Donnerstag, 22. August 2019

Fantasy-Strategiespiel Dota 2 Fans generieren den höchsten E-Sport-Jackpot der Geschichte

E-Sport-Event in Hamburg im Oktober 2018 Kampf der weltbesten "Dota 2"-Teams

Man stelle sich Folgendes vor: In Wimbledon erwirbt der gemeine Zuschauer des legendären Grand-Slam-Turniers einen Tennisschläger, vielleicht noch ein paar Bälle - und am Ende wandern 25 Prozent des Kauferlöses ins offizielle Preisgeld. So oder so ähnlich kam der größte E-Sport-Jackpot der Geschichte zusammen. Durch Crowdfunding. Beim "The International", der WM im Fantasy-Strategiespiel Dota 2 in Shanghai, geht es ab Donnerstag um nicht weniger als mindestens 32 Millionen US-Dollar.

Doch wie genau kann das gehen? Hersteller Valve setzt seit Jahren auf das beliebte Preisgeld-System, bei dem er selbst 1,6 Millionen Dollar als Grundstock beisteuert und die Fans den Rest erledigen lässt. Jene kaufen einen sogenannten Battle Pass, der ihnen spezielle Spielinhalte liefert. Die besagten 25 Prozent fließen in den Geldtopf. Während "The International" 2013 noch mit 2.874.380 Dollar dotiert war, sind es 2019 Stand Mittwochvormittag circa 32,9 Millionen Dollar. Bis zum Finale am 25. August kann und wird es noch mehr werden.

Möglich ist dieser einmalige Prize Pool, der sogar die diesjährige Fortnite-WM (30 Millionen Dollar) übersteigt, weil die Fans und Zuschauer dem Spiel verbunden sind. Sie spielen es meist selbst, viele schon seit die erste Spielversion von Defense of the Ancients (DotA) 2003 herausgekommen ist. "Es ist die Tradition, das Spiel ist eines der ältesten Games in E-Sport. Rivalitäten sind entstanden, und die Komplexität ist auch ein Punkt. Im Vergleich zu League of Legends ist Dota noch einmal eine Spur anspruchsvoller", sagte Dota-2-Experte Konni Winkler.

Deutscher unter den Favoriten

Im Vorjahr kassierte das Team OG, gesponsert vom Getränkeriesen Red Bull, als Weltmeister groß ab und nahm 11.234.158 Millionen Dollar aus dem mit rund 25,5 Millionen gefüllten Jackpot mit. 2019 stieß Valve in neue Regionen vor, erstmals fiel die 30-Millionen-Marke.

Und die Chancen, dass sich diesmal ein Deutscher das große Geld schnappt, sind nicht einmal so schlecht. Der Berliner Kuro "KuroKy" Salehi Takhasomi (26) vom Team Liquid, bereits 2017 Weltmeister und danach mit seiner Mannschaft rund 10,9 Millionen Dollar schwerer, ist auch diesmal wieder im Favoritenkreis dabei.

Das Quintett um "KuroKy" war zudem bei den vergangenen beiden Major-Turnieren in Paris und Moskau bis ins Finale vorgestoßen - auch dank des Kapitäns. "KuroKy besitzt eine unglaubliche Spielintelligenz. Er ist eines der großen Urgesteine der Szene", sagte Winkler. Takhasomi hat von den vier im Turnier vertretenen Deutschen klar die besten Karten. Der zweite deutsche Topspieler Adrian "FATA" Trinks hat gute Chancen auf den Sprung ins Viertelfinale. Dieser würde für sein Team Ninjas in Pyjamas über 815.000 Dollar bedeuten.

Die anderen beiden Deutschen, Maximilian "qojqva" Bröcker vom Team Alliance und Maurice "KheZu" Gutmann vom Team Chaos, sind unter den 18 Startern nur Außenseiter.

Und dennoch: Selbst wenn ihre Teams bereits in der Gruppenphase ausscheiden, erhalten sie über 80.000 Dollar. Zum Vergleich: Mohammed "MoAuba" Harkous, der sich vor zwei Wochen in London zum ersten deutschen Fifa-Weltmeister der Geschichte krönte, hatte für seinen Turniersieg 250.000 Dollar erhalten. Im Vergleich zu Valve sammelt Fifa-Hersteller EA Sports aber auch kein Geld für seinen Prize Pool ein.

mg/sid

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung