Sonntag, 31. Mai 2020

Folgen des Abgasskandals VW will mehr sparen und mehr Elektroautos bauen

Porsche Mission E: Nicht nur Porsche, der ganze Volkswagen-Konzern will als eine Konsequenz des Abgasskandals mehr Elektroautos auf den Markt bringen

2. Teil: VfL Wolfsburg sichert sich Sponsoring-Millionen - aber nicht von VW

16.30 Uhr: Die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat am Montag die Kreditwürdigkeit von Volkswagen um eine Stufe auf "A-" gesenkt. Zudem drohte das Institut den Wolfsburgern mit weiteren Verschlechterungen. Das Rating könne um bis zu zwei weitere Stufen gesenkt werden, hieß es in einer Mitteilung. Damit droht Volkswagen ein Abrutschen seiner Kreditwürdigkeit in die untere Mittelmäßigkeit. Volkswagen habe im Skandal um manipulierende Abgas-Software Mängel im Management, der Unternehmensführung und bei der Bewältigung von Risiken gezeigt, hieß es in der Mitteilung weiter.

VW Touran: Produktionsprobleme laut JPMorgan ohne allzu große Bedeutung
15.23 Uhr: Die US-Bank JPMorgan misst den Produktionsproblemen beim neuen "Touran"-Modell keine allzu große Bedeutung bei. Das Fahrzeug werde auf einer bestehenden und funktionierenden Plattform produziert, schrieb JPMorgan-Analyst Jose Asumendi in einer Studie. Weiter heißt es darin: Dass VW die Zertifizierung von US-Modellen verschoben habe, sei eine Vorsichtsmaßnahme. Der Konzern wolle zunächst die Rückrufaktion handhaben und das Kundenvertrauen zurückzugewinnen. Auch könnte VW seine Dieselstrategie in Nordamerika komplett überdenken, da diese Technologie dort nicht populär sei. Die Einstufung der Vorzugsaktie beließ der Analyst bei "Neutral".

15 Uhr: Die Grünen verlangen wegen des Abgasskandals auch Aufklärung über die VW-Diesel-Limousinen im Fuhrpark des Bundestags. Parlamentspräsident Norbert Lammert solle mitteilen, von wie vielen betroffenen Fahrzeugen seine Verwaltung ausgehe, forderte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer. Wissen wollen die Grünen auch, ob der Bundestag oder der Dienstleister des Fuhrparks bereits Kontakt zum VW-Konzern aufgenommen haben. Da der Bundestag bei Gesundheit und Umweltschutz vorangehen sollte, wäre eine genauere Betrachtung wünschenswert, argumentierte Krischer in einem Schreiben an Lammert. Die Bundestagsabgeordneten haben keine persönlichen Dienstwagen. Ihnen steht aber ein Fahrdienst zur Verfügung. In der Wagenflotte sind laut Grünen-Fraktion auch viele Diesel-Modelle der Marken Audi und Volkswagen.

14.32 Uhr: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sieht wegen des Abgasskandals bislang "keine ernsthaften Risiken" für den Landeshaushalt. Das sagte Weil der dpa in Hannover. Am Dienstag will Weil den Landtag über die aktuellen Entwicklungen unterrichten. Das Land ist - zum überwiegenden Teil mittelbar über die Hannoversche Beteiligungsgesellschaft (HanBG) - mit knapp 60 Millionen Stammaktien am Grundkapital der Volkswagen AG beteiligt. Weil: "Die aktuellen Kursverluste haben keine direkten Auswirkungen auf die HanBG oder den Landeshaushalt; ein Verkauf der Aktien steht nicht an, damit erfolgt keine Realisierung der aktuellen Verluste am Aktienmarkt." Über die noch unklare Dividendenauszahlung könnte das Land aber dennoch "mittelbar" finanziell betroffen sein, wie Weil betonte. Die Einnahmen aus der Volkswagen-Dividende machen den wesentlichen Ertragsblock der HanBG aus. Für das Rekordjahr 2014 konnte das Land im Frühjahr gut 283 Millionen Euro Dividende für sich verbuchen.

