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Tages- und Dauerkarten: Ticketpreise in der Bundesliga

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Preise für Tagestickets und für Dauerkarten Wo Fußballfans am meisten zahlen müssen - und wo am wenigsten

Acht Euro für ein Tagesticket, 884 Euro pro Dauerkarte: Die Spanne der Ticketpreise der 18 Bundesligisten ist größer denn je, wie die SPONSORs-Ticketing-Analyse zeigt. Spitzenpreise in verschiedenen Kategorien verlangen Hertha BSC, Schalke 04 - und der Hamburger SV.
Von Kathrin Hartmann
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Tages- und Dauerkarten: Ticketpreise in der Bundesliga

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Fortuna Düsseldorf und der 1. FC Nürnberg haben zwei Gemeinsamkeiten: Im Mai stiegen sie zusammen in die Bundesliga auf, in der Sommerpause schraubten sie dann kräftig an den Ticketpreisen für die neue Saison. Doch hier endet auch schon die Gemeinsamkeit. Denn während die Fortuna ihre Preise teilweise sogar senkte und nun das günstigste Tagesticket der Bundesliga für acht Euro anbietet (fünf Euro weniger als 2017/18 in der 2. Liga), schlug der FCN den Weg in die andere Richtung ein.

19 Euro kostet in dieser Saison das günstigste Tagesticket im Nürnberger Max-Morlock-Stadion - sieben Euro mehr als in der vorangegangenen Zweitliga-Saison. Kein Bundesligist verlangt mehr Geld für die günstigste Tageskarte bei einem Heimspiel. Damit belegen die Franken in dieser Kategorie den ersten Platz in der SPONSORS-Ticketinganalyse für die Saison 2018/19.

Hertha mit Tagesticket für 99 Euro, Schalke mit 884 Euro für die Dauerkarte

Wie in den Vorjahren hat SPONSORS für alle 36 Fußball-Erst- und -Zweitligisten die jeweils günstigsten und teuersten Ticketpreise in den beiden Kategorien Tagestickets und Dauerkarten (ohne VIP-Tickets) ermittelt. Neben den Franken stechen dabei vor allem Hertha BSC (teuerstes Tagesticket: 99 Euro) und der FC Schalke 04 (teuerste Dauerkarte: 884 Euro) hervor, wenngleich weder Hertha noch Schalke ihre Preise in diesen Kategorien im Vergleich zum Vorjahr verändert haben. Anders als die Mehrheit der Liga. Denn wie in der Vorsaison haben auch zur aktuellen Spielzeit elf Clubs ihre Preisstruktur in den untersuchten Kategorien mal stärker, mal weniger stark modifiziert (siehe Ticketpreise in der Bundesliga (Saison 2018/19)).

Preissenkung für mehr Fans

Aktuell kann man als Fußballfan für durchschnittlich 15,20 Euro ein Bundesliga-Spiel besuchen - wenn man mit einem Platz in der günstigsten Reihe zufrieden ist. Der 1. FSV Mainz 05 hat zur aktuellen Saison beispielsweise eine neue Blockeinteilung in der Opel Arena vorgenommen, um attraktivere Plätze stärker von weniger attraktiven zu trennen. Ein Ergebnis: Bis zu 2,50 Euro können Stehplatzbesucher nun pro Tageskarte sparen, wenn sie Randplätze im Stadion belegen.

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Mainz 05 hat mit seinen günstigeren Tageskarten und der veränderten Ticketpreisstruktur vermutlich in erster Linie auf die ausbaufähige Auslastung der Arena reagiert. Fast jeder fünfte Platz war in der Saison 2017/18 bei den Heimspielen in der Opel Arena unbesetzt geblieben.

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Ähnlich wie dem 1. FSV Mainz 05 ging es auch Hertha BSC. Der Hauptstadt-Club verlor in der vergangenen Spielzeit im Schnitt 5000 Zuschauer pro Partie im Vergleich zum Vorjahr - empfindliche Einbußen vor dem Hintergrund, dass Hertha bereits seit Jahren eine Stadionauslastung von knapp 60 Prozent hat. Auch deshalb hat sich die Geschäftsführung des Hauptstadtclubs im Sommer entschieden, dass Kinder unter 14 Jahren in dieser Saison kostenlos zu den Hertha-Heimspielen ins Olympiastadion kommen dürfen (ausgenommen sind die Partien gegen den FC Bayern München und gegen Borussia Dortmund sowie Dauerkartenplätze). Auch den Preis für die günstigste Dauerkarte senkte der Club um 18 Prozent auf nun 199 Euro pro Saison.

Analyse belegt steigende Preise

Könnte es künftig also niedrigere Ticketpreise in der Bundesliga geben? Die Clubs betonen jedes Jahr, wie wichtig es sei, die Preise für Eintrittskarten im europäischen Ligen-Vergleich niedrig zu halten und sie nicht fortlaufend zu erhöhen. Eine Analyse der Ticketing-Preise der vergangenen fünf Jahre belegte bislang den gegenläufigen Trend.

