Mittwoch, 26. Juni 2019

Preise für Tagestickets und für Dauerkarten Wo Fußballfans am meisten zahlen müssen - und wo am wenigsten

Tages- und Dauerkarten: Ticketpreise in der Bundesliga
Getty Images

2. Teil: Analyse belegt steigende Preise

Könnte es künftig also niedrigere Ticketpreise in der Bundesliga geben? Die Clubs betonen jedes Jahr, wie wichtig es sei, die Preise für Eintrittskarten im europäischen Ligen-Vergleich niedrig zu halten und sie nicht fortlaufend zu erhöhen. Eine Analyse der Ticketing-Preise der vergangenen fünf Jahre belegte bislang den gegenläufigen Trend.

Seit der Saison 2013/14, als SPONSORS erstmals seine große Ticketing-Erhebung für die Bundesliga und 2. Bundesliga veröffentlichte, waren die Durchschnittspreise der Bundesliga in allen vier betrachteten Kategorien beinahe kontinuierlich gestiegen: das günstigste Tagesticket um 11,2 Prozent, das teuerste um 22,5 Prozent. Die günstigste Dauerkarte wurde um 12,3 Prozent teurer und die teuerste um sechs Prozent. Erstmals seit fünf Jahren sind in dieser Saison jedoch die Durchschnittspreise in allen vier Kategorien gesunken.

GRAFIK | sponsors | 2018010034 Ticketpreis #2
GRAFIK | sponsors | 2018010034 Ticketpreis #1

Die Vermutung liegt nahe, dass die Preisdifferenz vor allem durch die jährlich unterschiedliche Zusammensetzung der Liga zustande kommt: dass in Spielzeiten, in denen Vereine mit vergleichsweise günstigen Tickets wie der SC Freiburg oder Hannover 96 in der 1. Liga spielen, die Durchschnittspreise im Oberhaus entsprechend sinken.

Bereinigt man die Analyse um den beschriebenen Effekt, indem nur jene zwölf Clubs betrachtet werden, die in den vergangenen sechs Spielzeiten der ersten Liga angehörten, ergibt sich jedoch ein anderes Bild: Tatsächlich gibt es seit der Saison 2013/14 einen Preisanstieg in drei von vier Kategorien zwischen zwei und elf Prozent. Demnach haben die Auf- und Absteiger der jeweiligen Saison zwar einen - wie in der aktuellen Spielzeit - kurzfristigen, aber innerhalb der allgemeinen Entwicklung noch vernachlässigbaren Einfluss auf die Durchschnittspreise in der Bundesliga.

Generell gilt jedoch: Wer die Spielklasse wechselt, ändert in aller Regel auch seine Ticketpreise. Ein Aufstieg geht dabei oftmals mit einer Preiserhöhung einher. Gründe dafür sind unter anderem die größere sportliche Attraktivität der Bundesliga im Vergleich zur 2. Bundesliga sowie ein höheres Zuschaueraufkommen bei den Heimspielen, das wiederum einen größeren Personalaufwand und somit höhere Spieltagskosten vor allem im Sicherheitsbereich erfordert.

Allerdings lässt sich anhand der vorliegenden Daten keine allgemeingültige Aussage darüber treffen, um wie viel Prozent Erstliga-Absteiger ihre Preise durchschnittlich senken beziehungsweise Aufsteiger ihre Preise erhöhen. Das zeigt ein einfaches Beispiel: In der Saison 2016/17 erhöhte Neu-Bundesligist RB Leipzig den Preis für sein teuerstes Tagesticket um 150 Prozent, Mitaufsteiger SC Freiburg hingegen um nur sieben Prozent. An dieser Stelle einen Durchschnittswert für Aufsteiger zu berechnen, wäre also unseriös.

Wie die Wiederaufsteiger agieren

Interessant ist jedoch ein Blick auf die direkten Wiederaufsteiger ins Oberhaus. Seit 2013/14 waren dies drei Clubs: Hannover 96, der SC Freiburg sowie der VfB Stuttgart. Dabei handelten alle drei Clubs unterschiedlich.

  • Hannover 96 senkte seine Ticketpreise in der Saison 2016/17 in Liga zwei im Schnitt um ein Viertel und erhöhte sie nach dem Aufstieg wieder auf den exakt gleichen Preis wie in der BundesligaSaison 2015/16 - offenbar im Bewusstsein um die Preissensibilität seiner Fans.
  • Der VfB Stuttgart ging in drei Preiskategorien (teuerste Tageskarte, günstigste und teuerste Dauerkarte) denselben Weg wie die Niedersachsen, bot jedoch nach der Rückkehr ins Oberhaus seine günstigste Tageskarte für 2,50 Euro weniger an als vor dem BundesligaAbstieg (17 Euro statt 19,50 Euro). Allerdings hatte der VfB in der Abstiegssaison 2015/16 mit 19,50 Euro in dieser Preisgruppe auch deutlich über dem Liga-Schnitt von 15,90 Euro gelegen.
  • Der SC Freiburg hingegen ging einen anderen Weg und nutzte die kurzzeitigen LigaWechsel, um seine Ticketpreise leicht nach oben zu korrigieren - nicht zuletzt, weil der Club bis dato seine Eintrittskarten weit unter dem Liga-Schnitt angeboten hatte. Die günstigste Tageskarte gab es beispielsweise vor dem Abstieg 2014/15 für 12,50 Euro, in der 2. Liga und nach dem Wiederaufstieg 2016/17 wurde der Preis für das preiswerteste Ticket auf 13 Euro erhöht. Auch die teuerste Tageskarte gab es vor dem Abstieg des Sport-Clubs für 52 Euro (Saison 2014/15), dann für 60 Euro (Saison 2015/16) und nach der Rückkehr in die erste Liga für 64 Euro (Saison 2016/17).

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung