Transferwise Das Startup, dem Richard Branson sein Geld anvertraut

Die Investorenliste von Transferwise liest sich wie ein Who-is-who des Silicon Valley. Paypal-Gründer Peter Thiel ist mit von der Partie, ebenso Richard Branson. manager-magazin online sprach mit dem Gründer des "Skype für Überweisungen", Taavet Hinrikus, über die Zukunft der Finanz-Dienstleistungen.
Kreative Zerstörer unter sich: Richard Branson mit den Transferwise-Gründern Taavet Hinrikus (l) und Kristo Käärmann

Kreative Zerstörer unter sich: Richard Branson mit den Transferwise-Gründern Taavet Hinrikus (l) und Kristo Käärmann

Foto: TransferWise

mm: Sie waren einer der ersten Skype-Mitarbeiter und haben gerade 25 Millionen Dollar für ihr Unternehmen "Transferwise" eingesammelt - unter anderem von Peter Thiel und Richard Branson . Ist ihr Konzept so genial oder kennen Sie einfach die richtigen Leute?

Hinrikus: Wir haben ein Produkt, das sehr gut am Markt angenommen wird. Wir wachsen wirklich schnell. Und so eine Story ist einfach nach dem Geschmack von Richard Branson. Er ist ein kreativer Zerstörer und hat in dem David-gegen-Goliath-Spiel selbst diverse Male den David gegeben - so etwas in der Art machen wir jetzt auch. Da war es nicht schwer für uns, ihn an Bord zu holen. Er weiß genau, worum es geht.

mm: US-Investor Peter Thiel ist schon seit längerem bei Transferwise investiert, hat die sechs Millionen schwere Series-A-Finanzierungsrunde angeführt und ist jetzt auch bei der am Dienstag verkündeten 25 Millionen schweren B-Runde wieder dabei. Wie viel war den beiden Transferwise bislang jeweils wert?

Hinrikus: Dazu kann ich keine genauen Angaben machen. Nur soviel: Bransons Investment ist signifikant. Er ist der einzige neue Investor. Die anderen waren alle schon bei der Series-A-Finanzierung dabei.

mm: Was macht Transferwise besser als die klassischen Banken?

Hinrikus: Wir sind ein Online-Geldtransfer-Service, der Menschen dabei hilft, Geld in Fremdwährungen zu überweisen. Bei internationalen Überweisungen herrscht derzeit ein eklatanter Mangel an Transparenz. Zwar geben die Banken die Gebühren an, die sie erheben - in der Regel zwischen zehn und zwanzig Euro. Aber wenn es um den Wechselkurs geht, den sie zur Grundlage nehmen - und darum, wie weit der vom offiziellen Kurs abweicht, sieht das Bild deutlich anders aus. Dabei stammt das Gros ihres Profits aus den Wechselkursen. Und davon, dass Banken bei ihren Geldtransfers einen künstlich aufgeblähten Wechselkurs anwenden, haben zwei Drittel der Kunden keine Ahnung.

"Banken werden sich schwer tun"

mm: Sie waren einer der ersten Beschäftigten bei Skype. Wie kommt man als Angestellter eines Internet-Telefonie-Anbieters darauf, einen Finanzdienstleister zu gründen?

Hinrikus: Als ich bei Skype gearbeitet habe, wohnte ich in London, wurde aber noch in Estland bezahlt. Bis ich das Geld auf meinem Londoner Konto hatte, dauerte es in der Regel vier bis fünf Tage. Und die Abzüge waren so groß, dass mich das wirklich frustriert hat. Mein Mitgründer hatte das gegenteilige Problem. Er musste Geld von London nach Estland überweisen - und es ging ihm ähnlich. Schließlich haben wir uns einfach gegenseitig Geld überwiesen, innerhalb des jeweiligen Landes - und so Tausende Euro an Bankkosten gespart . So ist die Geschäftsidee entstanden. Denn Freunde, denen man in Gelddingen so vertraut wie wir uns gegenseitig, haben die wenigsten.

mm: Was muss ich tun, wenn ich über Transferwise Geld überweisen will? Und was kostet das?

Hinrikus: Um Geld zu überweisen, müssen sie sich bei uns registrieren. Der Transfer selbst läuft dann entweder direkt über Kreditkarte oder sie überweisen den Betrag samt Gebühren auf unser örtliches Konto. Die Gebühren für den Transfer liegen bei einem Betrag über 200 Pfund pauschal bei 0,5 Prozent. Der für die Überweisung als Basis dienende tatsächliche Marktkurs ist für unsere Kunden dabei stets ersichtlich.

mm: Sie haben Transferwise 2011 gegründet und sind im Herbst in Deutschland gestartet. Wie viele Kunden nutzen ihre Dienste aktuell?

Hinrikus: Diese Zahlen kommunizieren wir nicht. ich kann nur sagen, dass über uns seit dem Marktstart mehr als eine Milliarde Pfund (umgerechnet rund 1,2 Milliarden Euro) transferiert wurden - und so mehr als 45 Millionen Pfund (rund 55 Millionen Euro) an Bankgebühren gespart wurden. Das Geld, das wir jetzt eingesammelt haben, wollen wir für unsere weitere Expansion verwenden und dafür, dass wir in der Öffentlichkeit bekannter werden. Bis nächsten Sommer wollen wir unsere Mitarbeiterzahl von 100 auf 200 hochschrauben.

mm: Wo kann man Transferwise nutzen ? Und wie viele Kunden haben Sie?

Hinrikus: Bislang sind wir in der EU aktiv und verschicken Geld in die USA, die Türkei, nach Singapur, Hongkong, Australien und Indien. Und es sollen weitere Länder dazu kommen. Die Zahl unserer Nutzer kommunizieren wir nicht. Aber im Mittel liegen unsere Überweisungen bei knapp unter 2000 Euro.

"40 Prozent der Finanzdienstleistungen werden von Nicht-Banken kommen"

mm: Sie wildern mit ihrem Geschäftsmodell in den traditionellen Geschäftsfeldern der Banken. Konkurrenten und beispielsweise auch einige Crowdfunder tun es ihnen gleich. Wie glauben Sie, wird Fintech das traditionelle Geschäftsmodell der Banken verändern?

Hinrikus: Durch die Digitalisierung ist in vielen Branchen vieles in Bewegung gekommen. Dank Diensten wie Spotify hören wir anders Musik, wir kommunizieren anders, reisen mit Billigfliegern. Vieles ist transparenter und billiger geworden. An der Finanzindustrie sind diese Umwälzungen bislang noch weitgehend vorbeigezogen - aber das wird sich bald ändern

mm: Inwiefern? Sorgen die neuen Geschäftsmodelle dafür, dass wir künftig weniger für Finanzdienstleistungen zahlen müssen?

Hinrikus: Ja, ich denken schon. Und ich rede nicht nur von Überweisungen, sondern auch von den Kosten für Kontoführung oder Geldanlage. Die Dienste werden billiger, schneller und transparenter werden.

mm: Das hätte auf der Einnahmenseite erhebliche Auswirkungen für die Banken

Hinrikus: Ja. Die Banken werden sich mit Sicherheit finanziell schwer tun.

mm: Werden sie denn die dominierenden Spieler bleiben?

Hinrikus: Über Skype laufen mittlerweile 40 Prozent aller internationalen Ferngespräche . Im Bankensektor dürfte die Entwicklung ähnlich sein. Ich gehe davon aus, dass in zehn Jahren 40 Prozent der Finanzdienstleistungen von Nicht-Banken erbracht werden.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.