Samstag, 21. September 2019

Türkischer Präsident Erdogan unter Druck Lira fällt immer weiter - Finanzministerium wiegelt ab

Recep Tayyip Erdogan will die Notenbank stärker kontrollieren - und setzt damit die Lira weiter unter Druck

2. Teil: Abwertung könnte auch türkische Banken in Bedrängnis bringen

Börsenexperten befürchten, dass der Währungsverfall die Banken am Bosporus immer mehr in Bedrängnis bringen könnte. Die rasante Abwertung der Lira droht die Kapitalpuffer der Banken aufzuzehren. Sollte der Dollar auf 7,10 Lira steigen, hätten die Institute keinerlei Sicherheitspolster mehr, warnten die Experten der US-Investmentbank Goldman Sachs bereits vor einigen Tagen. Seit Jahresbeginn wertete der Dollar gegenüber der Lira um rund 43 Prozent auf.

Auf den wackligsten Beinen stehe Yapi Kredi Bankasi, betonten die Goldman-Analysten. Durch den Lira-Verfall der vergangenen Wochen sei der Effekt der umgerechnet rund 800 Millionen Euro schweren Kapitalerhöhung vom Frühjahr wieder verpufft. Die Konkurrenten Garanti Bankasi und Akbank stünden im Vergleich etwas besser da.

"Die kurzzeitige Zwischen-Erholung der Lira sollte man nicht überbewerten", kommentierte Lutz Karpowitz von der Commerzbank. "In Krisenphasen ist kaum noch eine kontinuierliche Preisfeststellung gewährleistet." "Die Anfälligkeit, mit der die Lira auf negative Nachrichten reagiert, zeigt, dass das Vertrauen ausländischer Kapitalgeber in das Land schwindet", sagte Wolfgang Kiener von der BayernLB.

Hohes Leistungsbilanzdefizit der Türkei - doch die Notenbank hält still

Karpowitz erwartet vielmehr, dass die Krise der Lira erst richtig los geht. Sie dürfte der türkischen Volkswirtschaft und Gesellschaft "weh tun". Er verwies auf das "exorbitante Leistungsbilanzdefizit" der Türkei. Verantwortlich sei die Notenbank, die trotz der hohen Inflation ihre Leitzinsen nicht anhebe. Präsident Erdogan, der die Notenbank stärker kontrollieren will, hat sich wiederholt gegen höhere Zinsen ausgesprochen.

Seit Wochen befindet sich der Kurs der türkischen Lira im Abwärtstrend. Nachdem Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan klar gemacht hatte, die türkische Notenbank stärker unter seine Fittiche zu nehmen, hatten zuletzt Sanktionen der USA den Kurssturz der Lira beschleunigt.

Derweil klettert die Rendite für türkische Staatsanleihen auf ein Rekordhoch. Zehnjährige Staatspapiere wurden am Dienstag mit einer Rendite von bis zu 20,09 Prozent gehandelt. Je höher Renditen sind, desto stärker sind Titel mit Unsicherheiten behaftet und ein größeres Risiko für Anleger.

Ökonomen zufolge sind Zinsanhebungen in der Türkei nötig, um gegen die Rekordschwäche der Lira sowie gegen die galoppierende Inflation anzukämpfen. Dennoch ist Staatschef Recep Tayyip Erdogan strikt gegen hohe Zinsen, weil er einen Dämpfer für die Wirtschaft fürchtet.

la, mg/dpa/reuters

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