Expertenwarnung Warum Anleger von Chinas Banken die Finger lassen sollten

Bankenwerbung in China: Investoren sollten vorsichtig sein

Bankenwerbung in China: Investoren sollten vorsichtig sein

Foto: AP/dpa

Vor 30 Jahren waren einige japanische Banken die größten der Welt nach der Bilanzsumme. Bank of Tokyo, Industrial Bank of Japan bei den kommerziellen Banken, und Wertpapierhäuser wie Nomura und Yamaichi expandierten stark, waren rings um die Welt tätig und verwiesen alle anderen konkurrierenden Institute auf die Plätze.

Erst nach den großen japanischen kommerziellen Banken kamen Institute wie die Citybank, J.P. Morgan, Chase beziehungsweise deren Vorgängerinstitute sowie die Deutsche Bank. Ja, damals lag die Deutsche Bank in der Weltspitzengruppe der Banken.

Der Hintergrund für die starke Stellung der japanischen Häuser weltweit war die schlechte Erfahrung, die Japan in der Ölkrise 1973 gemacht hatte. Damals stellte sich heraus, dass die japanische Wirtschaft zu stark von Ölimporten abhängig war. Daraufhin verordnete die Regierung eine Strategie zur Förderung der Exporte, die ganz wesentlich mit dem von den großen Banken geliehenen Geld umgesetzt wurde. In der Zeit begannen beispielsweise die großen japanischen Autofirmen mit dem Aufbau von Produktionsstätten im Ausland.

Diese schöne japanische Bankenwelt hielt dann noch drei Jahre. Angetrieben von den steigenden Bank- und Industrieaktien lief der japanische Aktienmarkt gemessen am Index Nikkei 225 bis auf 39.000 Punkte im Herbst 1989. Dann kam der große Knall, der Index steht heute, fast 27 Jahre später, bei 16.600.

Chinas Banken sind die neue Weltmacht - noch

Seit dieser Zeit hat sich der Aktienmarkt nie mehr bis an die früherer Höchststände erholt. Die japanischen Banken haben stark konsolidiert und spielen jetzt weltweit im Mittelfeld. Yamaichi ist pleite gegangen.

Heute sind die chinesischen Banken die größten der Welt. In der Spitzengruppe halten sich noch die amerikanischen Institute J.P.Morgan Chase und Citybank. die meisten anderen, einschließlich der Deutschen Bank sind weit abgeschlagen.

Die Größe der chinesischen Banken, deren Eigentümer fast immer der Staat ist, beruht ganz wesentlich auf hohen Krediten an die ebenfalls staatseigene Industrie zum Aufbau von Kapazitäten und Infrastruktur. Das Kreditwachstum in China betrug vor nicht allzu langer Zeit etwa 15 Prozent jährlich.

Zur Person

Georg Thilenius ist geschäftsführender Gesellschafter der bankunabhängigen Vermögensverwal-tungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der Kontrolle der BaFin.

In den letzten Monaten ist es jedoch auf eine Jahresrate von 25 Prozent angewachsen. Dadurch sind in der Industrie große Überkapazitäten entstanden, es wurden viele Wohnungen gebaut, die heute leer stehen, und viele Strassen, auf denen kaum Autos fahren.

Diese Überkapazitäten bringen mangelnde Rentabilität der Firmen und damit Risiken der Bedienung der Kredite mit sich.

Anleger sollten Chinas Bankaktien nicht anfassen

Bisher funktioniert der Bankenmarkt in China leidlich; von Ausfällen haben wir gelegentlich, aber nicht allzu häufig gehört. Noch ist also die Regierung als kontrollierender Aktionär der Banken und der meisten Schuldner dieser Banken Herr der Lage.

(Dass wenig neue Kapazitäten gebaut werden, ist einer der Gründe für die in den letzten Jahren stark zurückgegangenen Preise für Öl, Kupfer, Eisenerz und viele andere Rohstoffe.)

Falls einmal ein großer Schuldner ausfallen sollte, drohen auch den chinesischen Banken erhebliche Abschreibungen. Hier könnte der Vorbote für eine neue Finanzkrise liegen. Denn die Banken vieler Länder, vor allem in Europa, haben immer noch sehr geringe Kapitalquoten von 3 bis 4 Prozent der Bilanzsumme, statt der historisch vorgegebenen und betriebswirtschaftlich sinnvollen Quote von ungefähr 8 bis 10 Prozent.

Probleme im chinesischen Bankensektor werden nicht über Nacht auftauchen so wie die Pleite von Lehman Brothers im September 2008. Die Folgen der Schieflage einer oder mehrer chinesischen Banken werden auch nicht so dramatisch sein wie nach dem Untergang von Lehmann Brothers, aber es kann sehr leicht daraus eine weltweite neue Vertrauenskrise entstehen. Im Fall einer Schieflage werden als erstes die Aktienkurse der betreffenden Institute zu fallen beginnen. Einen plötzlichen Fall, wie bei den europäischen und amerikanischen Banken im Frühjahr 2008, wird die Regierung nicht zulassen. Aber ein langsamer und stetiger Fall der Bankaktien dürfte der Vorbote größerer Schwierigkeiten sein.

Wer sich wappnen möchte und Frühindikatoren für eine mögliche neue Finanzkrise rechtzeitig wahrnehmen, ist nach unserer Meinung gut beraten, die Kurse chinesischer Banken in den Blick zu nehmen. Falls sich eine deutliche Abschwächung zeigt, die über das Maß einer normalen und üblichen Korrektur an den Börsen hinausgeht, ist besondere Wachsamkeit geboten.

Falls eine solche Entwicklung auf China beschränkt bleibt, dürften sich die Auswirkungen auf den Rest der Welt und damit auch auf die anderen Aktienbörsen in engen Grenzen halten. Sollte aber eine Schwäche chinesischer Bankaktien auch amerikanische und europäische Institute anstecken, ist erhöhte Wachsamkeit geboten.

Trotz einschlägiger Empfehlungen sollten Anleger nach unserer Meinung keine chinesischen Bankaktien anfassen und vorhandene Bestände zügig abbauen. Der Blick auf die Entwicklung der japanischen Banken seit 1986 sollte Anleger zur Vorsicht mahnen.

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