Börsenprofi Thomas Grüner zeigt Warum das Dax-Jahreshoch naht

Von Thomas Grüner
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US-Aktien - Trump-Wahl als Non-Event

Thomas Grüner

Thomas Grüner ist Gründer und Vice Chairman des Vermögensverwalters Grüner Fisher Investments (www.gruener-fisher.de ) mit Sitz in Rodenbach bei Kaiserslautern.

Trump gewinnt! Ein Alptraum für die Märkte? Im Vorfeld der US-Wahl blickten Anleger ängstlich auf das mögliche Trump-Szenario. Bereits im gesamten Jahresverlauf 2016 wurde jeglicher Marktoptimismus durch den "Unsicherheitsfaktor US-Wahl" ausgebremst. Auch in der Woche unmittelbar vor dem Wahltag musste der S&P 500  einige Prozentpunkte abgeben - der Markt schien die knappen Ergebnisse der Wahlprojektionen und die damit verbundene Unruhe einzupreisen.

Im Verlauf einer äußerst spannenden Wahlnacht reagierten die Aktienindizes rund um den Globus mit unmittelbaren Kursrückgängen, als sich der Wahlsieg von Donald Trump abzeichnete. Diese Turbulenzen hielten jedoch nicht lange an. Schlagzeilen der Kategorie "Trump sorgt für Beben an den Märkten!" waren bereits kurz nach ihrer Veröffentlichung in den europäischen Medien nicht mehr aktuell.

Brexit-Schock hoch zwei? Auf keinen Fall! Bis zur Eröffnung der US-Märkte hatte sich die Lage bereits komplett beruhigt. Auf ganz kurze Sicht kann die US-Wahl per Saldo also getrost als "Non-Event" betrachtet werden. Der marktbreite Aktienindex S&P 500 steigt seit dem 08. November wieder in Richtung Allzeithoch und bleibt das robuste Zugpferd des globalen Bullenmarkts. Falsche Ängste werden sich verflüchtigen - die Aktienmärkte gehören stets zu den Ersten, wenn es darum geht, diese Entwicklungen zu antizipieren.

Euro/US-Dollar - Europa leicht im Vorteil

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Der neue US-Präsident Donald Trump sorgt auch am Devisenmarkt für große Aufregung: der mexikanische Peso stürzt ab, der US-Dollar begibt sich im Verhältnis zum Euro  auf eine kurze Achterbahnfahrt. Im übergeordneten Bild wird aber schnell ersichtlich: Auch im Bereich der Währungsentwicklungen war die US-Wahl per Saldo ein Non-Event für die weltweit wichtigsten Währungen.

Somit pendelt das Währungspaar EUR/USD auch im zweiten Halbjahr 2016 relativ unaufgeregt um die Marke von 1,10. Auf Jahressicht ist sogar eine leichte Tendenz zur Euro-Stärke zu beobachten. Mario Draghis kontroverse Geldpolitik trifft auf die kontroverse Persönlichkeit Donald Trump - Ängste, die sich in der nahen Zukunft die Waage halten könnten.

Dax - Jahreshoch naht

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Ganz egal wo in der Welt das Ereignis stattfindet - wer deutsche Wertpapiere hält, fürchtet sich am meisten und der Dax  reagiert am volatilsten. Diese leicht spöttische These hat sich in der jüngsten Vergangenheit des Öfteren bewahrheitet. Der Dax kann aber nun mal nichts dafür, dass er im globalen Kontext ein sehr schmaler Index ist - und damit anfälliger für Schwankungen als der breite Gesamtmarkt ist.

Fakt ist aber auch, dass zahlreiche deutsche Anleger schon im Vorfeld der US-Wahl in Deckung gegangen sind: Ein bitteres Erwachen wie im Anschluss an die Brexit-Entscheidung wollte niemand noch einmal erleben. Trump schockt den Dax - eine viel bemühte Schlagzeile, die sich letztendlich nicht bewahrheitet hat.

Wer sich von Wahlumfragen auf die falsche Fährte locken ließ, fühlte sich früh am Morgen des 9. Novembers eventuell sogar noch in seinem Pessimismus bestätigt - um dann die schnelle Erholung zu verpassen. Den 9. November beschließt der Dax mit einem Plus von über einem Prozent. Im bisherigen Verlauf des zweiten Halbjahrs 2016 blickt der Dax somit auf eine solide Entwicklung zurück. Das Jahreshoch ist wieder in greifbare Nähe gerückt.

FTSE 100 - unbeirrt von Brexit und US-Wahl

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Spezialfall Großbritannien: Als Quelle der Brexit-Tumulte fand die große Überraschung im zweiten Halbjahr 2016 sicherlich auf der Insel statt, als sich der britische Aktienindex FTSE 100  unbeirrt von der Brexit-Panik auf die Jagd nach neuen Rekordmarken begeben hat. Beflügelt durch das schwache britische Pfund machten sich international ausgerichtete Unternehmen aus Großbritannien auf zu neuen Höhen.

Auch hier verlief die US-Wahl allerdings ähnlich ab wie in den restlichen Ländern. Große Unruhe im Vorfeld, kurzer Panik-Modus, schnelle Erholung, per Saldo ist nichts passiert. Märkte zeigen einen gewissen "Lerneffekt": Im direkten Vergleich zwischen Brexit und US-Wahl haben sich die Börsenkapriolen abgemildert, und nicht - wie von vielen Experten erwartet - multipliziert.

Nikkei 225 - ungesunde Nähe zur Wahl

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Spezialfall Japan: Durch die Zeitverschiebung konnten die japanischen Börsen die US-Wahlnacht "live" erleben - beziehungsweise erleiden. Dementsprechend ist der Nikkei 225  auch einer der wenigen Indizes weltweit, bei denen der zwischenzeitliche Mini-Crash überhaupt in den historischen Kursdaten ersichtlich bleiben wird: Den US-Wahltag beschließt der Nikkei 225 mit einem Minus von 5,37 Prozent - um dann allerdings am nächsten Handelstag in den Genuss einer kräftigen Erholungsbewegung zu kommen.

Auf Jahressicht bleibt der Nikkei 225 allerdings der Kategorie "Underperformer" treu, auch wenn im zweiten Halbjahr eine gewisse Stabilisierung zu beobachten ist. Japan bleibt im globalen Vergleich ein "konjunkturelles Sorgenkind".


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