Sonntag, 18. August 2019

Test der Supercharger Was taugt Teslas elektrischer Highway?

Unterwegs im Tesla S von München nach Amsterdam: Die mmo-Redakteure Nils Sorge und Wilfried Eckl-Dorna (rechts) testen Teslas neues Supercharger-Netz in Deutschland
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Unterwegs im Tesla S von München nach Amsterdam: Die mmo-Redakteure Nils Sorge und Wilfried Eckl-Dorna (rechts) testen Teslas neues Supercharger-Netz in Deutschland

7. Teil: Stress mit Schiphol

18.15 Uhr: Enthaltsam sind auch wir unterwegs - aber nur, was das Vorankommen betrifft. Denn derzeit gondeln wir zwischen Dortmund und Essen im Stop-and-Go-Verkehr durchs Ruhrgebiet. Noch 106 Kilometer bis Zevenaar - wo wir am nächsten Supercharger einen Zwischenhalt einlegen müssen. Denn wir sollen das Auto mit 40 Kilometer Restreichweite zurückgeben - sonst tun sich unsere Abholer mit der Fahrt ins Amsterdamer Stadtzentrum schwer.

18.24 Uhr: Gerade haben wir übrigens mal "Ladestation Schiphol Airport" gegoogelt. Dabei sind wir auf verblüffend präzise Angaben gestoßen - zu USB-Ladestationen, an denen Reisende am Amsterdamer Flughafen ihre leeren Handys mit Strom aufpäppeln können.

18.26 Uhr: Mit der englischen Suchvariante "car charging airport Schiphol" waren wir erfolgreicher. Tatsächlich gibt es mindestens eine Elektroauto-Ladestation auf dem Flughafen. Laut Pressemeldung sollten es seit diesem Quartal sogar mehrere sein. Wir wissen nun zwar, wo die Ladestationen sind - aber nicht, wie viel Ampere sie abgeben oder wie viel wir für das Laden bezahlen müssen.

18.43 Uhr: Mit den Tesla-Superchargern und der mächtigen Batterie des Model S bleibt von der vielzitierten Reichweitenangst bei Elektroautos nur ein kleiner Schauer übrig. Doch genau das verleitet uns beinahe zur Reichweitenangst 2.0: Testen wir die Grenzen des Machbaren aus und versuchen, mit den letzten Elektronen im Tank ans Ziel zu kommen? Am Ende siegt aber doch etwas in uns. Nennen wirs mal Reichweitenvernunft.

18.57 Uhr: Neben Ladeberechnungen hadern wir auch noch mit einem klassischen Problem vieler Geschäftsreisender: Wann genau ist der letzte Zeitpunkt, an dem uns die Flughafen-Angestellten in Schiphol noch ins Flugzeug lassen? Sollen wir gleich jetzt per Internet einchecken - oder lieber erst, wenn wir knapp vor Amsterdam sind? Eins steht fest: Unser letzter Ladestopp darf nicht länger als 15 Minuten dauern. Sonst müssen wir uns doch noch ein Zimmer in Amsterdam suchen.

19.17 Uhr: Neben unserer Säule parkt ein weißes Model S - sozusagen ein Stoff-Bruder. Wir gönnen uns jetzt mal 15 Minuten volle Strom-Power - das sollte reichen. Die Restreichweite liegt derzeit bei 49 Kilometern - nicht genug für das 85 Kilometer entfernte Amsterdam.

19.35 Uhr: So, mit 200 Kilometern im Tank auf nach Schiphol (110 Kilometer Entfernung). Schade nur, dass wir weder online einchecken können wegen der schwachen Internetverbindung, noch unsere Reisestelle ereichen. Da geht leider niemand ans Telefon ...

19.52 Uhr: Die Reisestelle haben wir erreicht, aber schaffen wir es zum Flieger?

20.05 Uhr: Wir verhandeln mit KLM am Telefon - denn ein bisschen Zeit brauchen wir noch, um den teuren Tesla Model S ordnungsgemäß abzugeben.

20.20 Uhr: Noch 33 Kilometer bis Schiphol. Wir sollten laut Navi um 20:45 Uhr da sein. Leider hat der Online-Checkin nicht mehr geklappt. Und nachdem wir 15 Minuten in der KLM-Hotline hingen, war auch da nichts mehr möglich. Es war sicher unser Fehler, dass wir nicht früher eingecheckt haben. Am Auto hat es nicht gelegen. Wir probieren jetzt irgendwie noch in den Flieger zu kommen, sínd aber auf den guten Willen des Bodenpersonals angewiesen.

20.25 Uhr: Unterm Strich halten wir mal fest, dass Langstreckenreisen mit dem Tesla funktionieren. Etwas mehr Zeit muss man aber mitbringen und die Strecke gut kalkulieren, wenn es auf die Minute ankommt. Es ist uns nicht gelungen, mal einen Supercharger zu überspringen, dafür müsste man wohl doch konsequent 100-120 Stundenkilometer fahren.

20.30 Uhr: In unserem Fall hat uns aber auch der Reiz des Neuen am Tesla einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wo wir auch waren, wurden wir in Gespräche verwickelt und haben dadurch teilweise etwas Zeit verloren.

20.35 Uhr: Im Vergleich zu unserer Drei-Tage-Fahrt vom April von Garmisch nach Flensburg sind die Supercharger jedenfalls ein riesiger Fortschritt, zumal das Laden kostenlos ist.

21.00 Uhr: Tja, zum Abendessen gibt es Heineken statt Astra. 20 Minuten vor Abflug am Check-In anzukommen reicht eben nicht. Dabei haben die freundlichen Mitarbeiterinnen der Fluggesellschaft alles gegeben, nur leider das Gate nicht telefonisch erreicht. Den Flug haben wir deswegen auf morgen früh umgebucht. Am Flughafen erwartete uns bereits die Tesla-Pressesprecherin und nahm uns den Wagen ab. Später ließ sie uns noch wissen, dass er es mit 2 Kilometern Restreichweite ins Servicecenter geschafft hat. Das nennt man Punktlandung. Damit verabschieden wir uns und danken fürs Mitlesen sowie die zahlreichen Kommentare auf Facebook!

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