Dienstag, 26. Mai 2020

Ermittler durchsuchen Zentrale und Pariser Büros Razzia bei VW in Frankreich

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DPA

Im Zuge des Abgasskandals haben Ermittler die VW-Zentrale in Frankreich durchsucht. Das bestätigte eine Konzernsprecherin der dpa. Zuvor hatte die Zeitung "Journal du Dimanche" unter Berufung auf die französische Staatsanwaltschaft von der Razzia berichtet. Demnach hätten sich die Ermittler auch Zugang zu VW-Büros in Roissy im Norden von Paris verschafft.

Laut Staatsanwaltschaft wurden Computer und Dokumente aus den Räumen der VW-Zentrale mitgenommen. Das bestätigte die VW-Sprecherin allerdings nicht. Der Konzern habe "in vollständiger Transparenz mit der Polizei kooperiert", sagte sie. Dem Bericht zufolge fanden die Durchsuchungen bereits am Freitag statt. In der Frankreich-Zentrale von VW in Villers-Cotterêts im Département Aisne in der Nähe von Paris sind rund 700 Menschen beschäftigt.

In der vergangenen Woche hatte es wegen des Abgasskandals bereits eine groß angelegte Razzia in Wolfsburg und an anderen Orten gegeben. Ermittler stellten nach Angaben der Staatsanwaltschaft Braunschweig Akten und Computer sicher. Es seien sowohl Geschäftsgebäude des Konzerns als auch Wohnungen von VW-Mitarbeitern durchsucht worden, hieß es.

Auch in Italien schlugen die Behörden zu. Betroffen waren Räumlichkeiten am VW-Hauptsitz in Verona und bei der Tochter Lamborghini in Bologna, wie ein Sprecher der Finanzpolizei in Verona gesagt hatte.

Volkswagen hatte im September eingeräumt, bei Umwelttests von Dieselfahrzeugen in den USA die Abgaswerte manipuliert zu haben. Durch eine entsprechende Software wurde bei den Tests ein niedrigerer Schadstoffausstoß gemessen als im Normalbetrieb. Die Software wurde weltweit in 11 Millionen Dieselfahrzeuge eingebaut, in Frankreich sind etwa 1 Million VWs betroffen. Europaweit will der Konzern insgesamt 8,5 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten zurückrufen. In Deutschland hat das Kraftfahrt-Bundesamt den Rückruf zwingend angeordnet.

Wie die Behörde zuletzt in einem Schreiben an Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) mitteilte, handelt es sich bei der Manipulations-Software um eine unzulässige Abschalteinrichtung. Laut Dobrindt hat Volkswagen somit gegen EU-Recht verstoßen.

Der neue VW-Chef Matthias Müller hatte vergangenen Donnerstag in Leipzig gut 400 Topmanager von VW auf den weiteren Kurs im Abgasskandal eingestimmt. Müllers Vorgänger im Amt, Martin Winterkorn, gab am Samstag auch den Vorsitz der Porsche SE ab. Die Holding ist größter Anteilseigner an Volkswagen.

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ts/dpa-afx/AFP

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