Märkte blicken auf die Fed Darum wird die US-Notenbank ihre Zinsen heute nicht erhöhen

Fed-Chefin Yellen: Am Mittwoch keine Zinserhöhung

Fed-Chefin Yellen: Am Mittwoch keine Zinserhöhung

Foto: WIN MCNAMEE/ AFP

Unmittelbar vor der US-Wahl kommt am Mittwoch noch einmal der Offenmarktausschuss der US-Notenbank Federal Reserve zusammen, um über eine mögliche Erhöhung der Leitzinsen zu entscheiden. Nachdem die Fed im Dezember 2015 die Zinswende mit einem ersten Schritt begonnen hatte, warten die Märkte auf die Fortsetzung. Doch die blieb bislang aus. Eine leichte Zinserhöhung am Mittwoch ist zwar nicht ausgeschlossen. Sie erscheint jedoch höchst unwahrscheinlich. Hier sind die wichtigsten Gründe dafür:

Keine Einmischung in den Wahlkampf

Die Arbeit der US-Notenbank, dass wird Fed-Chefin Janet Yellen nicht müde zu betonen, ist zwar unabhängig von der Politik. Dennoch werden sich die Zentralbanker hüten, eine Entscheidung zu treffen, die den laufenden Wahlkampf in seiner Endphase in die eine oder andere Richtung beeinflussen könnte.

Vor allem Donald Trump hat die Fed in der Vergangenheit wegen ihrer starken Niedrigzinspolitik scharf kritisiert. Dafür musste der Kandidat der Republikaner mitunter selbst Kritik einstecken, weil er Beobachtern zufolge mit seinen Äußerungen die Unabhängigkeit der Fed in Frage stellte.

Würde die Notenbank nun, so kurz vor dem Wahltermin, an der Zinsschraube drehen, so hätte Trump erneut Anlass, sich zur Geldpolitik zu äußern. Das dürfte kaum im Interesse der Notenbanker liegen.

Die Fed hasst Überraschungen

Ein wichtiges Element der Geldpolitik ist stets deren Verlässlichkeit und weitgehende Berechenbarkeit. Deshalb sind die Notenbanker meist bemüht, ihre schritt bereits möglichst früh anzudeuten oder gar anzukündigen und eine möglichst große Kontinuität in ihr Handeln zu bringen.

Der Grund: Überraschungen führen häufig zu Verunsicherung und Unruhen an den Märkten. Beides liegt nicht im Interesse der Fed.

In der aktuellen Situation bedeutet das vermutlich: Die Märkte erwarten keine Zinserhöhung im November, also wird es auch keine geben. Laut US-Sender CNN liegt die Wahrscheinlichkeit, mit der die Wall Street einen Zinsschritt am heutigen Mittwoch erwartet, bei 7 Prozent.

Keine Pressekonferenz geplant

Ebenfalls aus Gründen der Verlässlichkeit und Berechenbarkeit zieht es die Fed in aller Regel vor, Zinsschritte unmittelbar im Anschluss an die Entscheidung gegenüber der Öffentlichkeit zu erläutern. Deshalb gibt es nach solchen Entscheidungen stets Pressekonferenzen, auf denen sich der jeweilige Fed-Chef oder die Fed-Chefin äußert.

Nach der Fed-Sitzung am heutigen Mittwoch steht jedoch keine solche Pressekonferenz auf dem Programm. Beobachter werten auch dies als sicheres Indiz dafür, dass es keine Zinserhöhung geben wird.

Alle Augen auf Dezember

US-Medien zufolge erwarten momentan 70 Prozent der Investoren die nächste Zinserhöhung im Dezember. Als Gründe dafür gelten: Die US-Wahl ist dann vorüber und es sind nach ihr bereits einige Wochen ins Land gegangen. Zudem ist für die Fed-Sitzung im Dezember bereits eine Pressekonferenz anberaumt. Und: Die Fed hat noch einige Wochen mehr Zeit, sich den Zustand der US-Wirtschaft anzuschauen.

Auf der anderen Seite ist der Dezember aber auch der letzte Termin, an dem die Fed die Zinsen in diesem Jahr noch erhöhen kann. Tut sie es nicht, so droht ihre Glaubwürdigkeit zu leiden. Denn zu Beginn des Jahres hatte die Fed ursprünglich vier Zinsschritte für 2016 in Aussicht gestellt. Diese Zahl wurde bereits auf eins korrigiert. Dieser Schritt muss nun aber auch kommen, wenn die Fed gegenüber den Märkten glaubwürdig bleiben will.

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