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Seit der Saison 2013/14, als SPONSORS erstmals seine große Ticketing-Erhebung für die Bundesliga und 2. Bundesliga veröffentlichte, waren die Durchschnittspreise der Bundesliga in allen vier betrachteten Kategorien beinahe kontinuierlich gestiegen: das günstigste Tagesticket um 11,2 Prozent, das teuerste um 22,5 Prozent. Die günstigste Dauerkarte wurde um 12,3 Prozent teurer und die teuerste um sechs Prozent. Erstmals seit fünf Jahren sind in dieser Saison jedoch die Durchschnittspreise in allen vier Kategorien gesunken.

GRAFIK | sponsors | 2018010034 Ticketpreis #2

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Die Vermutung liegt nahe, dass die Preisdifferenz vor allem durch die jährlich unterschiedliche Zusammensetzung der Liga zustande kommt: dass in Spielzeiten, in denen Vereine mit vergleichsweise günstigen Tickets wie der SC Freiburg oder Hannover 96 in der 1. Liga spielen, die Durchschnittspreise im Oberhaus entsprechend sinken.

Bereinigt man die Analyse um den beschriebenen Effekt, indem nur jene zwölf Clubs betrachtet werden, die in den vergangenen sechs Spielzeiten der ersten Liga angehörten, ergibt sich jedoch ein anderes Bild: Tatsächlich gibt es seit der Saison 2013/14 einen Preisanstieg in drei von vier Kategorien zwischen zwei und elf Prozent. Demnach haben die Auf- und Absteiger der jeweiligen Saison zwar einen - wie in der aktuellen Spielzeit - kurzfristigen, aber innerhalb der allgemeinen Entwicklung noch vernachlässigbaren Einfluss auf die Durchschnittspreise in der Bundesliga.

Generell gilt jedoch: Wer die Spielklasse wechselt, ändert in aller Regel auch seine Ticketpreise. Ein Aufstieg geht dabei oftmals mit einer Preiserhöhung einher. Gründe dafür sind unter anderem die größere sportliche Attraktivität der Bundesliga im Vergleich zur 2. Bundesliga sowie ein höheres Zuschaueraufkommen bei den Heimspielen, das wiederum einen größeren Personalaufwand und somit höhere Spieltagskosten vor allem im Sicherheitsbereich erfordert.

Allerdings lässt sich anhand der vorliegenden Daten keine allgemeingültige Aussage darüber treffen, um wie viel Prozent Erstliga-Absteiger ihre Preise durchschnittlich senken beziehungsweise Aufsteiger ihre Preise erhöhen. Das zeigt ein einfaches Beispiel: In der Saison 2016/17 erhöhte Neu-Bundesligist RB Leipzig den Preis für sein teuerstes Tagesticket um 150 Prozent, Mitaufsteiger SC Freiburg hingegen um nur sieben Prozent. An dieser Stelle einen Durchschnittswert für Aufsteiger zu berechnen, wäre also unseriös.

Wie die Wiederaufsteiger agieren

Interessant ist jedoch ein Blick auf die direkten Wiederaufsteiger ins Oberhaus. Seit 2013/14 waren dies drei Clubs: Hannover 96, der SC Freiburg sowie der VfB Stuttgart. Dabei handelten alle drei Clubs unterschiedlich.

  • Hannover 96 senkte seine Ticketpreise in der Saison 2016/17 in Liga zwei im Schnitt um ein Viertel und erhöhte sie nach dem Aufstieg wieder auf den exakt gleichen Preis wie in der BundesligaSaison 2015/16 - offenbar im Bewusstsein um die Preissensibilität seiner Fans.
  • Der VfB Stuttgart ging in drei Preiskategorien (teuerste Tageskarte, günstigste und teuerste Dauerkarte) denselben Weg wie die Niedersachsen, bot jedoch nach der Rückkehr ins Oberhaus seine günstigste Tageskarte für 2,50 Euro weniger an als vor dem BundesligaAbstieg (17 Euro statt 19,50 Euro). Allerdings hatte der VfB in der Abstiegssaison 2015/16 mit 19,50 Euro in dieser Preisgruppe auch deutlich über dem Liga-Schnitt von 15,90 Euro gelegen.
  • Der SC Freiburg hingegen ging einen anderen Weg und nutzte die kurzzeitigen LigaWechsel, um seine Ticketpreise leicht nach oben zu korrigieren - nicht zuletzt, weil der Club bis dato seine Eintrittskarten weit unter dem Liga-Schnitt angeboten hatte. Die günstigste Tageskarte gab es beispielsweise vor dem Abstieg 2014/15 für 12,50 Euro, in der 2. Liga und nach dem Wiederaufstieg 2016/17 wurde der Preis für das preiswerteste Ticket auf 13 Euro erhöht. Auch die teuerste Tageskarte gab es vor dem Abstieg des Sport-Clubs für 52 Euro (Saison 2014/15), dann für 60 Euro (Saison 2015/16) und nach der Rückkehr in die erste Liga für 64 Euro (Saison 2016/17).

