Donnerstag, 22. August 2019

Test der Supercharger Was taugt Teslas elektrischer Highway?

Unterwegs im Tesla S von München nach Amsterdam: Die mmo-Redakteure Nils Sorge und Wilfried Eckl-Dorna (rechts) testen Teslas neues Supercharger-Netz in Deutschland
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Unterwegs im Tesla S von München nach Amsterdam: Die mmo-Redakteure Nils Sorge und Wilfried Eckl-Dorna (rechts) testen Teslas neues Supercharger-Netz in Deutschland

6. Teil: Gratisstrom sorgt für Neid an der Tankstelle

16.15 Uhr: Der Tesla ist nun eingestöpselt - nach einem kleinen Fehlversuch. Jetzt schaufelt der Supercharger fast 300 Ampere und 355 Volt in die Batterie, umgerechnet sind das 610 Kilometer pro Ladestunde. Wir machen jetzt mal eine Pause von 40 Minuten. Dem Tesla mag Strom reichen, wir benötigen auch mal ein paar Kalorien. Kurz vor 17 Uhr geht's weiter.

Tanken für die letzte Etappe: Autohof in Wilnsdorf. Bis Amsterdam sind es noch rund 350 Kilometer. Die Zeit bis zum Abflug um 21 Uhr wird knapp ...
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Tanken für die letzte Etappe: Autohof in Wilnsdorf. Bis Amsterdam sind es noch rund 350 Kilometer. Die Zeit bis zum Abflug um 21 Uhr wird knapp ...
17.05 Uhr: So, roter Schlitten und Fahrer sind mit ausreichend Kraftstoff versorgt. Jetzt geht's weiter. 345 Kilometer haben wir noch vor uns, meint das Navigationsgerät. 3 Stunden und 20 Minuten sollte das dauern. Das wird knapp, weil unser Flieger um 21 Uhr geht. Unser geplantes Abschlussfoto vor dem Van-Gogh-Museum müssen wir wohl sausen lassen - und statt dessen lieber zum Airport rasen.

17.12 Uhr: In den 45 Minuten, in denen unser Tesla am Stecker hing, ging die verbleibende Reichweite von 21 auf 405 Kilometer in Höhe. Eins war allerdings klar zu sehen, als wir vom Essen zum Auto zurückkehrten: Der Tesla regelte die Stromzufuhr im Verlauf der Schnellladung deutlich herunter.

17.20 Uhr: An der Tesla-Zapfsäule hatten wir übrigens Besuch von einem Herrn, der ein noch exotischeres Elektroauto fährt als wir. Er berichtete, dass er mit einem in Indien gebauten E-Mobil herumfährt. Zwar kann er mit seinem Fahrzeug nicht an den Superchargern laden. Aber er fand es gut, dass durch Teslas Infrastruktur Elektroautos mehr Zuspruch finden.

17.35 Uhr: Das Tanken an den Superchargern ist für Besitzer eines Tesla Model S mit der großen 85-kWh-Batterie übrigens kostenlos - und das für die Lebensdauer des Autos. Dabei ist der Bau der Supercharger kein Schnäppchen. Tesla äußert sich nicht zum genauen Preis, die Kosten einer Station mit mehreren Ladesäulen dürften aber deutlich über 100.000 Euro liegen.

17.45 Uhr: Die tatsächlichen Kosten für die Supercharger in Europa hat Tesla-Chef Elon Musk aber anfänglich unterschätzt. In einemInterview mit manager magazin im Februar sprach er von maximal 30 Millionen Dollar, die er für 100 Schnellladestationen in Europa ausgeben wollte. Später hat er diese Zahl nach oben korrigiert. Und zuletzt hieß es nur noch, dass Tesla viel Geld in Deutschland investieren wolle.

17.55 Uhr: Energiefachmann Gutsch meinte uns gegenüber, dass der Bau solcher teuren Ladesäulen sich für Energieversorger oder Netzbetreiber niemals lohnen kann. Denn wer den dort abgegebenen Strom verkaufen will, müsste den Preis mit einem hohen Aufschlag festlegen. Nur so könnte ein Betreiber seine Investition wieder reinholen. Dann allerdings wäre der Strompreis an den Schnellladesäulen so hoch, dass Fahrer von Dieselautos kaum teurer unterwegs wären.

18.07 Uhr: Eines sollte aber den klassischen Autoherstellern zu denken geben. Mit den Superchargern schafft sich Tesla ein Alleinstellungsmerkmal, das andere nicht so leicht kopieren können. Zwar hat Tesla bereits angekündigt, dass auch andere Hersteller die Schnelllader für ihre E-Mobile nutzen können. Doch erstmal müssen deren Batterien 135 Kilowatt bei der Ladung verkraften. Derzeit schafft das nur das Model S von Tesla.

18.12 Uhr: Das Gratisstromtanken sorgt bereits jetzt hier und da für Neidgefühle - zum Beispiel bei den Mitarbeitern herkömmlicher Tankstellen. So meinte eine Verkäuferin in einem Tankstellenshop zu uns: "Ich finde es nicht gut, dass die hier kostenlosen Strom bekommen, während wir Strom sparen müssen."

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