Ruhrkonzern teilt sich in zwei börsennotierte Unternehmen auf Thyssenkrupp plant Aufspaltung in "Materials" und "Industrials"

Thyssenkrupp plant die Aufspaltung in "Thyssenkrupp Materials" und "Thyssenkrupp Industrials". Beide Unternehmen sollen an der Börse gelistet sein.

Thyssenkrupp plant die Aufspaltung in "Thyssenkrupp Materials" und "Thyssenkrupp Industrials". Beide Unternehmen sollen an der Börse gelistet sein.

Foto: Roland Weihrauch/ dpa

Der Ruhrkonzern Thyssenkrupp plant die Teilung des Konzerns in zwei eigenständige, börsennotierte Unternehmen. Dies teilte der Konzern am Donnerstag per ad-hoc-Mitteilung zur Teilung des Konzerns  mit und bestätigte entsprechende Gerüchte. Beide Unternehmen sollen den Namen Thyssenkrupp weiterführen, hieß es. Die Hauptversammlung muss über die geplante Teilung entscheiden. Die Schulden und Pensionsverpflichtungen werden auf beide Unternehmen verteilt.

Der Vorstand werde dem Aufsichtsrat das entsprechende Konzept auf einer Sitzung am Sonntag vorschlagen. Ziel seien "zwei deutlich fokussiertere und leistungsfähigere Unternehmen", hieß es. Beide sollen an der Börse notiert sein.

Auf der einen Seite werde die "Thyssenkrupp Materials AG" unter anderem den 50-Prozent-Anteil aus dem fusionierten Stahlgeschäft mit dem indischen Partner Tata enthalten. Hinzu kommen der Handel mit Werkstoffen sowie der Marineschiffbau. Damit entsteht ein Werkstoffkonzern, der die Stahl- und Edelstahlproduktion, den Materialhandel sowie die stahlnahe Weiterverarbeitung vereint und aus einer Position der Stärke heraus auch Konsolidierungschancen nutzen kann, heißt es in der Mitteilung.

Das zweite Unternehmen "Thyssenkrupp Industrials AG" soll dagegen aus drei Einheiten bestehen: erstens dem Aufzuggeschäft, zweitens dem Automobilzulieferergeschäft und drittens dem Kernanlagenbau. Die Aufzüge bleiben in ihrer heutigen Aufstellung unverändert. Thyssenkrupp Industrials wird demnach ein reines Industriegüterunternehmen.

Industrials mit rund 16 Milliarden Euro Umsatz, Materials mit 18 Milliarden

Die beiden Unternehmen werden eine vergleichbare Größenordnung haben: Auf der Basis von Pro-forma-Zahlen für das Geschäftsjahr 2016/17 würde die Thyssenkrupp Industrials AG mit rund 90.000 Mitarbeitern einen Umsatz von etwa 16 Milliarden Euro erwirtschaften.

Die Thyssenkrupp Materials AG käme mit knapp 40.000 Mitarbeitern auf einen Umsatz von etwa 18 Milliarden Euro.

Die genaue Ausgestaltung der Teilung, etwa die Transaktionsstruktur, das Finanzierungskonzept und die Führungsmodelle beider Gesellschaften, werden nach Zustimmung des Aufsichtsrats ausgearbeitet. Über die Teilung muss dann die Hauptversammlung der thyssenkrupp AG entscheiden. Dies könnte in 12 bis 18 Monaten geschehen, hieß es.

"Wie erwachsen gewordene Geschwister zueinander"

"Beide Geschäfte können sich in dieser deutlich fokussierteren Form besser entwickeln und sich auf ihre Stärken konzentrieren", sagte Konzernchef Guido Kerkhoff während des eilig einberufenen Calls mit Analysten und Journalisten am Donnerstag Nachmittag. Beide Unternehmen bekämen einen direkten Zugang zum Kapitalmarkt und beide behielten auch die Stiftung als Ankeraktionär. "Wir schaffen zwei eigenständige Unternehmen, die durch eine gemeinsame DNA und durch starke Wurzeln aus über 200 Jahren gemeinsamer Geschichte verbunden sind", sagte Kerkhoff. Die beiden Unternehmen "verhalten sich wie erwachsen gewordene Geschwister zueinander, die ihren eigenen Weg gehen, aber Teil ihrer Familie bleiben".

Die Neuorganisation von Thyssenkrupp kommt nicht überraschend. Die Abgänge von Vorstandschef Heinrich Hiesinger und Aufsichtsratschef Ulrich Lehner hatten den Konzern im Sommer in eine tiefe Krise gestürzt. Noch immer machen Thyssenkrupp  die Folgen einer milliardenteuren Fehlinvestition zu schaffen. Als Sorgenkind gilt nicht nur die schwächelnde Sparte für Anlagenbau, die vor einer weiteren Umstrukturierung steht. Auch die kurz vor seinem Abgang von Hiesinger eingefädelte Stahlfusion mit Tata ist noch nicht vollzogen.

Zuletzt hatten Aktionäre wie Cevian oder der US-Fonds Elliott Druck auf das Management ausgeübt. Sie forderten einen schnelleren und radikalen Umbau des Konzerns. Beide zurückgetretenen Manager hatten auf Differenzen im Aktionärskreis hingewiesen. Eine Schlüsselrolle kommt zudem der Krupp-Stiftung als größtem Einzelaktionär zu.

Aktie gewinnt zeitweise 15 Prozent - IG Metall stützt die Pläne

Die Aktie von Thyssenkrupp  zog am Donnerstag kräftig an und stieg um bis zu 15 Prozent. "Die Nachricht hat der Aktie neue Fantasie eingehaucht", sagte ein Händler. "Die Hoffnung auf diesen Schritt, der den Unternehmenswert erhöhen würde, war zuletzt wegen der Führungskrise in dem Konzern wieder ausgepreist worden."

Die Arbeitnehmervertreter von Thyssenkrupp  haben dem Vorstand Rückendeckung für die angestrebte Aufspaltung des Konzerns gegeben. "Die Arbeitnehmervertreter stehen hinter den Plänen des Vorstands", sagte IG Metall-Sekretär Markus Grolms am Donnerstag. "Damit wird eine Zerschlagung von Thyssenkrupp verhindert. Einen Ausverkauf von Geschäften wird es nicht geben", fügte der stellvertretende Chef des Aufsichtsrats hinzu, der nach dem Rücktritt von Ulrich Lehner das Kontrollgremium derzeit leitet.

mit Reuters und dpa

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