Sonntag, 31. Mai 2020

Folgen des Abgasskandals VW will mehr sparen und mehr Elektroautos bauen

Porsche Mission E: Nicht nur Porsche, der ganze Volkswagen-Konzern will als eine Konsequenz des Abgasskandals mehr Elektroautos auf den Markt bringen

11.37 Uhr: Der VW-Skandal drückt Konjunkturerwartung für Deutschland: Denn Börsenprofis bewerten die Aussichten für die deutsche Wirtschaft wegen des Skandals und schwächelnder Schwellenländer schlechter. Das Barometer für ihre Konjunkturerwartungen fiel im Oktober bereits den siebten Monat in Folge - und zwar um 10,2 auf 1,9 Punkte, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mit. Ökonom Holger Sandte von Nordea sagte in einer ersten Reaktion: "Der Rückgang der ZEW-Erwartungen kommt nicht überraschend, denn die jüngsten Auftrags-, Produktions- und Exportzahlen waren schlecht. Auch 'Dieselgate' wird wohl eine Rolle spielen."

11.13 Uhr: Volkswagen will wegen der hohen Kosten für den Abgas-Skandal eine Milliarde Euro weniger pro Jahr als bislang geplant investieren - zusätzlich zu den bis 2017 geplanten fünf Milliarden Euro. Das Sparprogramm werde beschleunigt, teilte der Autokonzern mit. Zugleich kündigte VW-Markenchef Diess eine Neuausrichtung der Modellpolitik an. Dadurch sollen mehr Elektroautos und Fahrzeuge mit Plug-in-Hybridantrieb auf den Markt gebracht werden. Das Baukastensystem des Konzerns wird nun auch für Elektroautos angewendet. VW drohen wegen der Manipulation von Abgastests bei Dieselfahrzeugen Milliardenkosten.

10.15 Uhr: Die Ermittlungen der US-Anwaltskanzlei Jones Day zum VW-Abgas-Betrug werden wohl Monate andauern, sagt Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. Die Untersuchungen würden auf Beschluss des Aufsichtsrates mit hoher Akribie betrieben. "Unvermeidbar ist dabei, dass angesichts des Umfanges der Untersuchung deren Abschluss erst in einigen Monaten zu erwarten ist", sagte der SPD-Politiker im Landtag in Hannover.

9.50 Uhr: Die Krise des Mutterkonzerns VW hat offenbar eine erste konkrete Auswirkung für den Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg. Der Verein hat die Planungen für den 30 bis 40 Millionen Euro teuren Neubau des Leistungszentrums für seinen Nachwuchs vorerst gestoppt. Das berichteten übereinstimmend die "Bild" und die "Wolfsburger Nachrichten". Der neue VW-Chef Matthias Müller hatte zuvor angekündigt, angesichts der drohenden Milliardenstrafen in der Abgas-Affäre alle Investitionen des Konzerns auf den Prüfstand stellen zu wollen. Wie weit der VfL als hundertprozentige Tochter des VW-Konzerns insgesamt von den Sparmaßnahmen bei Volksagen betroffen sein wird, ist aber weiterhin nicht abzuschätzen.

VfL-Wolfsburg-Manager Klaus Allofs: Wegen des Sparkurses des Mutterkonzerns Volkswagen muss auch der Manager des Bundesligisten wohl mehr sparen und mehr Investitionen aufschieben als gedacht
Getty Images
VfL-Wolfsburg-Manager Klaus Allofs: Wegen des Sparkurses des Mutterkonzerns Volkswagen muss auch der Manager des Bundesligisten wohl mehr sparen und mehr Investitionen aufschieben als gedacht
9.00 Uhr: Investmentfonds fordern mehr Transparenz von den Autobauern weltweit. In einem Brief, den die britische Nichtregierungsorganisation ShareAction am Dienstag veröffentlichte, verlangen sie von den Herstellern, ihre Lobbyarbeit bei der Festlegung der neuen Emissionswerte in Europa und den USA offenzulegen. Zudem sollen die Autobauer öffentlich machen, wie viel Geld sie Branchenverbänden zahlen. Auch die Aktivitäten des Herstellerverbands ACEA sollten transparenter werden. Der Brief wurde von 19 Anlegern unterzeichnet, darunter AXA Investment Managers und mehrere schwedische Pensionsfonds, die ein Vermögen von umgerechnet 840 Milliarden Euro verwalten.

