Mittwoch, 26. Juni 2019

Test der Supercharger Was taugt Teslas elektrischer Highway?

Unterwegs im Tesla S von München nach Amsterdam: Die mmo-Redakteure Nils Sorge und Wilfried Eckl-Dorna (rechts) testen Teslas neues Supercharger-Netz in Deutschland
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Unterwegs im Tesla S von München nach Amsterdam: Die mmo-Redakteure Nils Sorge und Wilfried Eckl-Dorna (rechts) testen Teslas neues Supercharger-Netz in Deutschland

Die deutschen Autobahnen werden zu Elektro-Highways: Das verspricht US-Autobauer Tesla. Der erste Abschnitt ist jetzt eröffnet. manager magazin online testet das kostenlose Supercharger-Netzwerk exklusiv: Die Strecke München-Amsterdam ist binnen eines Tages zu schaffen, wie der Test zeigt.

8.55 Uhr: Guten Morgen aus Feldkirchen bei München. Hier versteckt sich das Auslieferungszentrum von Tesla. Ein gutes Dutzend Autos des Typs Model S wartet darauf, an die Kunden übergeben zu werden. Ein roter Flitzer ist für uns. Wir wollen von hier nach Amsterdam fahren. Gleich geht es los.

8.58 Uhr: Der Wagen zeigt auf dem Display eine Reichweite von 497 Kilometern an. Aber die Strecke ist bergig, eine leichte Brise kommt aus der Gegenrichtung. Wir sind gespannt, ob die Supercharger uns wirklich so zuverlässig nach Holland bringen wie Tesla sich das vorstellt. Immerhin wollen wir nicht irgendwie nach Amsterdam zuckeln sondern so fahren, wie es der Alltag erfordert.

Testfahrt von München nach Amsterdam: mm-Redakteure Wilfried Eckl-Dorna und Nils-Viktor Sorge testen mit dem Tesla Model S das Supercharger-Netz in Deutschland
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Testfahrt von München nach Amsterdam: mm-Redakteure Wilfried Eckl-Dorna und Nils-Viktor Sorge testen mit dem Tesla Model S das Supercharger-Netz in Deutschland
9.05 Uhr: Wir rollen aus dem Auslieferungszentrum. Zu hören sind nur die Reifen. Auf dem blanken Estrich quietschen sie bei jeder Lenkbewegung.

9.10 Uhr: Das Wetter meint es gut mit uns. Zwar ist die Luft noch frostig-kalt, doch die Straßen sehen so aus, als seien sie griffig genug für eine zügige Fahrt.

9.15 Uhr: Zunächst dürfen wir uns wohl mit den Resten des Berufsverkehrs um München herumplagen. Hinter der bayerischen Hauptstadt dann hoffentlich freie Fahrt.

9.20 Uhr: Teslas Ansatz ist ja generell, die Autowelt zu revolutionieren. Elon Musk ist davon überzeugt, dass die Welt ein besserer Ort wird, wenn alle Menschen Elektroautos fahren, anstatt weiter "Gas zu geben". Das ist zugleich ein gutes Verkaufsargument, wie der Erfolg des Unternehmens in den USA belegt.

9.30 Uhr: In Kalifornien ist das Model S immerhin das am drittmeisten verkaufte Luxusauto. Mercedes und BMW liegen noch davor.

9.35 Uhr: Generell ist Musk eher ein ungeduldiger Typ. Sein Superchargernetzbaut er auch deshalb auf, weil er nicht warten will, bis Energieversorger genügend Starkstrom-Ladesäulen aufgebaut hat. Die brauchen seine Autos aber, sonst sind weite Langstreckenfahrten kaum möglich, auch wenn der Wagen eine Reichweite von fast 500 Kilometern hat.

9.40 Uhr: So ein Tesla ist immer noch ein Exot auf deutschen Straßen. Gerade bekommen wir einen Thumbsup vom Fahrer eines dottergelben BMW Z4.

9.42 Uhr: Der Marktstart des Model S war in Deutschland nicht einfach. Nur einige Dutzend Wagen wurde in den ersten Monaten ausgeliefert. In Norwegen, wo viele hohe Steuern bei Elektroautos nicht anfallen, waren es schon mehr als 600 im Monat.

9.48 Uhr: Den Münchener Ring haben wir schon etwas länger verlassen. Mit 160 bis 200 Sachen geht es Richtung Augsburg. Wenn wir so weiterfahren, reicht der Saft für weitere 220 Kilometer. Wenn wir ab jetzt langsamer fahren würden, sollen es noch 410 sein.

9.55 Uhr: Bis zur ersten Ladesäule sind es zwar nur 66 Kilometer in Jettingen-Scheppach. Aber wir wollen das Teil einfach mal sehen, halten also auf jeden Fall.

9.55 Uhr: Wir haben gerade mal die Höchstgeschwindigkeit verifiziert - bei 211 ist Schluss, es geht aber auch sehr leichtfüßig bergauf in dem Tempo, wie wir feststellen dürfen. Wir passieren Augsburg und sollten in 19 Minuten am ersten Supercharger sein.

10.05 Uhr: Eine Baustelle hinter Augsburg drosselt uns, das dankt uns die Batterie. Die A8 erhält hier offenbar eine dritte Spur, was auch Tesla-Fahrer begrüßen dürften.

10.15 Uhr: Für die ganz rasanten Fahren ist der Tesla allerdings streng genommen nicht gedacht. In den USA liegt das Tempolimit ja meist bei 90-130 Stundenkilometern, da sind 400-500 Kilometer drin. Wer dagegen ständig in Autobahntempo rast, schafft nur etwa 300 Kilometer. Das haben wir auf unserer Testfahrt im Frühjahr am eigenen Leib erfahren.Daher sind die Supercharger in Deutschland näher beieinander als in den USA.

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