Samstag, 21. September 2019

Transferwise Das Startup, dem Richard Branson sein Geld anvertraut

Kreative Zerstörer unter sich: Richard Branson mit den Transferwise-Gründern Taavet Hinrikus (l) und Kristo Käärmann
TransferWise
Kreative Zerstörer unter sich: Richard Branson mit den Transferwise-Gründern Taavet Hinrikus (l) und Kristo Käärmann

2. Teil: "Banken werden sich schwer tun"

mm: Sie waren einer der ersten Beschäftigten bei Skype. Wie kommt man als Angestellter eines Internet-Telefonie-Anbieters darauf, einen Finanzdienstleister zu gründen?

Hinrikus: Als ich bei Skype gearbeitet habe, wohnte ich in London, wurde aber noch in Estland bezahlt. Bis ich das Geld auf meinem Londoner Konto hatte, dauerte es in der Regel vier bis fünf Tage. Und die Abzüge waren so groß, dass mich das wirklich frustriert hat. Mein Mitgründer hatte das gegenteilige Problem. Er musste Geld von London nach Estland überweisen - und es ging ihm ähnlich. Schließlich haben wir uns einfach gegenseitig Geld überwiesen, innerhalb des jeweiligen Landes - und so Tausende Euro an Bankkosten gespart . So ist die Geschäftsidee entstanden. Denn Freunde, denen man in Gelddingen so vertraut wie wir uns gegenseitig, haben die wenigsten.

mm: Was muss ich tun, wenn ich über Transferwise Geld überweisen will? Und was kostet das?

Hinrikus: Um Geld zu überweisen, müssen sie sich bei uns registrieren. Der Transfer selbst läuft dann entweder direkt über Kreditkarte oder sie überweisen den Betrag samt Gebühren auf unser örtliches Konto. Die Gebühren für den Transfer liegen bei einem Betrag über 200 Pfund pauschal bei 0,5 Prozent. Der für die Überweisung als Basis dienende tatsächliche Marktkurs ist für unsere Kunden dabei stets ersichtlich.

mm: Sie haben Transferwise 2011 gegründet und sind im Herbst in Deutschland gestartet. Wie viele Kunden nutzen ihre Dienste aktuell?

Hinrikus: Diese Zahlen kommunizieren wir nicht. ich kann nur sagen, dass über uns seit dem Marktstart mehr als eine Milliarde Pfund (umgerechnet rund 1,2 Milliarden Euro) transferiert wurden - und so mehr als 45 Millionen Pfund (rund 55 Millionen Euro) an Bankgebühren gespart wurden. Das Geld, das wir jetzt eingesammelt haben, wollen wir für unsere weitere Expansion verwenden und dafür, dass wir in der Öffentlichkeit bekannter werden. Bis nächsten Sommer wollen wir unsere Mitarbeiterzahl von 100 auf 200 hochschrauben.

mm: Wo kann man Transferwise nutzen ? Und wie viele Kunden haben Sie?

Hinrikus: Bislang sind wir in der EU aktiv und verschicken Geld in die USA, die Türkei, nach Singapur, Hongkong, Australien und Indien. Und es sollen weitere Länder dazu kommen. Die Zahl unserer Nutzer kommunizieren wir nicht. Aber im Mittel liegen unsere Überweisungen bei knapp unter 2000 Euro.

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