8.30 Uhr: VW hätte die millionenfache Manipulation der Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen viel früher eingestehen müssen, sagt Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) . "Im Herbst vergangenen Jahres stellten Wissenschaftler erstmals Abweichungen in den Schadstoffkonzentrationen zwischen Labortests und Straßentests bei VW-Dieselfahrzeugen in den Vereinigten Staaten fest", sagte Weil am Dienstag im Landtag in Hannover. Anschließend habe es mehr als ein Jahr lang Gespräche zwischen den US-Behörden und Volkswagen USA gegeben, bis VW die Manipulation eingeräumt habe. Weil: "Dieses Eingeständnis hätte klar und deutlich sehr viel früher erfolgen müssen - ein weiterer schwerer Fehler."

Leonardo DiCaprio: Filmrechte an Buch über den VW-Skandal gekauft
6.15 Uhr: Der VW-Skandal kommt in die Kinos. Paramount Pictures und die Produktionsfirma von Schauspieler Leonardo DiCaprio hätten die Filmrechte eines geplanten Buches des "New York Times"-Journalisten Jack Ewing gekauft, teilten das Studio und die New Yorker Literaturagentur Marly Rusoff mit. Demnach ist noch unklar, welche Schauspieler und Regisseure an dem Projekt arbeiten werden. DiCaprio war Hauptdarsteller und Produzent des Films "The Wolf of Wall Street", in dem er einen Börsenmakler spielt. Der Star engagiert sich auch für den Umweltschutz.

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  • VW will einem Zeitungsbericht zufolge rund drei Milliarden Euro bei seinen Zulieferern einsparen. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Firmenkreise. Dem Bericht zufolge könnten auf Volkswagen gut 40 Milliarden Euro an Strafzahlungen und Schadensersatzforderungen zukommen. Einen Teil der Summe wolle der Autokonzern durch ein zusätzliches Sparprogramm realisieren. Ein großer deutscher Zulieferer habe der Zeitung gesagt, dass VW "deutlich mehr Effizienz einfordere". Wie das "Handelsblatt" weiter berichtet, sollten beim Topmanagement die Leistungskomponenten des Entgelts sinken, rund 115.000 nach Haustarifvertrag bezahlte Mitarbeiter müssten sich wohl auf eine geringere Ergebnisbeteiligung einstellen. Kürzungen solle es auch bei Marketing, Sponsoringaktivitäten und der Modellvielfalt geben.

  • Volkswagens Großbritannien-Chef hat im britischen Unterhaus "ehrlich und uneingeschränkt" für die Manipulationen bei Abgaswerten um Verzeihung gebeten. Der Autobauer habe seine Kunden und die breite Öffentlichkeit enttäuscht, sagte Paul Willis am Montagabend vor dem Verkehrsausschuss. "Wir werden alles Notwendige tun, um Vertrauen zurückzugewinnen." In Großbritannien sind 1,2 Millionen Diesel-Fahrzeuge von den Abgastest-Manipulationen betroffen, bei denen Motoren vom Typ EA 189 mit einer Software ausgestattet wurden, die Angaben zu den Emissionen manipuliert. Nachdem er erfahren habe, welche Modelle betroffen seien, habe er deren Verkauf umgehend gestoppt, sagte Willis. Allerdings seien noch mehr als 1000 Autos verkauft worden, nachdem bereits klar gewesen sei, dass auch Europa betroffen ist. Ohne Angaben zu den Modellen habe er zunächst nicht handeln können, verteidigte der Manager sich vor den Abgeordneten. Bei etwa 400.000 Fahrzeuge müsse die Dieseleinspritzung geändert werden, bei den anderen zwei Dritteln genüge ein Eingriff in die Software. Das Testverfahren für den Abgasausstoß bezeichnete Willis als "altmodisch und unzweckmäßig", jedoch bestehe kein Zweifel daran, dass Volkswagen mit der Situation falsch umgegangen sei.

6 Uhr: Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser. Schön, dass wieder Sie bei uns sind. Lesen Sie erst eine kurze Zusammenfassung der Top-VW-News der Nacht, dann geht es wie gewohnt weiter im Newsblog zur Abgasaffäre.

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