Mittwoch, 13. November 2019

Erneut Milliardenverlust im Quartal Uber geht unter

Uber-Chef Dara Khosrowshahi beim Börsengang im Mai 2019: 33 Prozent Wertverlust binnen 6 Monaten

Ein erneuter Milliardenverlust verschreckt Anleger des einst hoch gehandelten Fahrdienstes Uber. Die Aktien des Fahrdienst-Vermittlers verloren im frühen US-Geschäft zeitweise 8 Prozent an Wert und fielen unter die Marke von 29 Dollar. Die Aktie war im Mai zu einem Preis von 45 Dollar an die Börse gebracht worden - Anleger der ersten Stunde haben also binnen weniger Monate rund ein Drittel ihres Kapitals eingebüßt. In einem Aktienjahr mit allgemein steigenden Indizes und einigen höchst erfolgreichen Börsengängen gilt der Börsengang von Uber als einer der größten Flops des Aktienjahres.

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Der Fehlbetrag von Uber sei zwar nicht so groß wie im Vorquartal, aber höher als befürchtet, sagt Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Er halte Uber immer noch für überbewertet. "Schließlich hat das Unternehmen bislang noch keinen Gewinn gemacht und wird es bei einer Fortsetzung des aktuellen Trends wohl auch niemals tun."

Uber hat im dritten Quartal zwar starke Geschäftszuwächse verbucht, aber erneut einen großen Verlust gemacht. Unterm Strich ergab sich in den drei Monaten bis Ende September ein Minus von 1,2 Milliarden Dollar (1,1 Mrd Euro), wie Uber am Montag nach US-Börsenschluss in San Francisco mitteilte. Vor einem Jahr hatte der Fehlbetrag 986 Millionen Dollar betragen. Der Umsatz kletterte indes um 30 Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar.

Uber investiert massiv, um Fahrgäste im scharfen Wettbewerb mit Rivalen wie dem kleineren Konkurrenten Lyft etwa mit Promo-Aktionen und Sonderangeboten bei der Stange zu halten. Zudem gibt die Firma viel Geld für neuere Angebote wie den Lieferdienst Uber Eats aus. Ubers Kosten stiegen im jüngsten Quartal im Jahresvergleich um fast ein Drittel auf 4,9 Milliarden Dollar. Anleger reagierten negativ auf die Zahlen, die Aktie fiel nachbörslich um über fünf Prozent.

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Uber konnte die Erwartungen der meisten Analysten zwar beim Nettoergebnis und beim Umsatz übertreffen. Doch die an der Wall Street stark beachtete Entwicklung des operativen Geschäfts sorgte bei Anlegern für große Enttäuschung. Die Anzahl der monatlich aktiven Nutzer - die sowohl Fahrgäste als auch jene Kunden umfasst, die über Uber Essen bestellen - legte lediglich um 26 Prozent auf 103 Millionen zu. Hier hatten Experten mit deutlich mehr gerechnet.

Auch das gesamte Buchungsvolumen - Ubers Einnahmen vor Abzug des Anteils für Fahrer sowie Gebühren und Rabatten - blieb mit einem Zuwachs um 29 Prozent auf 16,5 Milliarden Dollar unter den Prognosen. Da beeindruckte es Investoren zunächst wenig, dass Uber-Chef Dara Khosrowshahi in der obligatorischen Konferenzschalte nach Vorlage der Quartalsbilanz mehr Kostenkontrolle versprach und einen bereinigten Gewinn für das Jahr 2021 in Aussicht stellte.

Seit Ubers unglücklichem Börsengang, bei dem das Unternehmen im Mai letztlich deutlich niedriger als erhofft bewertet wurde, ist der Aktienkurs um mehr als 30 Prozent gesunken. Dass sich der kurz zuvor an die Börse gegangene Wettbewerber Lyft ähnlich schwer tut, ist da ein schwacher Trost. Lyft meldete am vergangenen Mittwoch einen verglichen mit dem Vorjahreswert deutlich höheren Verlust von 463,5 Millionen Dollar (415,6 Mio Euro) für das dritte Quartal.

luk, la, mit Agenturen

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