HSV: Erstligapreise in Liga zwei

Allgemeine Aussagen zu Preiserhöhungen von direkten Wiederaufsteigern lassen sich also nicht treffen. Vielmehr treffen Clubs individuelle Entscheidungen.

Vor diesem Hintergrund lohnt sich auch der Blick auf die aktuellen Ticketpreise in der 2. Bundesliga. Schließlich zählt seit Sommer mit dem Hamburger SV ein Club zur Liga, der bereits zu Erstligazeiten für seine hohen Ticketpreise bekannt war. Und offenbar bereitet sich der HSV auch im Ticketing auf den direkten Wiederaufstieg vor und hat seine Kartenpreise seit dem Abstieg nur leicht gesenkt. 16 Euro und somit einen Euro weniger als in der vorangegangenen Bundesliga- Saison verlangen die Hanseaten für das günstigste Tagesticket. Das sind aber doch fast drei Euro mehr als der Durchschnitt in der zweiten Liga (13,22 Euro).

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Noch deutlicher ist der Unterschied bei den teuersten Tagestickets: 85 Euro müssen HSV-Fans für ein solches bezahlen. Das entspricht mehr als dem doppelten Liga- Schnitt (39,69 Euro). Damit führt der Club das Ticketpreis-Ranking der 18 Zweitligisten an.

Eine andere Preispolitik als der Hamburger SV verfolgt offenbar Liga-Konkurrent und Mitabsteiger 1. FC Köln. Die Rheinländer senkten ihre Preise vor der Saison deutlich, das günstigste Tagesticket wurde sogar um drei Euro auf 13 Euro reduziert. Damit liegt das günstigste Tagesticket im Rheinenergiestadion noch unter dem Durchschnittspreis der 2. Bundesliga.

Wie in der Bundesliga hat zur aktuellen Spielzeit auch in der 2. Liga das Gros der Clubs seine Ticketpreise verändert. In der Regel verlangen die Vereine für die Eintrittskarten etwas mehr als in der Saison 2017/18 - im Durchschnitt sind es 3,2 Prozent. So gibt es in der Kategorie Tageskarten die günstigsten Tickets seit der Sommerpause bei Union Berlin und dem SV Sandhausen. Bei beiden Clubs kosten diese je elf Euro. Die teuersten Tagestickets gibt es wie beschrieben beim HSV. Die günstigsten Dauerkarten der 2. Liga können Fans des 1. FC Heidenheim und der SpVgg Greuther Fürth für je 130 Euro kaufen. Die teuerste Dauerkarte bietet Union Berlin für 680 Euro an.

Bis zu 24 Prozent höhere Preise

In den vergangenen sechs Jahren wurden in der 2. Liga die Ticketpreise sukzessive erhöht. So sind in allen vier betrachteten Kategorien die Durchschnittspreise seit der ersten SPONSORS-Ticketinganalyse von 2013/14 gestiegen.

Das günstigste Tagesticket wurde um 14 Prozent erhöht, das teuerste um 15 Prozent. Die günstigste Dauerkarte kostet nun 24 Prozent mehr als noch vor sechs Jahren, das teuerste Saisonticket zwölf Prozent mehr.

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Ein Grund für die Preiserhöhungen ist, dass einige Zweitligisten wie zum Beispiel der FC Erzgebirge Aue, die SpVgg Greuther Fürth und der SV Darmstadt 98 in den vergangenen Jahren ihre Stadien in unterschiedlichem Umfang umgebaut haben. Dadurch entstanden Bereiche in den Spielstätten, die entsprechend neu angeboten und im Einzelfall auch höher bepreist werden konnten.

Einmaleffekt vs. neuer Trend

Setzt sich die allgemeine Entwicklung fort, dürften die Ticketpreise für Spiele zumindest in der 2. Bundesliga auch in der kommenden Saison 2019/20 steigen. Spannend wird jedoch sein, ob es sich bei den gesunkenen Durchschnittspreisen in der Bundesliga in der laufenden Saison um einen Einmaleffekt handelt oder ob dieser weiter anhält. Deshalb wird es interessant sein zu beobachten, ob es künftig noch mehr Clubs wie Mainz 05, Fortuna Düsseldorf oder Erzgebirge Aue gibt, die Preissenkungen - gerade auf weniger attraktiven Plätzen - vornehmen, um über diesen Weg die Zahl ihrer Stadionbesucher zu erhöhen. Denn nicht zuletzt wird das Ticketing einer der wesentlichen direkten Kontaktpunkte zwischen einem Club und Fans beziehungsweise seinen Kunden bleiben.

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