Donnerstag, 22. August 2019

Regulierung des Bankensystems Warum die Politik die Rolle der Banken falsch versteht

Krisenzeit: Nach mehreren Jahrzehnten des Kreditbooms befindet sich das Finanzsystem an die Grenze des Zusammenbruchs

3. Teil: Der teuflische Zyklus mit immer niedrigeren Zinsen

Das prozyklische Verhalten der Banken führt dabei nicht nur zu einer regelmäßigen Abfolge von Booms und Krisen, sondern tendenziell zu immer größeren Krisen. Blicken auf die letzten 40 Jahre zurück, so sehen wir eine konstant steigende Verschuldung der westlichen Welt, die sich zudem ungebremst fortsetzt. Dies ist so zu erklären: Banken vergeben zunächst Kredite an solvente Schuldner mit guten Sicherheiten. Damit wächst die Geldmenge. Die Wirtschaft läuft gut, die Einkommen steigen und auch die Vermögenspreise gehen nach oben. Kommt es zu einem Abschwung, stellen die Banken fest, dass sie zu großzügig waren. Sie erleiden erste Verluste, die Sicherheiten fallen im Wert und sie halten sich mit neuen Krediten zurück.

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Hier kamen die Notenbanken ins Spiel. Diese senkten die Zinsen und gaben den Banken weitere Anreize, trotz der schlechten Umfeldbedingungen etwas mehr Kredite zu vergeben. In der Folge verbesserte sich die Wirtschaftslage, die Preise für Vermögenswerte, vor allem Immobilien, zogen wieder an. Ein weiterer Zyklus konnte beginnen, mit etwas tieferen Zinsen und auf einem bereits höheren Niveau der Vermögenswerte. Dies wiederholte sich seit 1980 regelmäßig. Wann immer eine Krise drohte, sei es nach dem Börsenkrach 1987, sei es bei der Pleite des Hedgefonds LTCM, nach der Russlandkrise, der Asienkrise und dem Platzen der New Economy Blase, hat die Notenbank den Banken geholfen und Geld zur Verfügung gestellt - und dies immer günstiger.

Für die Banken war damit eines klar: Das eigene Risiko wurde immer kleiner, weil der Lender of Last Resort, anders als von Bagehot gefordert, immer bereit zu helfen war und zwar zu günstigen Konditionen. Wir haben deshalb mit der Finanzkrise keine normale Krise im Rahmen des typischen Auf und Ab des Kreditzyklus gesehen, sondern eine Krise, die nach mehreren Jahrzehnten des Kreditbooms das Finanzsystem an die Grenze des Zusammenbruchs geführt hat.

Seither ist wenig passiert, um eine Wiederholung zu verhindern. Die Regulierung hat an viel zu geringem Eigenkapital und prozyklischem Verhalten nichts geändert, die weltweite Verschuldung wächst ungebremst weiter.

Was nötig wäre liegt auf der Hand: deutlich höhere Eigenkapitalanforderungen, echtes Konkursrisiko, Zentralbanken, die zu den Grundsätzen ordnungsgemäßer Geldpolitik zurückkehren, und ein Instrumentarium, um das prozyklische Verhalten der Banken zu verhindern. Letzteres wäre möglich, in dem man zum Beispiel in Zeiten starkem Kreditwachstums, die erforderliche Eigenkapitalhinterlegung erhöht und in Zeiten geringem Wachstums verringert.

Dafür müssten die Entscheidungsträger allerdings verstehen, wie das System funktioniert und bereit sein, es zu ändern. Zweifel an beidem sind angebracht.

Diesen Text veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung von Daniel Stelter, beyond the obvious .


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