Mittwoch, 19. Juni 2019

Test der Supercharger Was taugt Teslas elektrischer Highway?

Unterwegs im Tesla S von München nach Amsterdam: Die mmo-Redakteure Nils Sorge und Wilfried Eckl-Dorna (rechts) testen Teslas neues Supercharger-Netz in Deutschland
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Unterwegs im Tesla S von München nach Amsterdam: Die mmo-Redakteure Nils Sorge und Wilfried Eckl-Dorna (rechts) testen Teslas neues Supercharger-Netz in Deutschland

5. Teil: Riskante Akkus und friedliches Brandverhalten

14.20 Uhr: Der etwas längere Aufenthalt an der Schnellladesäule bringt zwar unseren Zeitplan etwas durcheinander. Aber einen Vorteil hatte der Stopp: Wir haben ausreichend Strom im Akku, um auch mit etwas flotterer Fahrweise locker bis zum nächsten Etappenziel in Nordrhein-Westfalen zu fahren. Jetzt hoffen wir mal, dass unterwegs nicht allzu viele Baustellen den Fahrspaß trüben.

14.25: Apropos entspanntes Fahren: Nach fünf musiklosen Stunden haben wir nun das Internetradio gefunden. Die Station .977 Alternative spielt Alternative Rock - und beschert uns zumindest akustisch das Gefühl endloser, kaum bevölkerter Highways.

14.30 Uhr: Soeben haben wir Ladenburg passiert. Nomen est leider nicht Omen. Supercharger gibt es in dem Ort mit so passendem Namen nicht.

14.40 Uhr: Zwar wäre es punkto Reichweite am besten, mit unter 100 km/h über die Autobahnen zu fahren. Doch wir müssen jetzt ein wenig auf die Tube drücken, wenn wir wie geplant unseren Flieger in Amsterdam erreichen wollen. In den letzten 45 Minuten sind wir rund 90 Kilometer weit gefahren, laut Navi haben wir noch 147 Kilometer bis Wilnsdorf vor uns. Im Akku ist noch genug Strom für 267 Kilometer. Wir erhöhen jetzt ein wenig das Tempo.

14.55 Uhr: Unser Plan ist es, in Wilnsdorf den Akku möglichst voll zu tanken und dann in einem Zug bis Amsterdam durchzufahren. Das sollte doch zu schaffen sein, oder? Auf unserer Facebook-Seite sind die Meinungen geteilt. Einige Kommentatoren sind für Schnellfahren, andere schelten uns, weil wir das Auto als Sportwagen betrachten.

15.00 Uhr: Wolfgang Schüler hat uns per Facebook auf einen Fehler hingewiesen: Wilnsdorf liegt natürlich in der Nähe von Siegen - und nicht von Siegburg. Sorry dafür - das war der Geschwindigkeit geschuldet.

15.05 Uhr: Und einige Facebook-Kommentatoren wollen auch wissen, wie sich das Auto fährt. In aller Kürze: Der Tesla schmiegt sich auch bei höherem Tempo beachtlich gut an den Asphalt. Die Beschleunigung ist phänomenal - wir fahren aber auch das teure Performancemodell mit dem größeren Akku. Und was die Fahrgeräusche betrifft: Bis Tempo 50 gleitet der Tesla wie eine geräuschlose Sänfte durch den Verkehr. Auf der Autobahn ist es bis Tempo 120 im Innenraum leiser als viele Verbrenner, danach kommen die Windgeräusche hinzu. Ab Tempo 180 sind diese deutlich vernehmbar.

15.07 Uhr: Jetzt haben wir gerade den Main bei Frankfurt überquert. Mehr zum Fahrverhalten des Tesla und einige Bilder aus dem Inneren des Fahrzeugs finden sich in unserem ausführlichen Model S-Test vom Aprildieses Jahres.

15.10 Uhr: Das Herzstück des Tesla ist die Batterie - und um die gab es in den letzten Monaten heftige Debatten. In Nordamerika haben drei Tesla-Fahrzeuge gebrannt. Wir haben deshalb aus dem Auto heraus bei einem deutschen Batterieforscher nachgefragt, wie sicher der Tesla wirklich ist - und was er von den Schnellladern hält.

15.17 Uhr: Batterieforscher Andreas Gutsch vom Karlsruher Institut für Technologie hält die Tesla-Akkus für riskanter als die anderer Hersteller. "Tesla erkauft sich die größere Reichweite mit einer größeren Energiedichte der Batterie", sagte er uns im Gespräch. Das berge ein größeres Gefahrenpotenzial.

15.20 Uhr: Die von Tesla verwendeten Batterien enthalten Nickel-Kobalt-Aluminiumoxid, erklärte uns Batterieforscher Gutsch. Und dieses Material trage dazu bei, dass die Batterie früher dazu neigt Feuer zu fangen. Dafür brennt der Tesla vergleichsweise ordentlich ab. "Das Brandverhalten an sich war eher friedlich. Es gab keine massive Explosion, das spricht für die Sicherheit des Autos", sagte Gutsch.

15.27 Uhr: Tesla-Chef Elon Musk betont ja auch, dass bei den Bränden kein Model-S-Fahrer zu Schaden kam. Zwei der bisher drei Brände von Model-S-Fahrzeugen in den USA entstanden dadurch, dass ein Metallteil Teile der Batterie aufschlitzte. Bei den Teslas ist der Akku im Fahrzeugboden eingebaut. Tesla hat darauf reagiert - und die Luftfederung etwas nach oben geschraubt. Dem Aktienkurs Börsen-Chart zeigen haben die feurigen Berichte allerdings nicht gut getan, wie unsere Bildergalerie zeigt.

15.40 Uhr: Noch 35 Kilometer bis zur nächsten Tesla-Tanke. Derzeit ist die Batterie noch zu einem Viertel voll. In Wilnsdorf werden wir mit Hochgeschwindigkeit Strom ziehen - doch die letzten 20 Prozent der Batterie müssen langsam geladen werden, wie uns Batterieforscher Gutsch verdeutlichte. Wenn die Batterie voll wird, muss der Strom langsam reduziert werden. "Die Batterie darf niemals überlaufen", so Gutsch. Denn das sei sicherheitskritisch, wie er es ausdrückte - und könne zu einem Brand führen.

15.50 Uhr: Haben wir es mit dem Gasgeben doch ein wenig übertrieben? Soeben sind die Bildschirme im Model S deutlich dunkler geworden, die Straßenkarte ist nun schwarz hinterlegt. Ist das nun der Sparmodus, weil wir nur noch 35 Kilometer Restreichweite haben, wenn wir so weiterfahren wie zuletzt? Oder ist das der Nachtmodus? Für den ist es noch etwas früh.

15.51 Uhr: Entwarnung - jetzt ist wieder alles normal, der Bildschirm weiß hinterlegt. Noch 14 Minuten trennen uns von Wilnsdorf - und eine längere Baustelle mit viel Verkehr.

16.09 Uhr: Der nächste Schnellader ist bereits in Sichtweite, unsere Batterie ist allerdings auch ziemlich ausgesaugt. Gerade mal 21 Kilometer könnten wir noch weiterfahren. Da kommt so ein Supercharger jetzt schon ziemlich gelegen. Noch sind es nicht mal eine Handvoll in Deutschland. Batterieforscher Gutsch misst dem Aufbau der Tesla-Schnelllader für den Massenmarkt nur wenig Bedeutung bei - die Infrastruktur kann sich kaum amortisieren, sagt er.

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