Verdacht auf Kapitalanlagebetrug bei Unister-Tochter Reisebüro Travel24 droht Anlegerskandal

Musterzimmer eines Travel24-Designhotels in Leipzig: Für den Aus- und Umbau zweier Designhotels sammelte das Online-Reisebüro bei Anlegern Millionen Euro ein. Die Hotels gingen bis heute nicht in Betrieb

Musterzimmer eines Travel24-Designhotels in Leipzig: Für den Aus- und Umbau zweier Designhotels sammelte das Online-Reisebüro bei Anlegern Millionen Euro ein. Die Hotels gingen bis heute nicht in Betrieb

Foto: Travel24.com

Dem Online-Reisebüro Travel24 droht nach einer Compliance-Prüfung ein Anlegerskandal. Wie das manager magazin (Erscheinungstermin: 18. Dezember) berichtet, hat der Aufsichtsratsvorsitzende Daniel Kirchhof (38) die Mittelverwendung von knapp 20 Millionen Euro prüfen lassen.

Travel24 hatte das Geld bei Anlegern über eine Mittelstandsanleihe eingesammelt. Im Wertpapierprospekt hieß es, das Unternehmen wolle bis zu 25 Hotels im Segment "Budget Design Hotels" betreiben. Mit der Anleihe wolle man die "Um- und Ausbauten" der ersten beiden Travel24-Designhotels in Köln und Leipzig bezahlen, die noch 2013 öffnen sollten. Bis heute sind die Hotels nicht in Betrieb.

Im Rahmen der Compliance-Prüfung untersuchte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG die tatsächlichen Geldströme, ein Kapitalmarktexperte wertete Anlegerprospekte aus. Ein beauftragter Strafrechtsprofessor kam zu dem Schluss, der Wertpapierprospekt sei in erheblicher Weise fehlerhaft. Es dränge sich der Tatbestand des Kapitalanlagebetruges auf. Anfang Dezember legte Aufsichtsratschef Kirchhof sein Amt nieder.

Aufsichtsratschef Kirchhof zurückgetreten

Das Unternehmen distanziert sich von den Ergebnissen der Prüfung. Man halte das Gutachten nach erster Durchsicht für "nicht zielführend und inhaltlich unzutreffend", heißt es aus dem Unternehmen. Man habe deswegen ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben.

Der Rücktritt des Chefkontrolleurs Kirchhof ist der vorläufige Tiefpunkt einer seit Jahresanfang währenden Schlammschlacht bei der Travel24-Mutter Unister. Jahrelang bildete deren Gesellschafter Kirchhof mit dem Kopf der Unternehmensgruppe, Thomas Wagner (37), ein Erfolgsduo. Ihre Reiseportale (fluege.de, ab-in-den-urlaub.de) spielten 2014 einen Umsatz von einer halben Milliarde Euro ein. Anfang des Jahres war es zwischen den Gesellschaftern nach geplatzten Verkaufsverhandlungen zum Bruch gekommen.