Prognose der Deutschen Bank Trump schickt Euro unter die Ein-Dollar-Marke

Deutsche Bank-Niederlassung an der Wall Street: Das Geldhaus ist pessimistisch in Bezug auf den Euro

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Die Germany-Connection des neuen US-Präsidenten: Diese deutschen Wirtschaftsbosse sind (oder waren) Donald Trump verbunden

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Amerika will er wieder großartig machen - und beim US-Dollar  ist ihm das bereits ein Stück weit gelungen: Seit Donald Trump die Wahl gewonnen hat, ist der Greenback erheblich im Wert gestiegen. Andere Währungen hatten im Umkehrschluss zu leiden. Das gilt auch für den Euro , der gegenüber dem Dollar seit der US-Wahl um beinahe 4 Prozent gefallen ist. Ein Euro ist nun nur noch 1,07 Dollar wert, so wenig, wie seit Ende 2015 nicht mehr.

Geht es nach einigen Fachleuten, so ist das Ende der Fahnenstange damit noch längst nicht erreicht. Laut Nachrichtenagentur Bloomberg sehen Währungshändler derzeit eine 43-prozentige Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Euro weiter unter Druck bleiben und innerhalb eines Jahres bis auf die Parität zum Dollar fallen wird. Sprich: Ein Euro wäre dann genauso viel wert wie ein Dollar. Noch vor einer Woche wurde diese Wahrscheinlichkeit von den Tradern nur halb so hoch eingeschätzt.

Die Analysten von der Deutschen Bank - immerhin der viertgrößte Devisenhändler weltweit - gehen sogar noch einen Schritt weiter: Sie erwarten, dass die Parität nur ein Zwischenstopp sein wird, und dass der Euro im kommenden Jahr sogar unter die Marke von einem Dollar fallen wird. Ende 2017, so die Deutsche Bank, werde ein Euro nur noch 95 Dollar-Cent wert sein.

Damit flammt eine alte Diskussion wieder auf: Bereits 2015 war der Euro nahe an die Ein-Dollar-Marke gerückt und hatte eine Parität in Sichtweite gerückt. Als jedoch die US-Notenbank Fed mit ihren Zinserhöhungen ins Stocken geriet, bekam auch der Euro wieder etwas Luft.

Wechselkurs Euro/Dollar: Nach der Wahl Trumps ging die europäische Gemeinschaftswährung auf Talfahrt

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"Der Trump-Sieg hat die Dinge verändert", schreibt nun aber Bloomberg zufolge der Deutsche-Bank-Stratege George Saravelos in einem aktuellen Report. "Die Divergenz ist wieder da."

Gemeint ist das Auseinanderdriften der Wirtschaftsräume: Während die Märkte den USA nach dem Wahlsieg Trumps offenbar robustes Wachstum zutrauen, leidet die Euro-Zone weiter unter Konjunkturschwäche und möglicherweise beginnenden Auflösungserscheinungen.

Dabei scheint Donald Trump fortzusetzen, was er im Wahlkampf begonnen hat: Er macht Versprechungen, die zum Teil unrealistisch erscheinen - und doch erzielen sie die gewünschte Wirkung. Ging es vor der Wahl dabei noch mehrheitlich um gesellschaftliche Themen wie die Terrorgefahr und die illegale Einwanderung vor allem aus Mexiko, so stehen inzwischen wirtschaftspolitische Ankündigungen im Vordergrund.

Was die Dollar-Stärke für die Bundesbürger bedeutet

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So verspricht Trump, Steuern zu senken und viele Milliarden Dollar aus der Staatskasse für die Infrastruktur auszugeben. 500 Milliarden bis eine Billion Dollar will der künftige Präsident in Straßen, Brücken und Flughäfen stecken, so Bloomberg.

Gleichzeitig stellt Trump aber auch in Aussicht, die Staatsverschuldung zu senken. Wie das alles unter einen Hut zu bringen ist, hat bislang soweit bekannt noch niemand herausgefunden - aber die Finanzmärkte sind von den Plänen dennoch begeistert, zumal auch für einzelne Branchen unter einer Regierung Trump bessere Rahmenbedingungen zu erwarten sind.

Folge: Investoren schichten Gelder aus aller Welt in die USA um. So fallen in Schwellenländern die Aktien- und Anleihekurse, während an der Wall Street die Börse haussiert. Auch der Dollar hat vor dem Hintergrund zu seinem Höhenflug angesetzt.

Schub dürfte die US-Währung zusätzlich bekommen, wenn die US-Notenbank ihre Zinserhöhungen fortsetzt. Dass es im Dezember zum nächsten Zinsschritt kommen wird, scheint ausgemachte Sache. Laut Bloomberg erwarten Devisenhändler diese Maßnahme inzwischen mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent. Vor einer Woche lag der Wert noch bei 80 Prozent.

Euro-Gegner schwächen die Währung

Des einen Freud ist des anderen Leid: Den Euro brachte der Triumph des Populisten Trump unter erheblichen Druck. Ohnehin haben Investoren wenig Grund zum Optimismus in Bezug auf die Euro-Zone. Auch auf dem alten Kontinent sind populistische Kräfte auf dem Vormarsch. Doch anders als in den USA ist das für die Finanzmärkte keine gute Nachricht, denn Parteien wie die AfD in Deutschland, der Front National in Frankreich oder die Fünf-Sterne-Bewegung in Italien sind ausgesprochen Euro-kritisch und würden die Gemeinschaftswährung lieber heute als morgen abschaffen.

Hinzu kommt: Im Gegensatz zur Fed in den USA hält die Europäische Zentralbank bislang eisern an ihrer Niedrigzinspoltik fest. Auch von dieser Seite ist für den Euro also vorerst mit keiner Unterstützung zu rechnen.

Einziger Lichtblick für den Euro ist der Leistungsbilanzüberschuss, den die Euro-Zone regelmäßig verzeichnet: Weil mehr Güter und Dienstleistungen die Währungsunion verlassen, als hereinkommen, herrscht zumindest an dieser Front stets große Nachfrage nach dem Euro. Dadurch steht die europäische Währung eigentlich unter ständigem Aufwertungsdruck.

Gut möglich jedoch, dass dies nicht ausreichen wird, um der Gewichtsverschiebung Richtung US-Dollar entgegenzuwirken. Für Bundesbürger, die in die USA reisen oder hierzulande US-amerikanische Produkte erwerben sind das jedenfalls keine guten Aussichten: Vom Smartphone bis zur Jeans, vom Besuch im Disney-Land bis zum Chrysler oder Chevrolet - das alles droht demnächst für Euro-Bürger erheblich teurer zu werden.

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