann sich bei uns seinen Kuchen selber verdienen - wenn er will.

"Kann er nicht", schallt es dann von der Erben-ist-ungerecht-Fraktion zurück. Deswegen müssten eben Erbschaften besteuert werden, um Chancengerechtigkeit herzustellen. Besser noch: Chancengleichheit. Ein Albtraum, der letztlich nur durch Zwangsverdummung zu erreichen wäre. Jedenfalls mimt man den Bildungs-Robin-Hood, schürzt die Zweckbindung von Steuern vor und behauptet, dass der Bildungserfolg vom Geldbeutel der Eltern abhängt.

Und da werden dann wieder Phrasen gedroschen. Freilich ist der Zusammenhang von materieller Ausstattung und Bildung belegt, aber Korrelation bedeutet noch lange nicht Kausalität. Tatsächlich hängt der Bildungserfolg in erster Linie von der Motivation ab, vom Lernen-Wollen. Wissensdurst, Bildungshunger und streben nach Unabhängigkeit. Wer das mitbringt, findet sicher einen erfolgreichen Weg durch unsere Ausbildungssysteme. Und gute Bildung ist hier und heute annähernd eine Garantie für Arbeit und Wohlstand.

Die Liste der hohlen Sprüche rund ums Vererben und Schenken ließe sich noch um einiges verlängern, zum Beispiel um die diffus alleserklärende "soziale Gerechtigkeit" oder die fadenscheinige Befürchtung, dass Geld den Charakter verdirbt. Diskreditiert wird mit all dem die natürliche Selbstverständlichkeit der generationenübergreifenden Vermögensbildung und Vorsorge.

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Otto, Sixt, Darboven: Die Söhne der Über-Väter

Foto: Marc M¸ller/ picture alliance / dpa

Die Urform des Eigentums ist Familienbesitz. Die Familie ist die entscheidende subsidiäre Einheit der Gesellschaft. Die Familie ist der Träger der Erhardschen sozialen Marktwirtschaft, auf dass sich jeder im Leben selbst bewährt, und der Staat sich nur darum kümmert, dass man dazu in der Lage ist. Individuelle Vermögensbildung und deren Vererben haben die Kapitalstöcke gebildet, auf denen annähernd unsere ganze Wertschöpfung baut - knapp zwei Drittel aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze sind in Familienunternehmen und auch unsere großen Kapitalgesellschaften sind ja vielfach aus Familienunternehmen hervorgegangen. Wer sollte das sonst übernehmen. Der Großteil der Bürger zeigt wenig Interesse an investiver Kapitalanlage und das Unvermögen von Staatswirtschaften hat uns die Geschichte inzwischen ausreichend gelehrt.

Der große Ökonom Frédéric Bastiat hat uns gelehrt, stets nicht nur die naheliegenden, sondern auch die nächsten und übernächsten Konsequenzen von politischem Handeln im Auge zu haben: nicht nur die Steuereinnahme, sondern auch wer mit dem Geld vielleicht das Sinnvollere anstellt.

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