Konsum US-Bürger konsumieren erstmals seit einem Jahr weniger

Dämpfer für die US-Konjunktur: Die US-Verbraucher haben im April zum ersten Mal seit einem Jahr weniger konsumiert. Zudem ging die Wirtschaftsleistung der USA wegen des strengen Winters erstmals seit drei Jahren zurück.
Shoppen auf der Fifth Avenue: Auf die Touristen ist Verlass - doch landesweit ging der Konsum leicht zurück

Shoppen auf der Fifth Avenue: Auf die Touristen ist Verlass - doch landesweit ging der Konsum leicht zurück

Foto: © Brendan McDermid / Reuters/ REUTERS

Washington - Die Ausgaben der US-Verbraucher fielen überraschend um 0,1 Prozent zum Vormonat, wie das Handelsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Ökonomen hatten mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet. Im März gab es mit revidiert 1,0 Prozent noch das stärkste Wachstum seit August 2009. Der Konsum macht 70 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der weltgrößten Volkswirtschaft aus.

Auch im Mai dürften sich die Verbraucher eher zurückhalten. Das Barometer von Thomson Reuters und der Universität Michigan für das Verbrauchervertrauen sank nach endgültigen Daten auf 81,9 Punkte von 84,1 Zählern im April. Ökonomen hatten mit 82,5 Zählern gerechnet.

"Hauptsorge der Verbraucher sind die eher düsteren Aussichten auf wachsende Löhne", sagte Umfrageleiter Richard Curtin. Die Einkommen legten im April um 0,3 Prozent zum Vormonat zu. Die Sparquote - die den Anteil am verfügbaren Einkommen angibt, der beiseitegelegt wird - stieg auf 4,0 von 3,6 Prozent.

Trotz des Rückschlags sehen Ökonomen angesichts des sich erholenden Arbeitsmarktes gute Chancen auf ein robustes Konsumwachstum im Frühjahresquartal. "Ich würde den Rückgang deshalb nicht überbewerten", sagte Annalisa Piazza von Newedge Strategies. Die Arbeitslosenquote liegt auf dem tiefsten Stand September 2008.

US-Wirtschaft schrumpft erstmals seit drei Jahren

Bereits am Vortag hatten Konjunkturdaten für Ernüchterung gesorgt. Die amerikanische Wirtschaft ist zum Jahresstart erstmals seit drei Jahren geschrumpft. Wie das Handelsministeriums in einer zweiten Schätzung mitteilte, ging die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal um 1,0 Prozent zurück.

Der Wert ist allerdings auf das Jahr hochgerechnet, weshalb er nicht mit entsprechenden Zahlen aus Europa vergleichbar ist. Ende April hatte das Ministerium noch ein leichtes Wachstum von 0,1 Prozent, also knapp über Stagnation, ermittelt.

Bankvolkswirte hatten wegen des ungewöhnlich kalten Winters mit einem Wachstumseinbruch gerechnet. Allerdings wurde ein nur halb so starker Rückgang um 0,5 Prozent erwartet. Zugleich gehen die meisten Beobachter davon aus, dass der Einbruch im zweiten Quartal aufgeholt wird. An den Finanzmärkten scheint dies ähnlich gesehen zu werden, dort fiel die erste Reaktion auf die neuen Zahlen vergleichsweise gelassen aus.

Mit Abstand am stärksten wurde die Wirtschaft zum Jahresstart belastet, weil die Unternehmen deutlich weniger auf Vorrat produzierten. Allein der geringere Lageraufbau kostete mehr als eineinhalb Prozentpunkte an Wachstum. Belastet wurde die Konjunktur auch vom Außenhandel, weil die Ausfuhren zurückgingen und die Importe leicht stiegen. Die Investitionen der Unternehmen und die Bauausgaben waren ebenfalls rückläufig.

Ob der schwache Jahresauftakt Auswirkungen auf die Geldpolitik der US-Notenbank Fed hat, dürfte vor allem davon abhängen, inwieweit der Konjunktureinbruch im zweiten Quartal wettgemacht wird. In diesem Fall dürfte die Federal Reserve ihre Konjunkturhilfen weiter verringern und vermutlich im Spätherbst komplett einstellen. Zinsanhebungen werden ohnehin erst im kommenden Jahr erwartet.

la/reuters
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