Skoda Octavia: Im September hat die VW-Tochter trotz Skandal in Deutschland mehr verkauft - weltweit sind die Zahlen aber rückläufig
13.50 Uhr: Der Abgasskandal belastet die tschechische VW-Tochter Skoda auf dem deutschen Markt vorerst nicht. Wie das Unternehmen mitteilt, erhöhte sich die Zahl der Auslieferungen im September gegenüber Vorjahr um 7,7 Prozent auf 15.300 Fahrzeuge. Die Manipulationen bei Abgaswerten waren allerdings erst Mitte September bekanntgeworden. Weltweit sank der Skoda-Absatz um 2,1 Prozent auf weltweit 93.600 Autos. Dies lag an Rückgängen vor allem in China, Russland und Osteuropa. Bei Skoda sind insgesamt 1,2 Millionen Fahrzeugen von dem Abgasskandal betroffen.

Klaus Allofs (r., mit VfL-Trainer Dieter Hecking und Kevin de Bruyne, v.l.): "Man wird weiter investieren müssen, wenn man erfolgreich sein will"
11.40 Uhr: Wenn VW wegen möglicher Strafzahlungen auch seine Fußball-Sponsorings auf den Prüfstand stellt, wäre unter anderem der VfL Wolfsburg betroffen. Laut "Kicker" hat der Bundesligist gerade rechtzeitig einen 80-Millionen-Euro-Deal mit Nike perfekt gemacht. Der Sportartikelhersteller aus den USA soll als offizieller Ausrüster zehn Jahre lang rund acht Millionen Euro pro Saison zahlen. Das Geld könnte der DFB-Pokalsieger gut gebrauchen, auch wenn die genauen Folgen der VW-Krise für den Klub noch nicht abzuschätzen sind. "Man wird weiter investieren müssen, wenn man erfolgreich sein will", sagte VfL-Manager Klaus Allofs.

9.45 Uhr: In einem festen Marktumfeld erholt sich auch die VW-Aktie Börsen-Chart zeigen: Das Papier legt 1,1 Prozent zu auf gut 108 Euro.

Rückruf in China: Im Reich der Mitte werden nur wenige Diesel-Fahrzeuge verkauft, Behörden starten dennoch eine Untersuchung
8.40 Uhr: Der Abgasskandal bei Volkswagen ruft nun auch die chinesischen Behörden auf den Plan. Die Qualitätsaufsicht AQSIQ äußerte sich am Montag "höchst besorgt" über die Software in VW-Dieselautos, mit der Abgaswerte bei Tests manipuliert wurden. Sie kündigte zugleich geeignete Maßnahmen an, ohne dies näher zu erläutern. Laut AQSIQ wird Volkswagen 1950 importierte Fahrzeuge in China zurückrufen. Vor allem handele es sich dabei um Wagen vom Typ Tiguan. Zugleich gab das chinesische Umweltministerium bekannt, es werde eine Untersuchung von VW-Fahrzeugen starten. Auch hierzu wurden keine Einzelheiten genannt. China ist zwar der weltweit größte Automarkt, aber es werden dort nur sehr wenige Diesel-Pkw verkauft.

TOP-VW-NEWS DER NACHT +++ TOP-VW-NEWS DER NACHT +++ TOP-VW-NEWS ...

