Freitag, 24. Mai 2019

Tesla verdient im vierten Quartal weniger als erwartet Tesla-Finanzchef geht, Aktie fällt

Tesla-Chef Elon Musk

Monatelange Produktionsprobleme beim Model 3, dazu noch ein folgenschwerer Tweet von CEO Elon Musk zu einem möglichen Börsenrückzug: Das Jahr 2018 verlief für den Elektroauto-Hersteller Tesla ziemlich turbulent. Eine Zeitlang schien sich die Lage bei Tesla Börsen-Chart zeigen zu beruhigen, doch seit Jahresbeginn 2019 ging es erneut hoch her: Um Kosten zu sparen, setzt Tesla 3000 Mitarbeiter auf die Straße. Die Modelle von Tesla seien für die meisten Menschen zu teuer, so Musk in einer Aufsehen erregenden Mail an die Mitarbeiter.

In den USA senkte der Elektroauto-Hersteller die Preise für seine Modelle leicht - offiziell wegen auslaufender Steuererleichterungen. Einige Analysten vermuten hingegen, dass die Nachfrage nach dem Model 3 nachgelassen hat. Musk selbst warnt vor einem "sehr schwierigen Weg", der Tesla in diesem Jahr bevorstehe. Investoren zeigten sich zuletzt ziemlich verunsichert. Der Kurs der Tesla-Aktie schwankte kräftig, seit Anfang Januar gab er um insgesamt 11 Prozent nach.

Gewinn niedriger als erwartet, Finanzchef geht, Aktie fällt nachbörslich

Am Mittwochabend (22.30 Uhr deutscher Zeit) hat Tesla Geschäftsergebnisse aus dem vierten Quartal vorgelegt. Zwar präsentierte Tesla erneut einen Quartalsgewinn. Da dieser jedoch niedriger ausfiel als erwartet, gab die Aktie von Tesla im nachbörslichen US-Handel um rund 3 Prozent nach. Zuvor war sie in Erwartung guter Zahlen um rund 3 Prozent gestiegen.

Auf die Stimmung der Anleger schlug auch der Abgang von Finanzvorstand Deepak Ahuja. Er ist seit 2008 bei Tesla, hatte die Firma aber schon einmal zwischen 2015 und 2017 verlassen. Einen genauen Zeitpunkt für den Rücktritt nannte Elon Musk nicht. Zum Nachfolger wurde bereits Stellvertreter Zach Kirkhorn befördert. Für Tesla, das ohnehin von einem Manager-Exodus gebeutelt ist, ist der Verlust schmerzhaft. Ahuja führte das Unternehmen bereits durch einige schwierige Phasen, in denen die Mittel mitunter ausgesprochen knapp waren.

Tesla wies für das vierte Quartal einen Nettogewinn von 139 Millionen Dollar aus. Im dritten Quartal waren es noch 311 Millionen Dollar gewesen. Der Gewinn von 1,93 Dollar pro Aktie lag unter den Erwartungen der Analysten, die 2,20 Dollar Gewinn pro Aktie erwartet hatten. Obwohl Tesla betonte, im Jahr 2019 in jedem Quartal einen Gewinn ausweisen zu wollen und damit nachhaltig profitabel zu sein, gab die Aktie des US-Elektroautobauers nachbörslich wieder nach.

Firmen-Wandelanleihe steht zur Rückzahlung an

Mit den Zahlen für das dritte Quartal 2018 war es Musk zuletzt gelungen, die Märkte positiv zu überraschen. Doch dieses Kunststück konnte er im vierten Quartal nicht wiederholen. Musk hatte bereits im Vorfeld die Erwartungen gedämpft und angedeutet, dass die Zahlen des Jahresendquartals unter den Rekordumsätzen des dritten Quartals liegen dürften.

Und Teslas Kapitalausstattung bleibt ein Thema: Denn Anfang März muss Tesla eine 2014 begebene Firmen-Wandelanleihe von 920 Millionen Dollar zurückzahlen, wie Bloomberg berichtet. Diese muss voll bedient werden, wenn der Aktienkurs bis dahin nicht über die Schwelle von 360 Dollar steigt. Zuletzt lag der Aktienkurs mit knapp 309 Dollar deutlich drunter. Tesla-Chef Elon Musk könnte also einen Schub für den Aktienkurs Börsen-Chart zeigen aktuell besonders gut gebrauchen, um damit hunderte Millionen Dollar zu sparen.

Zwar hätte Tesla aktuell genug Geld für eine komplette Cash-Auszahlung. So stiegen die liquiden Mittel im Schlussquartal von 3,0 auf 3,7 Milliarden Dollar. Für das laufende Geschäft wäre es aber sicher besser, möglichst viel Geld in der Kasse zu behalten.

Einen Teil der Anleihenschulden will Tesla zwar wohl ohnedies in Cash auszahlen. Laut Bloomberg streben die Kalifornier eine 50:50-Verteilung zwischen Cash und Aktien an, wenn der Aktienkurs auf 360 Dollar steigt und sich Anleihen-Geldgeber zur Umwandlung in Aktien entschließen. Doch das hieße auch, dass Tesla seine Cash-Reserven nur um rund 460 Millionen Dollar dezimieren würde, statt um 920 Millionen.

Tesla-Shortseller hoffen auf Kurseinbruch

Damit der Kurs bis Ende Februar kräftig steigt, müsste Musk also schnell sehr positive Nachrichten verkünden. Danach sah es zuletzt nicht unbedingt aus: Vor knapp zwei Wochen erklärte Musk in einem Brief an die Mitarbeiter, dass er für das erste Quartal nur mit "einigem Glück" einen "winzigen Gewinn" erwarte. Tesla müsse Fortschritte bei den günstigeren Versionen des Model 3 machen, forderte Musk darin. "Unsere Produkte sind für die meisten Menschen noch immer zu teuer", erklärte er. Und auch der jetzt bekannte Abgang des langjährigen Finanzchefs sorgt für Unruhe.

Musks Lieblingsgegner unter den Investoren, die auf fallende Kurse spekulierenden "Short Seller", dürften sich bei dem Brief die Hände gerieben haben. Denn er nährt ihre Grundthese, dass im Tesla-Reich vieles im Argen liegt. Seit Tagen machen sie via Internet gegen Tesla Stimmung und hoffen auf den großen Kurseinbruch - an dem viele von ihnen prächtig verdienen würden.

Bisher schlug Musk den "Tesla-Shortern" aber stets ein Schnippchen - indem er etwa überraschend einen Gewinn verkünden konnte oder hohe Produktionsziele verspätet, aber doch erreichte. Solche Nachrichten ließen den Tesla-Aktienkurs verlässlich nach oben schnellen.

Deshalb ist es auch gut möglich, dass Musk für die kommenden Wochen eine positive Überraschung vorhält, den Kurs damit mal wieder befeuert - und so Anfang März weniger Geld an die Anleihengläubiger auszahlen muss als befürchtet. Langweilig wird es für Tesla-Investoren also auch in diesem Jahr nicht.

mit Nachrichtenagenturen

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