Dienstag, 25. Juni 2019

Schweizer Investmentfirma GAM Starmanager weg - Investoren ziehen Milliarden aus Fonds ab

Tim Haywood
youtube/Bloomberg
Tim Haywood

2. Teil: Anleger fliehen auch aus Fonds, die mit Haywood nichts zu tun hatten

Keine guten Nachrichten also, die das Unternehmen da bekannt geben musste - und die Investoren reagierten entsprechend. Viele von ihnen versuchten spontan, ihr Geld aus den ARBF-Produkten des Hauses abzuziehen. Nach Angaben des Unternehmens gab es Rücknahmeanträge über 10 Prozent des Gesamtvolumens. Zu viel offenbar, um den Mittelabfluss noch einigermaßen geordnet managen zu können.

Die Folge: Anfang August beschloss GAM, sämtliche Fonds in diesem Bereich einzufrieren und komplett zu liquidieren. Betroffen davon sind Dutzende Investmentvehikel, die Liste mit deren Namen umfasst dreieinhalb DIN-A-4-Seiten und kann auf der GAM-Website eingesehen werden.

Doch damit nicht genug: Wie so oft, wenn am Finanzmarkt Unruhe aufkommt, werden auch benachbarte Bereiche - womöglich zu unrecht - in Mitleidenschaft gezogen. Im Falle GAMs heißt dies: Inzwischen nehmen auch Investoren Reißaus, die ihr Geld in andere Anlagestrategien des Hauses gesteckt haben. Zudem hat die Aktie des Unternehmens, die an der Schweizer Börse notiert ist, inzwischen etwa ein Viertel ihres Wertes eingebüßt.

Zahlen von Bloomberg zufolge zogen Anleger schon bis Mitte August knapp 2,3 Milliarden Franken von GAM ab. Die Daten seien zwar womöglich nicht vollständig, gegenüber dem Vormonat sei jedoch eine deutliche Steigerung der Abflüsse zu beobachten, so die Infoplattform. Im Juli hatten Anleger demnach rund 800 Millionen Franken von GAM zurückgefordert.

Eine GAM-Sprecherin verweist gegenüber Bloomberg auf einen Branchentrend, demzufolge auch andere Firmen unter Abflüssen zu Leiden hätten. Bei GAM jedoch spitzen sich die Ereignisse offenbar zu. So berichtet Bloomberg über den Star-Credit Opportunities Strategie Fonds, der für GAM vom Investmenthaus Atlanticomnium gemanagt werde, und der mit einem Volumen von knapp zwölf Milliarden Franken der größte Fonds in der GAM-Familie sei.

Der Star-Credit Opportunities Strategie Fonds sei zugleich auch das Produkt, das vom Exodus der Investoren am stärksten betroffen sei, so Bloomberg. Seit Ende Juli haben Anleger demnach bereits rund 560 Millionen Franken aus diesem Investmenttopf entnommen. Und das, obwohl das Management von Atlanticomnium beteuert, der geschasste Portfolio-Manager Tim Haywood habe nie eine Verbindung zum Management des fraglichen Fonds gehabt.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Investoren, die womöglich in mehrere GAM-Produkte investiert haben, nehmen jedoch offenbar keine so feine Differenzierung vor. So muss GAM nun viel unternehmen, um die Kunden bei der Stange zu halten. In einer Mitteilung listet das Unternehmen eine größere Anzahl an Informationen und Maßnahmen auf, mit denen die Investoren offenbar beruhigt werden sollen. Inwieweit dies gelingt, bleibt jedoch abzuwarten.

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