  • Laut "Süddeutscher Zeitung", WDR und NDR steigt der Druck auf Ex-VW-Chef Martin Winterkorn, alle Ämter bei VW niederzulegen.
  • Ein Ultimatum der kalifornischen Umweltbehörde CARB setzt VW unter Zeitdruck. CARB-Chefin Mary Nichols sagte dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland", VW habe bis zum 20. November Zeit, um einen Plan zur Nachrüstung der von Manipulationen betroffenen Diesel-Autos vorzustellen. Sie erwägt offenbar, notfalls Fahrzeuge der Wolfsburger aus dem Verkehr zu ziehen: "Wenn es keine technische Lösung gibt, drohen die Stilllegung und zivilrechtliche Auseinandersetzungen mit Kunden." Nichols kündigte auch Testergebnisse zu Dieselmodellen anderer Hersteller an.
  • Post-Chef Frank Appel fordert "volle Transparenz" von VW. Wie der Manager der "SZ" sagte, kommen von den rund 90.000 firmeneigenen Fahrzeugen etwa 20.000 von Volkswagen. Es müsse einen Maßnahmenplan geben, "um nachzubessern oder umzurüsten". Die Ereignisse bei VW bezeichnete Appel als "natürlich nicht schön". Allerdings glaube er nicht, dass die gesamte deutsche Wirtschaft - wie von einigen Kritikern befürchtet - durch die Affäre um gefälschte Messwerte bei Dieselmotoren aus dem Volkswagen-Konzern Schaden nehme.

  • Die Europäische Investitionsbank (EIB) prüft, von VW Kredite zurückzufordern. Nicht nur Millionen von Autokäufern seien "getäuscht und geschädigt" worden, sagte der Chef des EU-Förderinstituts, Werner Hoyer, der "Süddeutschen Zeitung". "Auch die EIB könnte geschädigt worden sein, weil wir mit unseren Krediten bestimmte Klimaziele verfolgen müssen." Hoyer kündigte "sehr genaue Untersuchungen" an und fügte hinzu: Vorbehaltlich des Ergebnisses "werden wir uns die Frage stellen müssen, ob wir Kredite zurückfordern müssen, sollten sie zweckentfremdet worden sein". Die EIB hat der Zeitung zufolge Volkswagen seit 1990 rund 4,6 Milliarden Euro an günstigen Krediten gewährt. Damit sollten unter anderem die Entwicklung sauberer Motoren vorangetrieben werden. Rund 1,8 Milliarden Euro davon sind demnach noch offen, also zurückzuzahlen.
  • Zusätzlich zur Aufarbeitung der Abgas-Affäre hat Volkswagen einem Bericht zufolge mit einer stockenden Fertigung am Stammsitz Wolfsburg alle Hände voll zu tun. "Die Produktion ist zu komplex, die Vielfalt der Fahrzeugvarianten zu hoch", zitierte die "Welt am Sonntag" einen Insider aus dem Konzern.
  • Bisher hat sich das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zum Abgas-Skandal bei VW öffentlich zurückgehalten - drei Wochen nach dem Beginn der Affäre weist sein Chef Ekhard Zinke nun Vorwürfe der Mitverantwortung zurück. Die Behörde habe von den Manipulationen bei Millionen Dieselwagen nichts wissen können, sagte Zinke dem "Flensburger Tageblatt". Es liefen nun auch Tests für Modelle anderer Hersteller, erklärte Zinke der Zeitung. Dabei kämen auch Untersuchungen im normalen Fahrbetrieb auf der Straße zum Zuge.
  • Nach Meinung von Bundespräsident Joachim Gauck belastet der VW-Skandal den guten Ruf Deutschlands nicht - zumindest nicht in Südkorea. "Ich konnte keine Einschränkung des Bildes von Deutschland aus koreanischer Sicht wahrnehmen, und dafür bin ich natürlich dankbar", sagte Gauck nach einem Treffen mit der südkoreanischen Präsidentin Park Geun Hye in Seoul. Gauck schränkte aber ein, er wisse nicht, ob es die koreanische Höflichkeit gewesen sei, die es seiner Gastgeberin verboten habe, das Thema anzusprechen.

8 Uhr: Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser. Schön, dass wieder Sie bei uns sind. Lesen Sie erst eine kurze Zusammenfassung der Top-VW-News der Nacht, dann geht es wie gewohnt weiter im Newsblog zur Abgasaffäre.

ts mit Nachrichtenagenturen

Seite 2 von 2

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung